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Nationaltorwart Manuel Neuer (l.) mit SPORT1-Redakteur Martin Volkmar © SPORT1

Im Interview spricht Manuel Neuer über die Situation auf Schalke, die Wechselgerüchte um seine Person und das Duell gegen die Türkei.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Manuel Neuer muss sich momentan wie in einer Oase der Ruhe vorkommen.

Während zu Hause bei Schalke 04 nach dem Fehlstart die Alarmglocken läuten, bereitet sich der Nationaltorwart in Berlin mit voller Konzentration auf das EM-Qualifikationsspiel am Freitag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) gegen die Türkei vor.

Auch beim Treffen mit SPORT1 im Mannschafts-Hotel macht der S04-Kapitän trotz der Krise einen gelassenen Eindruck.

Im Interview spricht Neuer über die Situation auf Schalke, die Wechselgerüchte um seine Person und das Duell gegen die Türkei.

SPORT1: Sind Sie froh, dass Sie aus der eher tristen Situation bei Schalke zur Nationalmannschaft flüchten konnten?

Manuel Neuer: Ich wäre froh, wenn wir jetzt in der Liga punkten könnten. Da ist die Länderspielpause natürlich nicht so toll. Aber egal wie die Situation im Verein ist, freue ich mich immer auf die Nationalmannschaft.

SPORT1: Haben Sie den Frust über den Fehlstart zu Hause gelassen?

Neuer: Natürlich können wir unseren Saisonstart einschätzen. Hier haben wir zwei wichtige Länderspiele vor der Brust, deshalb ist der Fokus jetzt erstmal auf die Türkei gerichtet.

SPORT1: Trotzdem noch mal zum Verein: Ist es die schlimmste Krise, seit Sie für Schalke spielen?

Neuer: Wir sind vor zwei Jahren unter Fred Rutten sehr früh im UEFA-Cup ausgeschieden und haben am Ende nur den achten Platz belegt. Das war natürlich auch keine rosige Saison. Von daher ist es jetzt gut, dass erst sieben Spieltage vorbei sind. Aber wir haben erst vier Punkte, das ist keine einfache Situation.

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SPORT1: Nach dem Nürnberg-Spiel gab es Wirbel um Ihre Aussage, dass Sie sich auf Schalke nicht wohl fühlen?

Neuer: Das stimmt so nicht. Ich habe nur gesagt, dass ich mich nicht wohl fühlen kann, wenn wir auf dem 17. Tabellenplatz stehen.

SPORT1: Daraus wurde dann interpretiert, dass Ihr Weggang im nächsten Sommer schon so gut wie feststeht.

Neuer: Das interessiert mich nicht, wie das in den Medien interpretiert wird. Ich weiß, was ich gesagt habe. Alles andere ist nicht meine Sache.

SPORT1: Was sagen Sie zu den anhaltenden Gerüchten, nach denen Sie sich mit dem FC Bayern schon einig sind?

Neuer: Das ist Humbug.

SPORT1: Ist die Entscheidung über Ihre Zukunft denn offen?

Neuer: Natürlich ist sie offen.

SPORT1: Das heißt, Sie machen es an den Perspektiven bei Schalke fest?

Neuer: Ich denke, mit dieser Frage setzt sich jeder Profi jedes Jahr auseinander. Wir waren vergangene Saison Vize-Meister und haben uns für die Champions League qualifiziert. Da war die Perspektive also auf jeden Fall da. Ich habe ja auch immer gesagt, dass ich bis 2011 auf jeden Fall auf Schalke spielen werde.

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SPORT1: Und dann?

Neuer: Mein Vertrag geht noch bis 2012, also muss man sich auf jeden Fall zusammensetzen und sich langfristig Gedanken machen. Aber im Moment ist das kein Thema für mich, denn jetzt zählt erstmal nur das Sportliche. Unser Ziel ist klar: Wir wollen schnell aus dem Tabellenkeller wieder rauszukommen.

SPORT1: Aber ein Spitzenverein würde Sie grundsätzlich reizen?

Neuer: Schalke ist ja ein Spitzenverein. Wir spielen schließlich in der Champions League.

SPORT1: Zuvor gibt es im Länderspiel ein Wiedersehen mit Nuri Sahin, gegen den Sie im Derby ein Tor kassiert haben. Ein Thema für Sie?

Neuer: Nein, er ist ja bei den letzten Länderspielen nicht zum Einsatz gekommen. Natürlich mache ich mir Gedanken über die Stärken und Schwächen der Gegenspieler. Aber das Spiel heißt Deutschland gegen die Türkei.

SPORT1: Können Sie sich trotzdem vorstellen, dass angesichts von rund 30.000 türkischen Fans im Olympiastadion am Freitag so etwas wie Derby-Atmosphäre herrschen wird?

Neuer: Es wird auf jeden Fall ein heißer Tanz und die Stimmung wird mit Sicherheit gut sein. Wir müssen auf dem Platz das Kommando übernehmen und zeigen, wer die Heimmannschaft ist.

SPORT1: Wie schwer wiegt der Ausfall von Bastian Schweinsteiger?

Neuer: Er ist ein erfahrener Spieler, der natürlich fehlen wird. Aber wir haben genug gute Leute, die seine Rolle übernehmen können. Wir sind uns sicher, dass wir eine starke Mannschaft auf dem Platz haben werden.

SPORT1: Ist Deutschland Favorit?

Neuer: Sicherlich sind wir Favorit auf den Gruppensieg und auch am Freitag. Beide Mannschaften haben mit sechs Punkten in zwei Spielen bisher ihr Soll erfüllt und es wird ein Schlüsselspiel werden.

SPORT1: Freuen Sie sich darauf?

Neuer: Ja, schon seit es feststeht. Ein Heimspiel vor ausverkauftem Haus in Berlin gegen einen Gegner wie die Türkei: Etwas Schöneres kann es kaum geben.

SPORT1: Ist das Spiel auch für Sie persönlich etwas Besonderes?

Neuer: Ich bin ja ein Ruhrgebietskind und hatte immer Kontakt zu Ausländern. Ich bin mit vielen Türken, Iranern oder Polen zur Schule gegangen und habe mit ihnen im Verein gespielt. Aber für uns waren das keine Ausländer, sondern alles Schalker.

SPORT1: Am Freitag stehen Ihre Ex-Teamkollegen Hamit und Halil Altintop aber in der gegnerischen Mannschaft.

Neuer: Wir haben ein besonderes Verhältnis, weil sie auch in Gelsenkirchen geboren sind und wir bei Schalke zusammengespielt haben. Am Freitag will ich sie trotzdem schlagen.

SPORT1: Spüren Sie eigentlich einen besonderen Druck, sich als Nummer 1 im deutschen Tor beweisen zu müssen?

Neuer: Das ist kein Problem für mich. Ich würde auch nicht anders trainieren oder spielen, wenn ich nicht die Nummer 1 wäre. Diese Situation macht mir keinen besonderen Druck. Ich denke, das hat die WM gezeigt.

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