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Theo Zwanziger ist seit 2006 alleiniger DFB-Präsident © getty

Vor dem DFB-Bundestag räumen Kanzlerin und der DFB-Präsident Irritationen um den Besuch in der Kabine der Nationalmannschaft aus.

Frankfurt/Main - Die Kanzlerin hat alle Irritationen um ihren Kabinenbesuch ausgeräumt, die Wiederwahl von DFB-Präsident Theo Zwanziger ist reine Formsache, und auch der Streit um die Regionalliga-Reform scheint rechtzeitig vom Tisch.

Der 40. Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes am Donnerstag und Freitag in Essen wird sehr wahrscheinlich von großer Harmonie geprägt sein.

DFB und die DFL haben sich auf den "Fünf-Punkte-Solidarpakt-Regionalliga" von Liga-Boss Reinhard Rauball geeinigt, der eine Erhöhung der Zahl der Regionalligen von drei auf fünf Staffeln vorsieht.

Dazu passt perfekt, dass die beim Bundestag persönlich anwesende Bundeskanzlerin die nach ihrem unangemeldeten Kabinenbesuch im Anschluss an das 3:0 der DFB-Auswahl gegen die Türkei in Berlin entstandenen Dissonanzen mit einem Anruf bei Zwanziger ausräumte.

Irritationen ausgeräumt

"Die Abläufe nach der Partie waren sicherlich nicht optimal, aber in einem Telefonat mit dem Innenminister und der Kanzlerin am Tag nach dem Spiel haben wir das schnell aus der Welt räumen können", sagte Zwanziger.

"Die Sache ist erledigt, denn die Kanzlerin und ich haben ein großes Vertrauensverhältnis."

Gemeinsam mit Bundespräsident Christian Wulff, dessen Tochter und Regierungssprecher Steffen Seibert war die Kanzlerin nach dem Erfolg in die Kabine gegangen.

Zwanziger blieb dabei außen vor. Merkel suchte das Gespräch mit Mesut Özil, der offizielle Kanzler-Fotograf hielt die Szene fest.

Fußball nicht instrumentalisieren

Das Kanzleramt wollte eine angebliche Entschuldigung von Merkel am Mittwoch allerdings nicht bestätigen, vielmehr habe es sich um ein "klärendes Gespräch" gehandelt, bei dem "alle Wogen geglättet" wurden.

Bundestrainer Löw und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff gaben das Bild nur zögerlich für die Veröffentlichung in den Medien frei.

Sowohl der DFB-Trainerstab als auch Zwanziger betonten, dass sich der Fußball in Integrationsfragen nicht von der Politik instrumentalisieren lassen dürfe.

Allein die Geste der Kanzlerin unmittelbar vor Beginn des Bundestags in der Essener Philharmonie unterstrich den Stellenwert des Fußballs in der deutschen Gesellschaft.

Zwanziger macht weiter

Deshalb und auch wegen der geglückten Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw sowie der anstehenden Frauen-WM 2011 in Deutschland nahm Zwanziger Abstand von seinen Rücktrittsgedanken im Zuge der Kempter-Affäre.

"Das war für mich ein ernstes Thema. Es war für mich wichtig, vor einem Bundestag in Ruhe alles zu überdenken", sagte Zwanziger, für den die am Ende gelungene Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Löw ausschlaggebend für eine weitere Kandidatur bis 2013 war.

"In eine Kandidatur zu gehen mit der offenen Baustelle 'sportliche Leitung der Nationalmannschaft' - das hätte ich dem Verband nicht zumuten können", sagte Zwanziger, der neben der Kanzlerin beim Bundestag auch FIFA-Boss Joseph S. Blatter begrüßen darf.

Einigung über Regionalligareform

Derweil ist der wochenlange Streit um die Regionalligareform beendet.

Der DFB, die Landesverbände und der Ligaverband haben sich auf den "Fünf-Punkte-Solidarpakt-Regionalliga" von Liga-Boss Reinhard Rauball geeinigt, der eine Erhöhung der Zahl der Regionalligen von drei auf fünf Staffeln vorsieht.

Die Liga stellt dafür allerdings die Bedingung, dass es keine Begrenzungen der zweiten Mannschaften der Profiklubs gibt. Zudem soll der DFB für eine finanzielle Entlastung der Regionalliga sorgen.

Auch die infrastrukturellen Anforderungen für die Viertligisten sollen herabgesetzt werden.

Das stößt beim Verband allerdings noch auf Widerstand, da es insbesondere im Nordosten zu einer Vielzahl von Spielen kommen würde, bei denen Ausschreitungen möglich sind.

Andere Modelle vom Tisch

Damit sind die Anträge der DFB-Landesverbände aus Westfalen und Bayern vor dem DFB-Bundestag am Donnerstag und Freitag wohl vom Tisch.

Der Antrag des Westfälischen Verbandes befürwortete ein Zwei-Plus-Eins-Modell (eine Staffel nur mit Reserveteams), Bayern wollte die Regionalliga als vierte Spielklasse durch acht Oberligen ersetzen.

In der 3. Liga sollten maximal vier Reserveteams, in der vierten Liga je sechs 2. Mannschaften pro Staffel spielen dürfen.

Die Minderung der Anzahl der Reserveteams scheiterte jedoch am großen Widerstand der 1. und 2. Bundesliga.

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