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Zwischen Joachim Löw (l.) und Torsten Frings soll es in Kürze ein Gespräch geben © getty

Im Interview spricht Joachim Löw über den Friedensgipfel mit Michael Ballack sowie die Situation von Torsten Frings und Lukas Podolski.

Von Martin Volkmar

München - Nach dem Friedensgipfel mit Michael Ballack wartet bereits die nächste Baustelle auf Joachim Löw.

Möglicherweise schon am Dienstag wird sich der Bundestrainer zu einer Aussprache mit Torsten Frings treffen, der ihn ebenso wie Ballack öffentlich kritisiert hatte.

Mit dem DFB-Kapitän wurde bereits am vergangenen Donnerstag "eine Basis geschaffen", wie Löw die Einigung relativ zurückhaltend kommentiert.

Der 48-Jährige erläutert im Gespräch mit Sport1.de seine Sicht des "Friedensgipfels" und nennt die Bedingungen für eine Zukunft von Frings in der Nationalmannschaft.

Außerdem äußert er sich über Lukas Podolskis Schicksal unter seinem Ex-Chef Jürgen Klinsmann und erklärt, warum ihn der Hoffenheimer Erfolg nicht überrascht.

Sport1.de: Wie froh sind Sie, dass die ganzen Diskussionen der letzten Wochen beendet sind?

Joachim Löw: Es war wichtig, dass das Gespräch endlich stattgefunden hat. Denn durch die Verletzung von Michael Ballack hat es sich schon etwas hingezogen. Deshalb bin ich froh über das Treffen und vor allem darüber, dass dort die Differenzen ausgeräumt worden sind.

Sport1.de: Ist aus Ihrer Sicht alles bereinigt?

Löw: Es ist eine Basis geschaffen worden. Wichtig war mir vor allem das persönliche Gespräch. Und dabei hatte ich das Gefühl, dass Michael Ballack sich entschuldigt und seine Fehler eingesehen hat. Und er hat all das, was ich ihm dazu gesagt habe, voll und ganz akzeptiert.

Sport1.de: Es wird in einigen Medien darauf hingewiesen, dass sich Michael Ballack nur für die Form, aber nicht für den Inhalt seiner Kritik entschuldigt habe. Wie sehen Sie das?

Löw: Michael hat mir sehr wohl versichert, dass seine Aussagen nicht als Kritik an meiner Arbeit gemeint waren.

Sport1.de: Die Meinungen gehen auch darüber auseinander, ob Ihre Autorität nun gestärkt oder geschwächt wurde. Was denken Sie?

Löw: Um diese Frage geht es für mich gar nicht. Sie können sich aber sicher sein, dass ich mich nicht von der Meinung in der Öffentlichkeit leiten lasse. Ich hatte in diesem Gespräch das Gefühl, dass Michael Ballack es ernst meint. Und dann habe ich kein Problem, im Sinne der Mannschaft und des Erfolges zu entscheiden.

Sport1.de: Mit Blick auf die WM 2010 werden Sie sicherlich zufrieden sein, weiter auf einen Spieler seines Formats bauen zu können.

Löw: Wie gesagt: Nachdem ich das Gefühl hatte, dass er sich einsichtig zeigt und sein Verhalten vollumfänglich bedauert, war die Entscheidung unter sportlichen Aspekten einfach. Denn Michael Ballack ist ein wichtiger Spieler, den wir in den nächsten Jahren brauchen.

Sport1.de: Bleibt die Frage nach Torsten Frings. Wie geht es da weiter?

Löw: Da wird auch ein Gespräch stattfinden, denn da gibt es ebenfalls einiges zu klären zwischen ihm und mir. Dann wird man sehen.

Sport1.de: Das heißt, er hat auch noch alle Chancen, wieder zur Nationalmannschaft zu gehören?

Löw: Das hängt vom Gespräch und natürlich auch von seiner Leistung ab.

Sport1.de: Sehen Sie es positiv, dass der von Ihnen nach der EM neu ausgerufene Konkurrenzkampf nun von niemandem mehr in Frage gestellt wird?

Löw: Konkurrenzkampf gab es bei uns immer, das war nie eine Frage. Wir haben nur einige Spieler nach der EM noch mal aufgefordert, vermehrt und vehement um ihre Plätze zu kämpfen. Es kann ja nicht das Ziel sein, ein oder zwei Jahre bei uns auf der Bank zu sitzen. Aber der Leistungsgedanke stand bei uns immer ganz oben auf der Agenda. Das ist doch selbstverständlich und wird auch in Zukunft so bleiben.

Sport1.de: Stichwort Konkurrenzkampf: Lukas Podolski hat beim FC Bayern am Samstag mal wieder auf der Ersatzbank gesessen, ehe er eingewechselt wurde. Wie beurteilen Sie seine Situation?

Löw: Da halte ich mich zurück, denn die Aufstellung bei Bayern ist Sache von Jürgen Klinsmann. Über die Situation von Lukas ist ja schon öfter gesprochen worden. In Spitzenmannschaften gibt es solche Situationen immer, dass gute Spieler auf der Bank sitzen. Damit muss man umgehen und dann die Leistung abrufen können, wenn sie gefordert ist. Das hat Lukas nach seiner Einwechslung getan.

Sport1.de: Bei Ihnen ist er aber eine feste Größe.

Löw: Bei uns weiß er, was wir von ihm erwarten. Lukas hat in der Nationalmannschaft immer gute Leistungen gezeigt und daher wir waren mit ihm in der Vergangenheit eigentlich immer zufrieden.

Sport1.de: Die große Überraschungsmannschaft nach gut einem Drittel der Saison ist Hoffenheim. Freut es Sie als Bundestrainer, dass es bislang nicht den erwarteten Alleingang des FC Bayern gegeben hat?

Löw: Auch in den letzten Jahren war die Bundesliga spannend und das ist natürlich auch diesmal für die Fans gut. Hoffenheim ist für mich allerdings nicht die große Überraschung.

Sport1.de: Warum?

Löw: Auf mich haben sie schon in der Zweiten Liga einen spielerisch sehr starken Eindruck gemacht. Das haben sie jetzt bestätigt und das ist sicherlich kein Zufall. In Hoffenheim wird gut gearbeitet und eine gute Personalpolitik betrieben. Aber klar ist: Was man bislang gesehen hat, war schon beeindruckend.

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