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Mesut Özil wechselte im Sommer von Werder Bremen zu Real Madrid © getty

Mesut Özil bekennt sich vor dem Duell gegen die Türkei klar zur DFB-Auswahl. Dennoch steht der Real-Star unter Beobachtung.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Zu behaupten, dass sich alle Augen auf ihn richten, ist fast schon untertrieben.

Mesut Özil ist der große Protagonist des EM-Qualifikationsspiels zwischen Deutschland und der Türkei am Freitag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Das liegt sicherlich daran, dass der 21-Jährige nach den ersten Monaten bei Real Madrid auf dem besten Weg zu einem Weltstar ist.

Vor allem aber hat es natürlich mit dem besonders für ihn brisanten Duell zwischen seinem Geburtsland und dem Heimatland seiner Eltern zu tun - und seiner Entscheidung für die eine und gegen die andere Nationalmannschaft.

Entsprechend voll besetzt auch mit türkischen Medien war die Pressekonferenz der DFB-Auswahl am Mittwoch in Berlin, Özils einzigem öffentlichen Termin vor der Partie.

Dolmetscher für Bierhoff

Dabei musste der Deutsch-Türke sogar als Dolmetscher für Teammanager Oliver Bierhoff einspringen, als die Simultan-Übersetzung nicht funktionierte.

Özil meisterte die Aufgabe ebenso souverän wie seinen eigenen Auftritt, bei dem er ein klares Bekenntnis abgab:

"Ich bin in der dritten Generation hier geboren und hier aufgewachsen. Ich bin stolz, dass ich für Deutschland spielen darf. Das war nie ein Thema."

"Ein ganz besonderes Spiel"

Dennoch sei das Aufeinandertreffen "natürlich ein ganz besonderes Spiel. Ich freue mich, gegen meine Freunde zu spielen".

Mit ihnen in der Nationalelf wollte er allerdings nicht spielen, weshalb Özil dem türkischen Verband Anfang 2009 trotz dessen intensiver Bemühungen eine Absage erteilte.

Damals stand der gebürtige Gelsenkirchener allerdings bei Werder Bremen noch eindeutig im Schatten von Diego und es war unklar, ob er in naher Zukunft eine feste Größe bei der DFB-Auswahl werden würde.

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Unmut der Türken hat sich gelegt

Entsprechend wenig Verständnis zeigten einige türkische Fans, sogar Özils Homepage musste wegen der zahlreichen Unmutsäußerungen einige Tage geschlossen werden.

Doch das hat sich geändert. "Mesuts Vorteil ist, dass er in der Türkei auch beliebt ist, obwohl er für Deutschland spielt. Es wird sicher ein besonderes Spiel für Mesut, aber er wird ein tolles Spiel machen", sagte sein früherer DFB-Coach Horst Hrubesch SPORT1.

Auch Özil selber berichtete von zahlreichen positiven Reaktionen, "was ja nicht immer so war. Inzwischen kommen viele Deutsch-Türken auf mich zu, die sich freuen, dass ich sie in der Nationalelf repräsentiere".

Beispiel für gelungene Integration

Das liegt zu einen daran, dass Özils Aufstieg in der Elf von Joachim Löw nicht zu Unrecht als Beispiel gelungener Integration der Millionen Deutschen mit Migrationshintergrund gilt.

"Integration finde ich sehr wichtig. Man muss Respekt voreinander haben. Ich bin ja auch ein Vorbild für viele Kinder und Jugendliche", meinte der 19-malige Nationalspieler.

"Die deutsche Auswahl ist das beste Beispiel für Integration. In der Jugendmannschaft waren wir multikulti und kamen sehr gut miteinander klar."

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Zahlreiche DFB-Stars wie Sami Khedira, Jerome Boateng, Cacau oder Lukas Podolski haben ihre familiären Wurzeln im Ausland. Doch Özil ist spätestens seit der WM und seinem Wechsel zu Real Madrid das Aushängeschild.

Großer Druck

Vor allem wenn es gegen die Türkei geht. Von daher darf man gespannt sein, wie Özil mit dem Druck umgeht. Im Mai 2009 war er einer ähnlichen Situation noch nicht gewachsen.

Damals spielte er mit Werder im UEFA-Cup-Finale in Istanbul gegen Donzek und sollte in der zweiten Heimat den gesperrten Diego ersetzen - doch Özil tauchte ab und die Bremer verloren mit 1:2.

Allerdings zeigte er nur wenige Wochen später bei der U-21-EM, welches Potenzial in ihm steckt und führte das Junioren-Team zum Titel. Und bei der WM spielte er sich dann in die Weltspitze.

"Natürlich spielt die WM auch eine Rolle, dass ich jetzt bei Real Madrid spiele. Aber ich habe auch in der Bundesliga gezeigt, was ich kann", meinte Özil dazu.

Ärger und Stolz

Doch bei den "Königlichen" steht er so im Blickpunkt, dass man auch in der Türkei stolz auf ihn ist. "Einerseits haben die Türken sich geärgert und auch geschimpft, weil Mesut sich für Deutschland entschieden hat", erzählte Hamit Altintop der "Süddeutschen Zeitung".

"Auf der anderen Seite waren die Leute auch ein bisschen stolz, wenn positiv über Mesut berichtet wurde. Nach dem Motto: Einer von uns ist jetzt bei Real Madrid!"

Großes Lob von Emre

Diese große Wertschätzung wird auch in den Aussagen des türkischen Kapitäns Emre deutlich. "Ob er jetzt für Deutschland oder die Türkei spielt, ich bin sehr stolz auf ihn", sagte der Routinier, der selber in der Primera Division gespielt hat.

"Es ist eine große Ehre, dass ein Spieler mit türkischen Wurzeln bei Real Madrid und in der deutschen Mannschaft spielt."

Dementsprechend werden wohl nicht nur bei Özil am Freitagabend zwei Herzen in einer Brust schlagen, sondern wohl auch bei vielen der rund 30.000 türkischen Fans im Olympiastadion.

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