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Miroslav Klose (r.) trifft seit der WM im Nationaltrikot nach Belieben © getty

In der Bundesliga Mittelmaß, in der Nationalelf top. Doch mit einer Erklärung für die Schwankungen tun sich die Münchner schwer.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Toni Kroos rollte mit den Augen.

"Diese Frage musste ich jetzt schon achtmal beantworten", sagte er zu SPORT1.

Und eine wirkliche Antwort hatte der 20-Jährige auch beim neunten Mal nicht gefunden:

"Ich glaube, dass man das nicht vergleichen kann." 297064(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Es ging natürlich um die Verwandlung der Bayern-Spieler von müden Bundesliga-Profis zu Leistungsträgern im Trikot mit dem Bundesadler.

Rückgrat der Nationalelf

Denn wenn die Münchner husten, hat die deutsche Nationalmannschaft meistens gleich Grippe - so abhängig ist die DFB-Auswahl vom Rekordmeister.

Bei allen Erfolgen der jüngsten Vergangenheit bei großen Turnieren bildeten die FCB-Akteure das Rückgrat der deutschen Elf, zuletzt bei der WM in Südafrika.

Entsprechend groß waren die Sorgen vor dem Gipfeltreffen der EM-Qualifikationsgruppe A gegen die Türkei, schließlich steckt der Double-Gewinner des Vorjahres in der Krise.

Überzeugendes FCB-Quintett

Doch davon war bei den fünf Bayern-Spielern, die Bundestrainer Joachim Löw aufs Feld schickte, am Freitagabend nichts mehr zu sehen.297065(DIASHOW: Das DFB-Team in der Einzelkritik)

Im Gegenteil: Die Nationalelf wirkte eher wie eine Frischzellenkur. Das gesamte Quintett präsentierte sich in Top-Verfassung und hatte maßgeblichen Anteil am klaren Sieg.

Am vorentscheidenden Führungstor waren nur Münchner beteiligt: Flanke von Kapitän Philipp Lahm, Kopfball von Thomas Müller an die Latte, Abstauber Miroslav Klose.

Kloses Parallelwelten

Der Stürmer, der auch noch das 3:0 nachlegte, steht symbolisch für die Parallelwelt in der Nationalelf:

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Bei Bayern hat er in den letzten eineinhalb Jahren gerade mal zwei Bundesliga-Törchen geschossen, im Löw-Team neun Treffer in seinen letzten acht Länderspielen.

"Hier habe ich den Lauf, den ich bei Bayern vermisse. Und das Quäntchen Glück: Bei Bayern wäre der Ball nach rechts oder links vom Pfosten weggesprungen. Hier fällt er mir auf den Helm", meinte der DFB-Torjäger.

"Das System bei Bayern ist das selbe"

Eine Erklärung dafür hatte aber Klose nicht wirklich. "Auch, wenn es sich komisch anhört. Es ist vieles gleich", meinte er. "Das System bei Bayern ist das selbe, die Ordnung ist die selbe."

Nur die Torausbeute ist überhaupt nicht die selbe. Der FCB hat derzeit sogar den schlechtesten Sturm der gesamten Liga und liegt vor allem deshalb schon 13 Punkte hinter Spitzenreiter Mainz 05.

"Ich hoffe einfach mal, dass auch bei Bayern das Glück zurückkommt", meinte Klose. Einfach mal rein statt daneben, einfach mal in Führung gehen statt einem Rückstand hinterherlaufen.

Endlich mal in Führung gehen

"Ich denke, es würde uns in München auch mal gut tun, wenn wir wie gegen die Türkei auch mal in Führung gehen würden", sagte Kroos.

"Das war am ersten Spieltag gegen Wolfsburg zuletzt der Fall. Dann würden sich die Spiele vielleicht ähnlich entwickeln wie am Freitag. Aber das ist schwer zu vergleichen. Wir müssen jetzt gegen Kasachstan (ab 18.30 Uhr im LIVE-TICKER) gewinnen und uns dann wieder auf Bayern konzentrieren."

Dort zählen nur noch Siege, um die Aufholjagd zu starten und doch noch in den Kampf um die Meisterschaft einzugreifen.

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Lahm: Zu viel Rückstand, zu viel Druck

"Das Problem ist, dass wir zu viele Punkte Rückstand haben. Dann ist Druck enorm und da hat nicht jeder Spieler die Sicherheit, die man braucht", meinte Lahm.

"Man braucht nur unsere letzte Aktion gegen Dortmund zu sehen, als wir den Ball aus kurzer Distanz nicht reinbekommen. Es fehlt im Moment etwas bei uns, auch wenn es nur ein bis zwei Prozent sind, die aber auf so einem Niveau einfach entscheidend sind." (DATENCENTER: Die Gruppe A)

Für seinen Trainer Louis van Gaal ist etwas mehr. "Ich denke, dass den Spielern fünf Prozent fehlen. Das ist ein mentales Problem", meinte der Niederländer.

"Die Spieler können sich in wichtigen Spielen wie in der Champion League fokussieren. Das müssen sie auch in der Bundesliga wieder lernen."

WM-Strapazen dürfen "keine Ausrede mehr sein"

Offenbar wirken im Liga-Alltag noch die WM-Strapazen nach. "Bei Bayern sind zwölf Spieler bei der WM gewesen, die am Saisonbeginn sicherlich müde waren, auch mental", erklärte Lahm. "Aber das darf jetzt beim FC Bayern keine Ausrede mehr sein."

Wie sie aber auch im Trikot der Roten die Kurve bekommen sollen, wusste keiner der DFB-Leistungsträger zu sagen. Trotzdem hoffen alle, den Schwung nach der Rückkehr in die Heimat mitnehmen zu können.

"Das müssen wir auf die Bundesliga übertragen", meinte Müller.

"Es war uns immer klar, dass wir die Qualität haben, aber das Glück müssen wir uns wieder hart erarbeiten. Dann kommt es vielleicht wieder."

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