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Michael Ballack (l.) hatte Bundestrainer Joachim Löw in einem Interview kritisiert © imago

Am Donnerstagabend haben sich Jogi Löw und Michael Ballack zu einem Vier-Augen-Gespräch getroffen. Heute sollen die Ergebnisse bekannt gegeben werden.

Frankfurt/Main - Die deutschen Fußball-Fans blicken gespannt nach Frankfurt.

Dort sollen heute im Lauf des Tages die Ergebnisse des Vier-Augen-Gesprächs zwischen Bundestrainer Joachim Löw und Michael Ballack bekannt gegeben werden, das über die Zukunft des DFB-Kapitäns in der Nationalmannschaft entschieden haben soll.

Wie die "Bild" berichtet, haben Löw und Ballack rund zwei Stunden lang im Büro von DFB-Präsident Theo Zwanziger diskutiert. Dabei, so schreibt die Zeitung, sei es zu einer Versöhnung der beiden gekommen, die in den vergangenen anderthalb Wochen öffentlichkeitswirksam im Clinch gelegen hatten.

Heißt: Ballack spielt weiter für Deutschland. Während Löw heute die Details des Gesprächs verkünden wird, ist Ballack schon wieder in London. Für geschätzte13.000 Euro hatte er sich für die Reise nach Frankfurt und zurück einen Privatjet genommen.

Zuvor war bereits spekuliert worden, dass Ballack dem Bundestrainer seinen Rücktritt als Kapitän anbietet. Im Gegenzug würde der Bundestrainer auf weitere Sanktionen gegen den Mittelfeldspieler verzichten, der in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Löw schwer angegriffen und unter anderem mehr Respekt und Ehrlichkeit gegenüber verdienten Internationalen gefordert hatte.

Frings zum Ersatzspieler degradiert

Damit hatte sich Ballack auch auf die Seite von Torsten Frings geschlagen, der Mitte des Monats bei den WM-Qualifikationsspielen gegen Russland (2:1) und Wales (1:0) zum Ersatzspieler degradiert worden war und sich zwischenzeitlich mit Rücktrittsgedanken getragen hatte.

Der Bremer hatte dann aber am Sonntag ein klares Bekenntnis zur Nationalmannschaft und auch zu Löw abgegeben.

Der Bundestrainer hatte nach Ballacks verbalem Angriff zunächst erklärt, dass er sich von keinem Spieler in die Mannschaftsaufstellung reinreden lassen werde.

Rückhalt von Zwanziger

DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte Löw Rückendeckung gegeben und erklärt, dass er jede Entscheidung des 48-Jährigen mittragen werde.

Ballack hatte am vergangenen Samstag aber bereits eingeräumt, dass er über das Ziel hinausgeschossen sei und in einer Presseerklärung mitgeteilt: "Ich habe zwar vorher geahnt, dass ich für meinen Gang an die Öffentlichkeit Kritik bekommen werde, dass es allerdings dieses Ausmaß annehmen würde, hätte ich nicht erwartet. Und somit muss ich leider feststellen, dass es ein Fehler war, diesen Weg zu wählen."

Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte der Mittelfeldspieler eine Entschuldigung beim Bundestrainer angekündigt und versichert, dass er Löw "persönlich als Mensch und Trainer" schätze.

Zum Schluss gegen England

Löw hatte die Stellungnahme Ballacks, der im August 2004 unter dem damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann anstelle von Oliver Kahn zum neuen Kapitän bestimmt worden war, registriert, seine endgültige Entscheidung aber von dem persönlichen Gespräch abhängig gemacht.

Am 19. November bestreitet der Vize-Europameister in Berlin sein letztes Länderspiel des Jahres gegen England. Wer dann die Kapitänsbinde trägt, ist nach wie vor offen.

Klose als Stellvertreter

Als Stellvertreter Ballacks fungierte bislang WM-Torschützenkönig Miroslav Klose, der mit seinen bislang 86 Länderspielen normalerweiser der Favorit auf das Kapitänsamt wäre.

Aber auch Kloses Münchner Vereinskollegen Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, der nach der EM bereits die Binde getragen hat, sind angeblich in der engeren Auswahl, falls Ballack seinen Verzicht erklärt haben sollte.

Wäre Klose reif fürs Kapitänsamt? Jetzt mitdiskutieren!

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