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Der 65-jährige Theo Zwanziger (r.) führt den DFB bereits seit 2004 an © getty

Eine zweite Amtszeit als DFB-Präsident scheint sicher. Einen Rücktritt von Sportdirektor Sammer schließt Zwanziger definitiv aus.

Essen - Die Wiederwahl von DFB-Präsident Theo Zwanziger ist reine Formsache, dagegen wird die brisante Reform der Regionalligen offenbar zu einer Hängepartie.

Dem von Liga-Boss Reinhard Rauball initiierten "5-Punkte-Solidarpakt-Regionalliga" werden beim DFB-Bundestag in Essen am Freitag große Chancen eingeräumt.

Allerdings brachte DFB-Präsident Zwanziger am Donnerstag auch eine Vertagung der Entscheidung bis 2011 ins Gespräch.

Einen Rücktritt von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer schloss Zwanziger definitiv aus.

"Der Verband braucht beide"

"Wenn Matthias Sammer an einen Rücktritt denken würde, dann hätte er mir das gesagt. Ich weiß, dass er weiterhin großen Spaß an der Nachwuchsarbeit hat, das beschränkt sich nicht nur auf das Thema U21", sagte der DFB-Präsident.

"Natürlich war das öffentlich interessant, als die beiden sportlich wichtigsten Köpfe des deutschen Fußballs über dieses Thema diskutierten. Aber der Verband brauchte beide. Und ich wünsche mir, mit Löw und Sammer in Zukunft weiter erfolgreich zusammenarbeiten zu können."

Der Kontrakt von Sammer beim DFB läuft noch bis 2013. Zuletzt hatten allerdings vermehrt Rücktrittsgerüchte die Runde gemacht.

Sammer verliert Machtkampf

"Wenn ich irgendwann das Gefühl habe, woanders hingehen zu wollen, werde ich mit dem Präsidenten und dem Generalsekretär sprechen. Ich habe bei beiden jedoch weder einen Termin, noch um einen solchen gebeten", sagte der Europameister von 1996.

Sammer hatte im Kompetenzgerangel mit Bundestrainer Joachim Löw um die Weiterbeschäftigung von U-21-Coach Rainer Adrion den Kürzeren gezogen.

Der DFB hielt trotz des Scheiterns der Nachwuchs-Europameister in der EM- und Olympia-Qualifikation an dem Coach fest, der von Löw gestützt wird.

Sammer, dessen Kompetenzen eindeutig eingeschränkt wurden, machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung.

"Fakt ist: Seit 2009 stagnieren wir im U-Bereich. Wir sind von dem gemeinsamen, stringenten Weg der Führung durch die Denkweise im Hause abgekommen", hatte Sammer erklärt.

Liga stellt Bedingungen

Brisanz birgt hingegen die angestrebte Regionalliga-Reform. Der Solidarpakt von Rauball sieht eine Erhöhung von drei auf fünf Staffeln vor.

Die Liga stellt dafür allerdings die Bedingung, dass es keine Begrenzungen der zweiten Mannschaften der Profiklubs gibt. Zudem soll der DFB für eine finanzielle Entlastung der Regionalliga sorgen.

Auch die infrastrukturellen Anforderungen für die Viertligisten sollen herabgesetzt werden. Weitergehende Forderungen der Landesverbände nach sechs Staffeln lehnt die Liga allerdings kategorisch ab.

"Wir wollen eine faire Lösung"

"Wir werden nicht die Wünsche aller Vereine erfüllen können, aber wir wollen eine faire Lösung - so, wie wir es mit der 3. Liga geschafft haben. Aus Sicht der Amateurvereine ist es schwer nachzuvollziehen, wenn viele zweite Mannschaften im Wettbewerb vertreten sind", sagte Zwanziger.

"Deshalb bevorzugen wir eine breitere Lösung. Eine Aufstockung auf fünf Staffeln wäre schon ein Gewinn, nachdem die Liga auf drei Staffeln bestanden hat. Aber sie löst nicht

Vor allem das Mitwirken der zahlreichen Reserveteams der Profiklubs ist den Amateuren ein Dorn im Auge.

"Ich halte den Status quo der Amateurvereine nicht für angemessen. Die Vielzahl der zweiten Mannschaften der Profiklubs machten den Wettbewerb sehr schwierig und nicht immer ganz gerecht", sagte Zwanziger.

"Man hat da immer den Eindruck, einmal spielen sie mit der Mannschaft mit vielen Profis von oben, mal mit wenigen."

Wiederwahl scheint sicher

Die Regionalliga-Reform ist allerdings das einzige brisante Thema beim 40. Bundestag des Verbandes. Die Wiederwahl Zwanzigers wird voraussichtlich problemlos über die Bühne gehen.

"Mir ist es ein großes Anliegen, dass wir das, was der DFB in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, mit einer Nachhaltigkeit versehen. Ich will gewisse Dinge unumkehrbar machen", sagte Zwanziger, der dem DFB seit 2004 vorsteht.

Wichtigste Themen für Zwanziger im Zuge seiner dritten Amtszeit bis 2013 sind die Frauen-WM 2011, Nachwuchsförderung, Integration, Eliteförderung und der Kampf gegen Diskriminierung und Manipulation.

Auch im Umweltschutz will sich der DFB in Zukunft noch stärker engagieren.

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