vergrößernverkleinern
Sami Khedira hat in 14 Länderspielen einen Treffer erzielt - bei der WM gegen Uruguay (3:2) © getty

Sami Khedira ist in den vergangenen Monaten zum Führungsspieler gereift. Gegen die Türkei kommt ihm eine enorm wichtige Rolle zu.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Gut zwei Monate lebt Sami Khedira nun in Madrid, doch von seiner neuen Heimat hat er bisher fast nichts gesehen.

"Es ist im Moment sehr schwer, die Stadt kennenzulernen", berichtete der Neuzugang von Real Madrid am Donnerstag.

"Mein Alltag besteht aus mehreren Stunden spanisch lernen, ansonsten dominiert der Fußball."

Gleiches gilt für ihn bei der Rückkehr nach Deutschland zum EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei am Freitag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

"Nicht zur Stadtbesichtigung hier"

"Wir sind nicht zur Stadtbesichtigung hier, sondern um drei Punkte mitzunehmen", antwortete er beinahe verständnislos auf die Frage, ob er seit seiner Ankunft am Montag schon etwas von Berlin gesehen habe.

Aussagen, die Joachim Löw in seiner hohen Meinung über den Ex-Stuttgarter bestätigt haben dürften.

"Ich bin mit Sami absolut zufrieden, weil er seine Aufgaben hervorragend erfüllt", sagte der Bundestrainer. "Wir können stolz sein, dass er bei Real spielt."

Khedira ist zwar erst 23 Jahre alt, doch im Gespräch wirkt er ähnlich wie auf dem Platz: Ruhig, abgeklärt, fokussiert.

"Der jüngste Routinier der Welt"

Die "Süddeutsche Zeitung" hat ihn deshalb zum "jüngsten Routinier der Welt" erklärt. Wie zutreffend diese Einschätzung ist, kann der Deutsch-Tunesier am Freitag beweisen.

Denn nach dem Ausfall von Bastian Schweinsteiger fällt Khedira fast automatisch die Rolle des Anführers zu: Er muss das deutsche Spiel noch mehr als bisher im Zentrum ordnen, Lücken stopfen und die Kommandos geben.

[image id="2ba05ce2-6370-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Dass er das Potenzial dazu hat, ist bei fast allen Experten unbestritten. Schon in den Junioren-Nationalteams des DFB war er Kapitän und führte in dieser Rolle auch die U-21 2009 zum EM-Titel.

Förderer Hrubesch fasziniert

"Mich hat an ihm immer fasziniert, dass er schon als junger Spieler ein Team tragen kann", sagte sein damaliger Coach und langjähriger Förderer Horst Hrubesch SPORT1.

"Er scheut keine Verantwortung, weiß aber auf der anderen Seite genau, was er kann und was nicht."

Bei Real Madrid spielt diese Trennung allerdings eine weitaus größere Rolle als zuvor beim VfB Stuttgart.

"Nicht mehr so vogelwild" wie beim VfB

[kaltura id="0_gjjjhhw6" class="full_size" title="Sahin gegen Özil"]

Er spiele "nicht mehr so vogelwild" wie manchmal früher, erklärte Khedira: "Mein Spiel sieht nicht mehr so spektakulär und auffällig aus."

Was vor allem an seinem neuen Trainer liegt. "Jose Mourinho ist ein Trainer, der Cleverness von den Spielern verlangt sowie Ordnung und Disziplin", berichtete der Mittelfeldmann.

"Von daher ist es das Ziel, erstmal sicher zu stehen und keine Gegentore zu bekommen. Wir haben sehr gute offensive Spieler, denen ich nicht den Raum wegnehmen will."

Zwangsläufig in Özils Schatten

Damit steht er fast zwangsläufig im Schatten seines Landsmanns Mesut Özil - auf und neben dem Platz. Khedira nimmt es hin, weil ihm der Dienst an der Mannschaft und der Lob der Trainer wichtiger sind als öffentliche Jubelstürme.

Auch wenn er es sich vielleicht anders wünschen würde, so ist ihm bewusst, dass "Spieler wie Cristiano Ronaldo oder Mesut Özil einfach anders wahrgenommen werden, weil sie die finalen Pässe spielen".

Khedira übernimmt stattdessen die Drecksarbeit, damit die beiden Stars glänzen können. Schließlich zählt am Ende nur, was für das Team herauskommt.

Als Mourinho ihn im Sommer in einem Hotel auf dem Real-Gelände davon überzeugte, zu den "Königlichen" zu wechseln, sagte er dem Stuttgarter, er wolle mit Real alle Titel gewinnen. "Und ich habe gesagt: ich auch", erzählte Khedira über das Ende des kurzen Gesprächs.

Stammplatz bei Real erkämpft

Seitdem hat sich der WM-Shootingstar einen Stammplatz im Star-Ensemble erkämpft und überzeugt bislang vor allem als unermüdlicher Antreiber.

"Ich will bei Real den nächsten Schritt machen, um ein noch besserer, noch größerer Spieler zu werden", sagte Khedira der "Süddeutschen Zeitung".

Mit dem Selbstbewusstsein, auf einem guten Weg zu sein, ist er nun zur DFB-Auswahl gekommen.

Nur der Sieg zählt

Und auch hier will er sich voll in den Dienst der Mannschaft stellen, um trotz der Ausfälle und Formkrisen zahlreicher Spieler den Gruppengipfel gegen die Türken erfolgreich zu bestreiten:

"Wir wollen unbedingt und mit aller Macht gewinnen. Da ist es egal wer spielt."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel