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Auch bei der EM 2012 war im Halbfinale Endstation. Nach einer starken Vorrunde und einem souveränen Viertelfinal-Erfolg über Griechenland unterlagen die Deutschen Italien mit 1:2
Bundestrainer Joachim Löw (r.) wechselte Mesut Özil in der Schlussphase aus © getty

Kanzlerin Merkel gratuliert nach dem Sieg gegen die Türkei in der Kabine. Löw ist zufrieden. Bei Özil geben die Mediziner Entwarnung.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Es war eine kurze Nacht für die deutschen Nationalspieler.

Denn nach dem umjubelten 3:0-Sieg im EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei fanden viele Akteure nach der Rückkehr ins Teamhotel am Potsdamer Platz nicht so leicht in den Schlaf.

Zu präsent waren noch die Eindrücke des am Ende beinahe rauschhaften Fußball-Festes im ausverkauften Olympiastadion. 297064(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

"Gefühlter Auswärtssieg"

"Es war harte Arbeit und ein gefühlter Auswärtssieg", sagte Kapitän Philipp Lahm über die rund 74.000 Zuschauer, unter denen lange Zeit die türkischen Fans die Oberhand hatten.

Auf dem Platz aber dominierte über weite Strecken die deutsche Mannschaft, so dass am Ende nur die DFB-Anhänger jubelten. (DATENCENTER: Die Gruppe A)

"Wir haben unser Ziel erreicht. Auch spielerisch war es sehr ansehnlich", sagte Thomas Müller zu SPORT1.

"Wir haben die Euphorie von der WM ein bisschen mit rübergenommen. Es war eine Super-Stimmung."

Merkel und Wulff in der Kabine

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Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel war begeistert und gratulierte dem WM-Dritten nach dem Abpfiff mit einer launigen Rede gemeinsam mit Bundespräsident Christian Wulff in der Kabine.

Joachim Löw nahm es zufrieden zur Kenntnis. In seinem 60. Spiel hatte der Bundestrainer lange Zeit am Spielfeldrand sichtbar mitgefiebert, erst nach dem 2:0 durch Mesut Özil (79.) fiel die Anspannung von ihm ab.

"Ich denke, wir standen unter Druck, das war ja fast ein Auswärtsspiel. Es war nicht ganz so einfach", gab Löw zu, dass die Ausgangsposition nicht die einfachste war.

Ohne den verletzten Anführer Bastian Schweinsteiger und mit zahlreichen Spielern im Formtief sah sich seine Elf auch noch den rund 40.000 lautstarken Gästefans gegenüber.

Löw lobt Engagement seines Teams

Doch das DFB-Team nahm die Herausforderung an und dominierte aus einer stabilen Defensive heraus ab Mitte der ersten Halbzeit die Partie. "Die Mannschaft hat unglaublichen Willen gezeigt und viel Lauffreude", lobte Löw.

Der verdiente Lohn war der Führungstreffer durch Miroslav Klose (42.), der einen an die Latte gelenkten Kopfball von Thomas Müller aus kurzer Distanz einköpfte.

Kloses Lauf

"Hier habe ich den Lauf, den ich bei Bayern vermisse", erklärte der Routinier. "Und ich habe das Quäntchen Glück: Bei Bayern wäre der Ball nach rechts oder links vom Pfosten weggesprungen. Hier fällt er mir auf den Helm."

Lediglich nach dem Wechsel verloren die Gastgeber kurz den Faden und der schwache Lukas Podolski 297065(DIASHOW: Das DFB-Team in der Einzelkritik) mit einem Ballverlust Halil Altintop die Riesenchance zum Ausgleich ermöglichte, den Manuel Neuer mit einer Glanztat aber verhinderte.

"Da hatten wir ein wenig Glück"

"Bis auf wenige Minuten nach der Halbzeit haben wir gut gespielt", meinte Löw. "Da hatten wir ein wenig Glück, aber wir haben uns spielerisch befreit."

Doch erst elf Minuten vor Schluss wurde der DFB-Chefcoach durch Özils Treffer erlöst. "Wir hatten insgesamt nicht die Cleverness, um das Spiel früher zu entscheiden", monierte Klose, der den Schlusspunkt zum 3:0 setzte (87.).

Klose auf Rekordkurs

Der 32-Jährige schraubte seine beeindruckende Quote mit seinem Doppelpack auf 57 Treffer und hat in der ewigen DFB-Torschützenliste nur noch Gerd Müller (68) vor sich.

Und am Dienstag in Kasachstan kann er in der Rangliste der Rekordnationalspieler mit dem Drittplatzierten Jürgen Kohler gleichziehen, Franz Beckenbauer hat Klose mit seinem 104. Länderspiel bereits überholt.

Klose stand dennoch im Schatten von Özil, der beim Duell gegen das Geburtsland seiner Eltern bei jeder Ballannahme von den türkischen Anhängern ausgepfiffen wurde und erst in der zweiten Halbzeit immer besser ins Spiel fand.

Löw lobt Özil

Allerdings hatte er sich vor dem Treffer, den er kaum bejubelte, am Knöchel verletzt. Nach Spielende wurde Özil sofort zu weiteren Untersuchungen gebracht, so dass die deutschen und türkischen Medien vergeblich auf den Star von Real Madrid warteten.

"Für Mesut war es aus meiner Sicht kein besonderer Druck. Er kann mit den Pfiffen umgehen und hat sich davon nicht beeindrucken lassen", meinte Löw.

Die Verletzung seines Spielmachers war das einzige, was den ansonsten rundum gelungenen Abend in der Hauptstadt aus deutscher Sicht trübte.

Medizinische Abteilung gibt Entwarnung

Doch schon am Samstag kam die Entwarnung: nur ein Bluterguss am Knöchel - Özils Einsatz beim Spiel in Kasachstan am Dienstag (ab 18.30 Uhr im LIVE-TICKER) ist somit nicht gefährdet.

Der Real-Profi konnte am Samstag nicht am Regenerationstraining der Startelf teilnehmen. Die medizinische Abteilung hofft, dass die Schwellung des Knöchels bis zum Sonntag abgeklungen ist.

Lahm beeindruckt

"Es ist beeindruckend, wie die Mannschaft im Moment spielt", war Lahm von der konzentrierten Vorstellungen im Gipfeltreffen der EM-Qualifikationsgruppe A angetan.

Er richtete den Blick aber bereits nach vorne: "Neun Punkte - es war ein perfekter Start, mehr geht nicht. Aber das zählt alles nichts, wenn wir am Dienstag in Kasachstan nicht nachlegen."

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