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Das DFB-Team bejubelt das erste Tor von Heiko Westermann (2.v.l.) © getty

Eine blendend aufgelegte deutsche Elf spielt Aserbaidschan locker an die Wand. Lokalmatador Podolski und Klose überragen.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Köln - Sechs Punkte, 7:1 Tore ? die deutsche Nationalmannschaft ist mit den erhofften und erwarteten zwei Siegen in die EM-Qualifikation gestartet.

Das spielfreudige Team von Bundestrainer Joachim Löw feierte in Köln am Dienstagabend vor 43.751 Zuschauern einen hochverdienten 6:1 (3:0)-Sieg gegen Aserbaidschan und liegt in der Qualifikationsgruppe A punktgleich vor der Türkei, die 3:2 gegen Belgien gewann (DATENCENTER: EM-Qualifikation).

Die Tore fielen durch Heiko Westermann (28.), Lukas Podolski, Miroslav Klose (beide 45.), ein Eigentor der Gäste (53.), Holger Badstuber und noch einmal Klose (90.). Nach einem Fehler von Nationaltorwart Manuel Neuer kam Aserbaidschan in der 58. Minute zum Ehrentreffer.

"Die Mannschaft ist immer wieder nach vorn gegangen, hat unglaublich gut kombiniert", freute sich Löw: "Es hat Spaß gemacht, das zu sehen."

Löw hatte gegen die von Ex-Nationaltrainer Berti Vogts trainierten Gäste eine Änderung gegenüber dem 1:0-Sieg in Belgien vorgenommen.284504(DIASHOW: Bilder des Spiels)

Riether in der Startelf

Für den an einer Sehnenreizung laborierenden Hamburger Marcell Jansen rückte aber nicht wie erwartet Jansens Vereinskollege Heiko Westermann, sondern Sascha Riether in die Startelf.

Der Wolfsburger, der beim 2:2 in Dänemark am 11. August sein Debüt im DFB-Team gefeiert hatte, spielte rechts in der Abwehrkette, Kapitän Philipp Lahm wechselte auf die linke Seite.

Mertesacker früh raus

In der 6. Minute gab es den ersten Ansatz einer Torchance: Sami Khedira steckte durch in den Strafraum zu Özil, aber Aserbaidschans Torwart Kamran Agajew warf sich dem Profi von Real Madrid entgegen und klärte im Nachfassen.

Nach sieben Minuten die erste Schrecksekunde für das deutsche Team. Nach einem Zusammenprall ging Per Mertesacker zu Boden. Der Bremer wurde an einer Platzwunde unter dem linken Auge behandelt und konnte nicht weiterspielen. Für ihn kam in der 11. Minute Westermann. Mertesacker wurde zum Röntgen ins Krankenhaus gefahren.

In der durch Mertesackers Verletzung bedingten Unterzahl musste die deutsche Mannschaft eine brenzlige Situation überstehen.

Rhythmus findet sich

Wagif Jawadow flankte von links in den Strafraum, doch Schweinsteiger köpfte den Ball aus der Gefahrenzone.

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Nach Westermanns Einwechslung wieder vollzählig, fand die deutsche Auswahl allmählich ihren Rhythmus.

In der 20. Minute ergab sich nach einem Foul an Klose an der Strafraumgrenze die erste gute Tormöglichkeit. Podolski schoss aus halbrechter Position knallhart, doch der abgefälschte Ball war keine Gefahr für das Gästetor.

Chancen im Minutentakt

Chancen erspielte sich die Löw-Elf nun im Minutentakt: Zunächst schoss Podolski knapp über das Tor (23.), der nächste Versuch des Kölners, nach schöner Vorarbeit von Müller, wurde zur Ecke abgefälscht (25.), nach der Westermann das 1:0 auf dem Kopf hatte.

Dazwischen musste allerdings Khedira im eigenen Strafraum klären (24.). Der Real-Profi zeigte sich gegenüber dem Belgien-Spiel leicht verbessert, sein Vereinskollege Özil wirkte zunächst noch etwas unkonzentriert.

Hellwach spielte hingegen Podolski auf, der von den Fans im Kölner Stadion mit Sprechchören gefeiert wurde.

Westermann bricht den Bann

Deutschland drängte weiter und wurde in der 28. Minute belohnt: Nach einem Zuspiel auf Klose legte der Bayern-Stürmer zurück auf Westermann, der den Ball im Nachschuss aus vier Metern hoch in die Maschen schoss.

Der Bann war gebrochen, und das DFB-Team hielt den Druck hoch. Der WM-Dritte dominierte und schlug in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit doppelt zu: Nach Doppelpass mit Özil schoss Podolski an den Innenpfosten, von wo der Ball ins Tor sprang.

Für Podolski, der mit seinem 81. Länderspieleinsatz mit dem Kölner Vereinspräsidenten Wolfgang Overath gleichzog, war es der 41. Treffer im Nationaltrikot.

"Poldi" setzte nach der schwachen Vorstellung gegen Belgien mit seiner Leistung ein Zeichen, das auch Löw hervorhob: "Podolski war anzumerken, dass er gewillt war, viel Laufarbeit zu absolvieren. Lukas beweist seine Stärke in der Nationalmannschaft immer wieder, allein seine Torquote spricht für ihn."

Neuer verursacht Ehrentreffer

Keine sechzig Sekunden später legte der 25-Jährige nach einem Solo von Badstuber - der von Aserbaidschan viel Platz erhielt und oft eine Art Aushilfsspielmacher war - für Klose auf, der aus kurzer Distanz nur noch eindrücken musste.

Acht Minuten nach dem Wechsel erhöhte das DFB-Team auf 4:0 - und bekam dabei Unterstützung durch die Gästeabwehr: Nach einer Flanke von Khedira lenkte Kapitän Rashad Farhad Sadygow den Ball ins eigene Tor.

Als wollten die Gastgeber dieses Geschenk zurückgeben, entstand der Ehrentreffer der Aserbaidschaner in der 58. Minute durch einen Fehler eines deutschen Spielers.

Nach einer Ecke von Jawadow lenkte Neuer den Ball an den Rücken von Rail Malikow, und von dort prallte die Kugel ins Netz - eine unfreiwillig komische Einlage.

Cacau für Schweinsteiger

Deutschland war bemüht, den alten Abstand wieder herzustellen. Löw brachte den Bremer Marko Marin für Müller, doch Klose, Podolski und Co. fehlte das Glück im Abschluss.

In der 73. Minute verfehlte der Kölner mit einem Weitschuss das Tor nur um Zentimeter.

In der 78. Minute kam Cacau für Bastian Schweinsteiger ins Spiel. Der Stuttgarter hatte in der 84. Minute seine beste Szene mit einem Flachschuss, den Agajew im Nachfassen hielt.

Sahnehäubchen von Badstuber und Klose

In der 85. Minute erhöhte Badstuber - von der Gästeabwehr mit Platz wie im australischen Outback gesegnet - mit einem Kopfballtor nach einer Ecke von Özil auf 5:1, den Schlusspunkt setzte Klose nach Vorlage des überragenden Podolski und Weiterleitung Cacaus.

Für den WM-Torschützenkönig von 2006, der vor der Partie nachträglich für sein 100. Länderspiel geehrt wurde, war es das 55. Länderspieltor im 103. Einsatz. Damit schob er sich in der DFB-Torjägerliste auf Platz zwei hinter Gerd Müller (68) vor.

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