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Joachim Löw (r.) beerbte Jürgen Klinsmann nach der WM 2006 als Bundestrainer © getty

Nach Michael Ballacks Verletzung beurteilt Joachim Löw dessen EM-Chancen skeptisch. Rudi Völler reagiert verschnupft.

Von Martin Volkmar

München/Freiburg - Ein Comeback von Michael Ballack in der Nationalmannschaft rückt offenbar in immer weitere Ferne.

Bundestrainer Joachim Löw ist allem Anschein nach äußerst skeptisch, ob der 98-malige Nationalspieler nach seiner erneuten Verletzung noch einmal zurückkehren wird.

"Generell gilt, nicht nur für Michael Ballack: Irgendwann muss jeder erkennen, dass die Zeit vorbei ist, in der man Top-Leistungen bringen kann", sagte Löw der "Badischen Zeitung".

"Ob es Michael Ballack zur EM 2012 schafft, wenn er dann 35 Jahre alt ist, muss sich gerade nach dem jüngsten Verletzungspech erst zeigen."

Während sich Ballack auf SPORT1-Nachfrage zunächst nicht zu den Aussagen äußern wollte, reagierte Rudi Völler unüberhörbar verschnupft.

"Wir haben das zur Kenntnis genommen. Jogi Löw wird seine Gründe haben, warum er solche Aussagen in seinem Heimatblättchen trifft", sagte der Sportchef von Bayer Leverkusen.

Auch Bayers Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser echauffierte sich: "Ich habe da kein Verständnis mehr für. Die Aussagen sind völlig überflüssig. Das ist einfach eine Respektlosigkeit der Persönlichkeit Michael Ballack gegenüber. Man muss von der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft auch mal verlangen können, dass sie schweigt", sagte er.

"Enormer Ehrgeiz"

Immerhin: Löw hat den Mittelfeldspieler, der nach einer Fraktur im linken Schienbeinkopf mindestens sechs Wochen ausfällt, noch nicht komplett abgeschrieben.

"Dass er sich jetzt wieder verletzt hat, tut mir Leid. Grundsätzlich denke ich schon, dass Michael Ballack nochmal zurückkommen kann, denn er ist von einem enormen Ehrgeiz getrieben", erklärte der Bundestrainer.

"Und er war es stets gewohnt, sich dem Konkurrenzkampf zu stellen, ist dem nie aus dem Weg gegangen."

Khedira und Schweinsteiger klar vorn

Dennoch machte Löw eine klare Einschränkung: "Ich habe ihm aber deutlich gesagt, dass Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira momentan vor ihm liegen."

Momentan also hat Ballack keinen Stammplatz in der DFB-Auswahl mehr.

Und nur bei anhaltend starken Leistungen im Klub dürfte er - frühestens im nächsten Jahr - überhaupt wieder eine Chance erhalten (DATENCENTER: EM-Qualifikation).

"Die Nationalelf ist jetzt zweitrangig", erklärte Völler dazu. "Erstmal muss Michael wieder fit werden."

[kaltura id="0_zfvjlr9d" class="full_size" title="DFB Elf mit perfektem Start"]

Nur die Leistung zählt

Der Bundestrainer jedenfalls lässt sich alle Türen offen.

"Oberstes Ziel ist, die Mannschaft weiterzuentwickeln - gerne mit Michael Ballack, wenn er die Form hat, uns entscheidend zu verstärken. Das ist das wichtigste Kriterium für einen Trainer", meinte Löw.

"Für den Betroffenen ist so eine Situation nicht einfach. Die Zeit läuft weiter, die Entwicklung geht weiter. Neue, junge Spieler rücken nach."

Trotzdem sieht er derzeit keine Notwendigkeit, sich grundsätzlich gegen den ehemaligen Chelsea-Profi auszusprechen.

Es bleibe bei seinen Ansagen vor den letzten beiden Länderspielen, auch in der Torwartfrage: "Keine der beiden Fragen ist im Moment aktuell. Beide sind beantwortet", sagte der DFB-Chefcoach.

"Letztendlich war aber schon vor der WM klar, dass Ballack wegen einer Verletzung zwar ausfällt, aber Kapitän bleiben soll", so Löw.

Erfahrung kein alleiniges Kriterium

Allein Ballacks Verdienste oder dessen Erfahrung seien aber kein entscheidendes Kriterium:

"Grundsätzlich halte ich von Erfahrung allein relativ wenig. Mesut Özil und Thomas Müller haben wenig Erfahrung und trotzdem eine überragende WM gespielt."

Daher blickt Löw auch zuversichtlich auf die EM 2012 in Polen und der Ukraine: "Mein Bauchgefühl ist gut. Mit dieser Mannschaft ist vieles möglich."

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