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Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) gratulierte Mesut Özil nach dem Spiel zu seinem Treffer © getty

Der Mann des Abends verließ die Stätte des Triumphs humpelnd durch die Hintertür. Für das Kasachstan-Spiel ist er zuversichtlich.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Der Mann des Abends verließ die Stätte des Triumphs humpelnd durch die Hintertür.

Ein Bluterguss im Knöchel trübte bei Mesut Özil die Freude über das 3:0 gegen die Türkei, an dem er unter anderem mit seinem Treffer zum 2:0 maßgeblichen Anteil hatte.297064(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Doch der Verzicht auf den Torjubel machte deutlich, dass es ein schwerer Gang für den Deutsch-Türken war.(DATENCENTER: Die Gruppe A)

"Es sah so aus, als ob er sich für das Tor geschämt hätte", meinte die türkische Zeitung "Sabah Gazetesi".

"Natürlich war ich total happy"

Dem widersprach Özil allerdings am Tag danach. "Natürlich war ich nach dem Tor total happy. Es war eine tolle Sache für mich, dass ich in diesem Spiel ein Tor geschossen habe", sagte er.

"Aber es war eine spontane Entscheidung, nicht groß zu jubeln - aus Respekt vor der Heimat meiner Vorfahren."

Bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen

Ähnlichen Respekt ließen die fast 40.000 Gästefans ihren "verlorenen Sohn" gegenüber allerdings vermissen. Bei jedem Ballkontakt wurde Özil, den sie bei der WM noch gefeiert hatten, von den türkischen Anhängern gnadenlos ausgepfiffen.

"Ich habe das ausgeblendet und mich allein auf mein Spiel konzentriert. Ich wollte meine Leistung bringen und das ist mir gelungen. Das Team und unsere deutschen Fans haben mich toll unterstützt", meinte er.

Zu Beginn allerdings hatte sich der Star von Real Madrid spürbar von den dauernden Unmutbekundungen von den Rängen beeindrucken lassen.

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Nach dem Wechsel aber drehte er auf, fand immer besser ins Spiel und sorgte mit seinem Schlenzer für die Entscheidung.297065(DIASHOW: Das DFB-Team in der Einzelkritik)

Kein Kommentar nach dem Spiel

Dass er aufgrund der Behandlung durch die DFB-Mediziner danach über seine Gefühle keine Auskunft geben musste, wird dem ohnehin recht wortkargen 21-Jährigen vermutlich recht gewesen sein.

Erst am Samstagnachmittag gab er seine Eindrücke preis. "Es war natürlich ein besonderes Spiel für mich, weil ich gegen meine Freunde gespielt habe", erklärte Özil.

"Ich bin glücklich, dass wir unser Ziel erreicht haben zu gewinnen."

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Großes Lob von Löw

Der Bundestrainer war laut eigener Aussage immer davon überzeugt, dass sein Youngster dem Druck gewachsen sein würde.

"Er hat schon bei der WM gezeigt, dass er sich von außergewöhnlichen Situationen nicht beeindrucken lässt", sagte Joachim Löw.

"Ich hatte nicht das Gefühl, dass er mehr angespannt war als sonst auch. Das Tor hat Mesut toll gemacht, das freut mich für ihn."

Lahm: "Zentraler Spieler in unserem System"

Ähnlich bewertete es Philipp Lahm. "Ich denke, dass es für ihn und vor allem für sein Umfeld ein besonderes Spiel war", meinte der Kapitän.

"Aber er ist Profi genug, das hat man gesehen. Er hat wieder ein gutes Spiel gemacht. Mesut ist in unserem System ein zentraler Spieler."

Entsprechend froh war Löw über die Entwarnung nach der eingehenden Untersuchung am Samstagmittag. Zwar muss Özil in den nächsten beiden Trainingseinheiten pausieren und soll sich auf dem Fahrradergometer fithalten.

DFB-Ärzte gehen von Einsatz aus

"Ich habe immer noch Schmerzen", berichtetet Özil am Samstag. Doch er vertraue den Teamärzten und Physiotherapeuten: "Ich hoffe, dass ich rechtzeitig fit werde und will unbedingt spielen."

Beim DFB geht man davon aus, dass die Schwellung im linken Knöchel bis zum Abflug nach Kasachstan zurückgeht und der Mittelfeldspieler das Abschlusstraining am Montagabend sowie das Spiel am Dienstag (ab 18.30 Uhr im LIVE-TICKER) bestreiten kann.

"Wir wünschen Mesut alles Gute"

Dort kann sich Özil dann wieder auf den Fußball konzentrieren und muss nicht mehr über Integrationsprobleme in Deutschland und sein Verhältnis zur Türkei Auskunft geben.

Der türkische Ministerpräsidenten Recep Erdogan, der neben Angela Merkel auf der Tribüne des Berliner Olympiastadions saß, beendete die Debatten auf seine Weise.

"Ich verstehe ihn sehr gut. Wir sind dafür, dass jeder Spieler für das Land spielt, in dem er lebt", sagte Erdogan: "Wir wünschen Mesut alles Gute."

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