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Christoph Moritz (r.) im Gespräch mit SPORT1-Redakteur Matthias Becker © SPORT1

Christoph Moritz spricht bei SPORT1 vor dem Spiel gegen die Ukraine über das neue Team und das Bolzen mit Kumpel Lewis Holtby.

Von Matthias Becker

Grassau - Der Kontrast zu Gelsenkirchen könnte kaum größer sein.

Sanfte Hügel, der malerische Chiemsee und die Kulisse der Alpen prägten das Bild rund um das Trainingslager der deutschen U 21 in Grassau.

Auch Schalkes Christoph Moritz bereitete sich mit dem deutschen Nachwuchsteam in Grassau auf das Freundschaftsspiel gegen die Ukraine in Unterhaching (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) vor.

Fernab des derzeit holprigen Bundesliga-Alltags beim Tabellen-17. Schalke 04 spricht Moritz mit SPORT1 über das schnelle Auf und Ab seiner gerade gestarteten Karriere, die neue U 21 und Kumpel und Zimmerkollegen Lewis Holtby.

SPORT1: Herr Moritz, tut es gut bei der U 21 und mal ein paar Tage von Schalke weg zu sein?

Christoph Moritz: Ich freue mich immer, zur Nationalmannschaft zu kommen, denn ich habe noch nicht so viele Länderspiele gemacht. Das ist ganz unabhängig von der Situation im Verein.

SPORT1: Kann man die schwierige Situation im Heimverein überhaupt ausblenden? Vor allem, wenn es bei der U 21 nur um ein Freundschaftsspiel geht?

Moritz: Ausblenden soll man die Situation sowieso nicht, denn ich spiele auch für Schalke 04 und nicht nur für Deutschland. Ich stehe auch weiterhin im Kontakt mit den Jungs, erkundige mich, wie es bei denen in den Freundschaftsspielen läuft.

SPORT1: Die vergangenen 13, 14 Monate waren für Sie sehr aufregend. Von Aachens zweiter Mannschaft ging es bis in die Champions League, jetzt die erste Krise bei Schalke. Wie kommen Sie mit dieser Achterbahnfahrt zurecht?

Moritz: Es ist eine ungewohnte Situation, denn im ersten Profi-Jahr ist es wie geschmiert gelaufen. Wir waren immer nur in den oberen Tabellenregionen, jetzt haben wir erstmals eine schlechte Phase. Doch das gehört dazu. Aber die Qualität auf Schalke ist so hoch, dass wir uns in den nächsten Wochen da raus ziehen werden.

SPORT1: In Schalke mussten Sie zuletzt auch als Rechtsverteidiger ran, in der U 21 wurden Sie als Mittelfeldspieler nominiert. Sehen Sie das auch als die bessere Position für sich?

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Moritz: Bei der U 21 war es noch nie ein Thema, dass ich in der Abwehr spielen sollte. Bislang habe ich hier immer im defensiven Mittelfeld gespielt und da setzt mich der Trainer auch bevorzugt ein.

SPORT1: Nach der verpassten EM- und Olympia-Qualifikation will Rainer Adrion eine neue Mannschaft aufbauen. Ist es sehr schwierig, sich zu motivieren, wenn das nächste erreichbare Großereignis erst 2013 ansteht?

Moritz: In den vergangenen beiden Qualifikationsspielen war das für mich kein Problem, denn es ist ein Länderspiel und da bin ich genauso fokussiert wie immer. Denn ich habe wie gesagt noch nicht so viele Länderspiele gemacht.

SPORT1: Ist die Zeit bei der U 21 vielmehr eine gute Gelegenheit, um die Abläufe beim DFB besser kennen zu lernen?

Moritz: Ja, klar. In jedem Länderspiel kann man etwas mitnehmen, es geht gegen ein anderes Land und man kann etwas lernen. Gerade wenn man im Verein momentan nicht erste Wahl ist, kann man sich hier die Spielpraxis holen.

SPORT1: Was erwarten Sie von der Partie gegen die Ukraine, welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Moritz: Wir versuchen als Mannschaft die Zeit zu nutzen, um uns auf die nächste Qualifikation einzustellen. Wir haben vor allem am Offensivspiel gearbeitet, denn da haben wir eine Riesen-Qualität. Die wollen wir in den Freundschaftsspielen umsetzen, da gilt es Spielzüge einzuüben. In der Defensive müssen wir zudem noch besser stehen.

SPORT1: Beim DFB treffen Sie in Lewis Holtby einen alten Kumpel aus Aachener Tagen wieder. Bei dem läuft es ja unglaublich gut in Mainz. Tauschen Sie sich darüber aus?

Moritz: Wir sind auf einem Zimmer, denn wir kennen uns noch aus der B- und A-Jugend in Aachen und haben uns dann auch auf Schalke gleich wieder getroffen. Unsere Wege kreuzen sich immer wieder und wir verstehen uns super, haben auch privat viel zusammen gemacht, als er noch auf Schalke war. Wir waren die ganze Zeit im Telefonkontakt, deshalb konnte ich den Mainzer Aufschwung hautnah miterleben.

SPORT1: Schütteln die Zimmerkollegen Moritz und Holtby manchmal den Kopf, wenn sie an die rasante Entwicklung der letzten Jahre denken?

Moritz: Wir zwei kommen beide aus Dörfern in der Nähe von Aachen und waren es gewohnt, noch vor Sonntagsspielen mit Aachen samstagabends zusammen auf dem Bolzplatz zu kicken. Man zwickt sich schon ab und zu und denkt: "Vor drei Jahren haben wir mit Aachen noch auf dem Aschenplatz irgendwo gespielt und heute übernachten wir in wunderschönen Hotels und spielen ein Länderspiel."

SPORT1: Können die, bei denen es im Klub schon besser läuft, wie Schürrle, Holtby oder Ekici die U 21 mitziehen?

Moritz: Ich glaube nicht, dass ich die Mannschaft runterziehe (lacht). Aber man merkt natürlich, dass die Jungs total gelassen sind und sich im Verein keine großen Sorgen machen müssen. Wir sind eine homogene Truppe, da lässt sich keiner hängen. Wir wollen immer nach vorne spielen und Tore schießen, das zeichnet diese U 21 aus.

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