Das DFB-Team hat seinen "inneren Schweinehund" überwunden, findet SPORT1-Chefreporter Thomas Herrmann in seiner Kolumne.

Hallo Fußball-Freunde,

Alle haben sie darunter gelitten - die Weltmeister-Trainer Sepp Herberger, Helmut Schön, der Kaiser, die Lichtgestalt Franz Beckenbauer und jetzt natürlich aktuell auch Jogi Löw.

Unterschätzt mir den Gegner nicht, gebt gleich Vollgas, volle Konzentration, nehmt die Zweikämpfe aggressiv an, haltet das Tempo hoch - wir sind taktisch, läuferisch und technisch überlegen, wenn wir die richtige Einstellung zeigen.

Die Spieler nicken, wollen auch alles hundertprozentig umsetzen, nehmen sich das auch wirklich vor... und dann ist es halt doch nur Kasachstan und die besten Vorsätze bröckeln dahin, weil das Hirn schon auf Kleingegner umgestellt hatte.

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Das Unterbewusstsein hat das Kommando übernommen, jetzt gilt es den "inneren Schweinehund" zu besiegen und das hat die Mannschaft gegen Kasachstan gut hinbekommen.

Wir haben auch in der erste Halbzeit ordentlich gespielt, sonst hätten wir nicht fünf bis sechs hochkarätige Chancen bekommen - das war schon okay - auswärts, Zeitverschiebung ("Mitternachtsspitzen"), hochmotivierter Gegner.

Aber - ärgerlich war die laxe Chancenverwertung, durch den Gesichtsausdruck von Jogi Löw bestens charakterisiert - willkommen unbezwingbares Unterbewusstsein. Ach, nicht so schlimm, so eine Chance kommt bald wieder, mal gucken.

Die Spannung hat gefehlt beim laschen Kopfball von Toni Kroos, beim unkonzentrierten Schuss von Lukas Podolski (es war halt sein Rechter - der zum Stehen) usw.

Wahrscheinlich haben die Jungs auch noch gewusst, dass die Türken gegen Berti Vogts verloren haben, der nächste Kick fürs Unterbewusstsein.

Der zweite Anlauf in der zweiten Halbzeit passte dann. Der Untergetauchte Podolski trumpfte auf, Torvorlagen und tolles Solo zum Tor. Der Kölner clever - erste Halbzeit Kraft gespart, gewartet bis die Kasachen müde wurden und dann zugeschlagen.

Miro Klose bleibt ein Phänomen bei Löw. Der Münchner schon in der ersten Halbzeit mit klasse Einsatz - der will sein Tor und verdient es sich auch und sitzt jetzt Gerd Müller im Nacken - das hätte niemand für möglich gehalten.

Gefreut hat es mich für Mario Gomez. Er hat in den letzten Monaten unglücklich gespielt, als Einwechselspieler kaum zu sehen, schaute nach wenig Engagement aus, wirkte oft wie ein Fremdkörper. Da sind wir wieder beim Unterbewusstsein.

Gomez war Superstar in Stuttgart - er wusste, dass es in München anders läuft und trotzdem konnte er gegen den VfB-Gomez nichts machen. Es wäre ihm zu wünschen, dass er jetzt die Kurve kriegt.

Klar ist aber auch, dass die Krisenkicks gegen die Kleinen unter Löw besser laufen, als unter seinen Vorgängern.

Die Spieler haben einen Mordsrespekt vor seinem Leistungsprinzip. Hut ab!!

Jetzt verlieren die Türken und plötzlich ist Österreich unser schärfster Gegner um Platz eins.

Die lieben Österreicher würden uns bestimmt auch eine Goldmedaille im Abfahrtslauf schenken (Ihrem Heiligtum), wenn sie uns ein Bein stellen könnten - können sie aber nicht, weil unser Unterbewusstsein gegen Österreich auf 110 Prozent Motivation eingestellt ist .

Weiterhin viel Freude am Fußballwünscht Thomas Herrmann

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