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Joachim Löw (M.) hat in Kasachstan - bis auf Jerome Boateng - alle Mann an Bord © getty

Das Duell in Kasachstan ist für die DFB-Elf eine Abenteuerreise - später Anstoß auf Kunstrasen und Zeitumstellung inklusive.

Vom DFB-Team berichten Martin Volkmar und Marco Wiefel

Berlin/Astana - Nach fast sechsstündigem Flug von Berlin hat die deutsche Nationalmannschaft am Montagnachmittag ihr Ziel erreicht.

Das EM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan (Dienstag ab 18.30 Uhr im LIVE-TICKER) im 3899 Kilometer entfernten Astana ist eine Abenteuerreise.(DATENCENTER: Die Gruppe A)

Auch die Tipps, die Angela Merkel den DFB-Akteuren nach dem 3:0 gegen die Türkei 297064(DIASHOW: Die Bilder des Spiels) mitgegeben hatte, waren wenig hilfreich.

"Das ist eine künstliche Stadt in der Wüste. Aber da gibt?s eine bayerische Bierkneipe", wusste die Bundeskanzlerin bei ihrem Kabinenbesuch zu berichten.

Vier Stunden Zeitumstellung

Vor allem aber gibt es im an China grenzenden neuntgrößten Land der Welt eine Zeitumstellung von vier Stunden.

Somit stellt das letzte EM-Qualifikationsspiel des Jahres gleich zwei Rekorde auf: Weiter entfernt gab es noch nie ein deutsches EM-Qualifikationsspiel, später ebenfalls nicht: Anpfiff ist erst um 23 Uhr Ortszeit (19 Uhr MESZ).

Um deshalb nicht komplett aus dem Rhythmus zu geraten, haben sich DFB-Verantwortlichen entschieden, gleich komplett im heimatlichen Rhythmus zu bleiben.

"Der ganze Tagesablauf ist so gestaltet, als ob wir in Deutschland wären", sagte Teammanager Oliver Bierhoff.

Abendessen in der Nacht, Schlafen bis in die Puppen

Bedeutet: Abschlusstraining am Montagabend analog zur Anstoßzeit ebenfalls erst um 23 Uhr, Abendessen weit nach Mitternacht, Schlafen bis in die Puppen, Frühstück erst am Mittag vor dem Spiel.

"Wir bleiben in der deutschen Zeit und leben so weiter. Alles wird auf die deutsche Zeit ausgerichtet", erklärte Teamarzt Tim Meyer.

Die Nationalspieler sollen deshalb auch ihre Uhren auf keinen Fall umstellen. Und damit das Team nicht vom Tageslicht geweckt wird, werden die Zimmer im Nobelhotel Rixos President zusätzlich verdunkelt.

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Lichtwahrnehmung entscheidend fürs Zeitgefühl

Die Lichtwahrnehmung ist nämlich das entscheidende Kriterium für das Zeitgefühl eines Menschen.

In der Zirbeldrüse wird im Gehirn das Hormon Melatonin produziert, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Durch veränderte Lichtsignale wird die Produktion beeinflusst.

Mit diesen Maßnahmen hofft Meyer, der das Anti-Jetlag-Programm ausgetüftelt hat, den Körper auszutricksen. Für eine kurze Dauer sei das "kein Problem", glaubt der Internist von der Uni Saarbrücken.

Eine mögliche Einnahme von künstlich hergestelltem Melatonin lehnen die DFB-Mediziner ab, zumal solche Präparate in Deutschland nicht zugelassen sind.

Badminton-Spieler als Vorbild

Vielmehr setzt Meyer auf die Erfahrungsberichte von deutschen Badminton-Spielern, die ihre Kurztrips zu Turnieren in Asien mit den genannten Maßnahmen ohne Beschwerden absolvierten.

Für den späten Anstoß ist allerdings auch die TV-Übertragung zur Prime-Time in Deutschland verantwortlich.

"Das spielt eine wichtige Rolle. Wir wollten, dass uns möglichst viele Fans zu einer normalen Uhrzeit sehen können", erklärte Bierhoff.

Nur zwei Einheiten auf Kunstrasen

Schwerer als der ungewohnte Beginn und die Temperaturen nahe des Gefrierpunkts dürfte die Anpassung an den ungewohnte Kunstrasen in der rund 30.000 Zuschauer fassenden Astana Arena sein.

Zumal die deutsche Mannschaft aufgrund der Partie gegen die Türkei gerade mal zwei Einheiten auf dem ungewohnten Untergrund bestreiten konnte.

"Aber wir müssen und werden es schaffen, uns auch darauf einzustellen", sagte Joachim Löw,

"Auf uns wartet eine beschwerliche Anreise. Das ist nicht einfach zu bewerkstelligen. Aber ich bin überzeugt, dass die Mannschaft die gleiche Einstellung wie gegen die Türkei finden und diese Hürde nehmen wird."

Gleiche Startelf wie gegen Türkei

Der Bundestrainer setzt auf die gleiche Startelf wie am Freitag und rechnet auch fest mit rechtzeitigen Genesung von Mesut Özil (Knöchelprellung), ansonsten stünden Cacau oder Marko Marin als Alternativen parat.

Jerome Boateng trat die Reise wegen anhaltender Magn-Darm-Probleme nicht an, Löw verzichtete jedoch trotz nur noch 15 Feldspielern auf eine Nachnominierung.

"Die Mannschaft ist so gefestigt, dass sie den ein oder anderen Spieler ersetzen kann", meinte Löw, warnte aber gleichzeitig vor Überheblichkeit.

Löw: "Müssen auf der Hut sein"

"Da kann schon einiges schief gehen. Wir müssen auf der Hut sein, es wird ein hartes Stück Arbeit auf uns zukommen. Kasachstan ist stärker als Aserbaidschan", sagt er.

"Wir müssen und werden noch mal eine Energieleistung verbringen. Wenn wir dann zwölf Punkte haben, bin ich absolut zufrieden."

Da der Rückflug nach Deutschland schon bereits um kurz vor neun Uhr am Mittwochmorgen stattfindet, verzichtet vielleicht der ein oder andere aus dem DFB-Tross auf die Nachtruhe und lernt doch noch die bayrische Bierkneipe in Astana kennen.

Die voraussichtliche Aufstellung:

Neuer - Lahm, Mertesacker, Badstuber, Westermann - Khedira, Kroos - Müller, Özil, Podolski - Klose

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