Die türkischen Fans machen aus dem Duell gegen Deutschland ein Heimspiel. Doch am Ende behalten die DFB-Anhänger die Oberhand.

Die Zuversicht ist groß. "Wenn wir gewinnen", sagt Mehmet zu seinen Kumpels, "dann geht es am Kudamm rund."

Die Farben rot-weiß dominieren nicht nur bei der Anreise zum Länderspiel zwischen Deutschland und der Türkei am Freitag in Berlin. 297064(DIASHOW: Deutschland - Türkei)

Auch rund ums Olympiastadion und vor allem dann in der Arena sind die türkischen Fans in der Mehrheit - jedenfalls was die Lautstärke betrifft.

Ohrenbetäubend ist die Stimmung vor Anpfiff und in den ersten Minuten. Die zahlenmäßig wohl ebenso große Gruppe der DFB-Anhänger kommt zunächst nicht dagegen an.

"Auswärtssieg zu Hause", ist dort auf einem Plakat zu lesen. Auch die deutschen Spieler sprechen hinterher von einem "gefühlten Auswärtsspiel".

[image id="500e2c72-65b0-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Die Entscheidung, dieses Prestigeduell ausgerechnet in die Stadt mit den drittmeisten türkischen Einwohnern weltweit zu geben, war umstritten - rund 150.000 leben in Berlin.

So ist auch das Public Viewing an diesem Abend am Oranienburger Platz in Kreuzberg vor rund 4000 Menschen fest in türkischer Hand.

Doch vermutlich wären die treuen Anhänger auch in jede andere Stadt gefahren, um ihre Mannschaft anzufeuern.

So wie beim letzten Aufeinandertreffen in Deutschland im November 1999 in München, als die Gästefans tatsächlich und nicht nur gefühlt deutlich die Mehrheit stellen.

Damals retteten sich die DFB-Akteure mit einem glücklichen 0:0 zur EM 2000 und schimpften später über die Kulisse.

Diesmal genießen fast alle deutschen Spieler die Atmosphäre, vielleicht mit Ausnahme des permanent ausgepfiffenen Mesut Özil.

Und so sorgt die Truppe von Jogi Löw dafür, dass es mit zunehmender Spieldauer im Gästeblock immer ruhiger und in der DFB-Kurve immer lauter wird.

Nach Özils 2:0 ist die Entscheidung auch auf den Rängen gefallen. Die Türken machen sich auf den Heimweg, die Deutschen singen "Auf Wiedersehen" und "Ihr könnt nach Kreuzberg gehen".

Auch dort am Oranienplatz ist das Fan-Fest nach dem 0:3 und dem Abpfiff schnell beendet. Keine besonderen Zwischenfälle, vermeldet die Polizei am nächsten Morgen.

So bleibt dem türkischen Nationalspieler Halil Altintop, geboren in Gelsenkirchen, das passende Schlusswort: "Es war eine Klasse Atmosphäre. Außer unserer Leistung war alles top."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel