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Reiner Calmund (r.) kann sich gut in die Lage von Bundestrainer Joachim Löw hineindenken © getty

Reiner Calmund freut sich über die Aussöhnung zwischen Michael Ballack und Jogi Löw. Einen Weg zurück sieht er sogar für Kevin Kuranyi.

Von Mathias Frohnapfel

München - Die "Ehekrise" dauerte zehn Tage.

Dann jettete Michael Ballack von London nach Frankfurt, sagte aufrichtig "Sorry", und Joachim Löw nahm die Buße an.

Resultat: Der "Capitano" bleibt im Amt.

Eine logische Angelegenheit aus der Sicht von Reiner Calmund.

"Manchmal gibt es eben wie bei einer Ehe atmosphärische Störungen", kommentiert Calmund im Gespräch mit Sport1.de die Auseinandersetzung zwischen dem Bundestrainer und seinem Kapitän.

Mehr als nur Arbeitskollegen

Die beiden, erklärt Calmund, verbinde mehr als ein normales Arbeitsverhältnis. "Ich weiß, dass sich Jogi Löw und Michael Ballack nicht nur sportlich, sondern auch menschlich sehr schätzen."

Calmund kennt den ehrgeizigen Ballack bestens aus seiner Zeit als Leverkusens Manager, und auch mit dem akribischen Nationaltrainer Löw pflegt er ein freundschaftliches Verhältnis.

Ballacks Entschuldigung wertet Calmund als die "eines ganzen Kerls".

Keine heile Welt

Andererseits gibt Calmund zu bedenken, dass "die Chemie in der Mannschaft" zuletzt wohl nicht so wunderbar gewesen sein mag, wie manch einer glaubte.

Darauf habe Ballack zu Recht hingewiesen.

Nur das Mittel, das der Profi des FC Chelsea wählte, war aus Calmunds Sicht grundfalsch. "Ich denke, Michael Ballack hat mittlerweile verstanden, dass man Kritik ruhig äußern kann, aber dies intern tun sollte." Die Aussöhnung sei zweifellos für "den deutschen Fußball und die Nationalmannschaft eine vernünftige Lösung".

Völler: "Löw hat souverän reagiert"

Ex-DFB-Teamchef Rudi Völler bewertet das genauso.

"Es ist eine vernünftige Entscheidung, alles auf den Tisch zu bringen", sagte er am Freitagabend in der Halbzeitpause des Spiels Bayer Leverkusen gegen VfL Wolfsburg.

"Michael wird das erklärt haben, was vielleicht in den Medien falsch rübergekommen ist." Und Jogi Löw, so Völler, "hat sehr souverän reagiert mit dieser Entscheidung. Für alle Beteiligten ist das eine sehr gute Geschichte."

Ähnlich äußerte sich Matthias Sammer. "Natürlich bin ich froh, dass das Thema beendet ist. Jogi Löw hat sich souverän verhalten", sagte der DFB-Sportdirektor "Premiere".

Grundgesetz des Fußballs: Der Trainer hat immer Recht

In der ihm eigenen Ausdrucksweise macht Calmund derweil anschaulich, wie er den Friedensschluss sieht.

"Irgendwann heißt es raus aus dem Sandkasten, Eimerchen und Löffelchen abgeben und vernünftig miteinander reden."

Als Resultat bleibe ein Grundgesetz des Fußballs, nämlich dass der Bundestrainer in Fragen Taktik und Aufstellung die alleinige Entscheidungsgewalt besitze.

Frings ohne Freibrief

Das gilt laut Calmund auch im Fall Torsten Frings, den Ballack ja mit seiner Tirade via "Frankfurter Allgemeine" beistehen wollte. Selbst wenn Löw den Bremer nach der EM zum Weitermachen überredet habe, bedeute dies nun mal keine automatische Einsatzgarantie.

Nicht alles sei in Stein gemeißelt, meint Branchenkenner Calmund. Und überrascht mit dem Blick auf Kevin Kuranyi.

Selbst für den gebe es einen Weg zurück ins Trikot mit dem Bundesadler.

Hoffnung für Kuranyi

Denn: "Kuranyi hat in Dortmund Mist gebaut, als er aus dem Stadion abgehauen ist. Er hat sich dafür entschuldigt, der Jogi hat das angenommen."

Im Moment sei der Schalker Stürmer zwar raus aus dem Kader, aber "im Leben muss nicht alles endlich sein. Wenn er ein Jahr lang wieder gut spielt, dann kann man doch auch sagen: ,Wir sehen das alle mal aus der Sicht des Spielers, der 2006 nicht nominiert wurde und 2008 überreagiert hat'."

Ergo: "Warum sollte man sich nicht dann zusammensetzen. Das ist aber eine Entscheidung von Jogi Löw."

Hat Löw das Richtige getan? Jetzt mitdiskutieren!

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