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Sie können wieder lachen: Joachim Löw (l.) und Michael Ballack © imago

Der Fall Ballack kann für Jogi Löw nach dem Friedensgipfel endgültig zu den Akten gelegt werden. Und es gibt ein Gespräch mit Frings.

Berlin - Nach der Aussprache mit Michael Ballack sieht Bundestrainer Joachim Löw die Chance für einen vertrauensvollen Neuanfang.

"Grundsätzlich haben wir eine Basis geschaffen, um wieder gut zusammenzuarbeiten. Es ist ein Grundvertrauen vorhanden. Die Sache ist damit jetzt für mich auch erledigt", erklärte Löw im Interview mit der "Welt am Sonntag" und fügte optimistisch an:

"Ich weiß, dass eine solche Auseinandersetzung in dieser Form nie mehr passieren wird."

Ballack, der Löw in einem Zeitungsinterview scharft angegriffen hatte, habe ihm in dem persönlichen Gespräch am Donnerstag glaubhaft versichert, dass es ein Fehler gewesen sei, die Arbeit des Bundestrainers zu kritisieren.

Ballack weiter Kapitän

"Er hat sich von der Kritik an meinen Entscheidungen distanziert und klar gemacht, dass er sie respektiert", sagte Löw, der einen Tag nach dem Treffen in Frankfurt/Main mitgeteilt hatte, dass er Ballack nur eine Rüge erteilt habe und mit den England-Legionär vom FC Chelsea weiter als Kapitän bis zur WM 2010 in Südafrika plane.

Matthias Sammer begrüßte bei "Premiere" das Ergebnis des Gesprächs zwischen dem Bundestrainer und dem Kapitän, stärkte Löw aber noch einmal den Rücken:

"Natürlich sind wir froh, dass das Thema beendet ist. Die in der Öffentlichkeit stattgefundene Diskussion war bei uns intern nie ein Themaa", erklärte der DFB-Sportdirektor.

Jogi Löw ist unser Bundestrainer, er steht über allem. Er hat die absolute Kompetenz und Autorität bei uns im Haus und die Unterstützung aller - nicht nur von Dr. Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Oliver Bierhoff, sondern auch von meiner Seite. Das muss man mal ganz klar sagen. Er hat sich jetzt auch souverän verhalten."

Kein Autoritätsverlust

Löw schloss seinerseits eigene Versäumnisse in der Mannschaftsführung aus. "Es gab keine Anzeichen dafür, zumal wir unsere Position gegenüber den Spielern immer offen und ehrlich kommunizieren", sagte der 48-Jährige.

"Einige Äußerungen waren für mich deshalb vollkommen unverständlich und überzogen. Eines ist für mich klar: Personalentscheidungen obliegen mir. Ich kann Rücksprachen halten, aber ich muss es nicht. Das werde ich auch in Zukunft so handhaben."

Einen Autoritätsverlust sieht der Bundestrainer durch den Verbleib des Kapitäns in seinem Amt nicht.

"Es ist doch für alle am besten, wenn ein Spieler wie Michael Ballack seinen Fehler einsieht, sich entschuldigt und uns weiter zur Verfügung steht, wenn die Leistung stimmt. Was meine Autorität betrifft, mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Ich habe meine Vorstellungen, das wissen alle, und die werden konsequent umgesetzt", meinte Löw, der auch in Zukunft erwartet, dass Ballack sich einmischt.

"Es wird sich zeigen, in welcher Form er sich einbringt und die Mannschaft in der Balance hält. Er hat als Kapitän natürlich weiter die Pflicht, seine Meinung oder die Meinung der Mannschaft weiterzugeben. Aber nicht öffentlich", sagte der Bundestrainer..

Gespräch mit Frings geplant

Grundsätzlich beklagte Löw, dass in Deutschland zu sehr über unzeitgemäße Stammplatzgarantien diskutiert wird. Mit Torsten Frings, der sich zuletzt öffentlich über seine Rolle als Ersatzspieler beklagt hatte, plant der Bundestrainer ebenso wie mit Ballack noch vor dem nächsten Länderspiel der DFB-Auswahl am 19. November in Berlin gegen England ein Treffen.

"Da herrscht vorher noch Gesprächsbedarf. Mit Torsten Frings wird bald ein Gespräch stattfinden. Von meiner Seite werden auch hier einige Dinge deutlich angesprochen. Ich werde ihm nochmal sehr klar sagen, dass für seine Perspektiven bei uns seine Leistung entscheidend sein wird", meinte Löw.

Der Bundestrainer hat sich zudem über die vielen Ratschläge und Einmischungen der Vereine in den vergangenen Wochen gewundert:

"Über dieses Thema sollte man mal grundsätzlich mit den Vereinen sprechen. Wenn der eine oder andere seine Meinung äußert, mir öffentlich rät, ich müsste zu Ballack fliegen oder etwas anderes tun, dann registriere ich das. Aber für meine Linie ist das nebensächlich."

Hat Löw das Richtige getan? Jetzt mitdiskutieren!

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