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Theo Zwanziger ist seit September 2006 Präsident des DFB © getty

Der DFB-Präsident wird zwar in seinem Amt bestätigt, muss sich jedoch erneut mit der Schiedsrichter-Affäre auseinandersetzen.

Essen - Ungeachtet einer drohenden Klagewelle im Schiedsrichter-Skandal um Manfred Amerell geht Theo Zwanziger voller Tatendrang und Zuversicht in seine dritte Amtszeit als DFB-Präsident.

"Ich freue mich über das Vertrauen. Ich habe es mir nicht leicht gemacht, noch einmal für das wichtige Amt des DFB-Präsidenten zu kandidieren", sagte Zwanziger am Freitag nach seiner Wiederwahl beim DFB-Bundestag in der Essener Philarmonie:

"Ich mache keinen Hehl daraus, dass mir zuletzt einige Dinge sehr weh getan haben. Aber nach Rücksprache mit meiner Frau und meinen Kindern habe ich entschieden, dass ich Sie gerne noch einmal drei Jahre lang nerve. Ich habe die Kraft für drei weitere Jahre."

Dritte Amtszeit für den Präsidenten

Der 65 Jahre alte Jurist aus Altendiez wurde von den 255 anwesenden Delegierten einstimmig wiedergewählt und geht damit in seine dritte Amtszeit.

Von 2004 bis 2006 hatte er gemeinsam mit dem DFB-Ehrenpräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder den größten Sportfachverband der Welt angeführt. Seit 2006 steht Zwanziger alleine an der DFB-Spitze.

Misstöne häufen sich

Bis 2009 wurde der Frauenfußball-Fan für seine Amtsführung durchgängig gelobt, in den vergangenen Monaten sorgte die zunächst geplatzte Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw sowie die Affäre um den früheren Schiedsrichterbeobachter Amerell und Ex-FIFA-Referee Michael Kempter jedoch für einige Misstöne.

Mit Blick auf die kommenden drei Jahre will sich Zwanziger aber wieder weniger mit Anwälten und juristischen Scharmützeln beschäftigen, sondern lieber mit den Nationalmannschaften für Furore sorgen.

"Frauen-WM wird ein tolles Märchen"

Zwanziger gab das Ziel aus, mit der A-Nationalmannschaft 2012 in Polen und der Ukraine Europameister werden zu wollen, die Frauen gehen bei der Heim-WM 2011 ohnehin als absoluter Topfavorit an den Start.

"Die Frauen-WM wird ein tolles Märchen, darauf freuen wir uns. Wir achten aber darauf, dass wir mehr Frauen mit Migrationshintergrund abholen, um wie derzeit bei den Männern von der Vielfältigkeit zu profitieren", sagte der DFB-Boss.

Lob für Löw

Einen besonderen Dank sprach Zwanziger Bundestrainer Joachim Löw aus.

Offenbar war es alleine die am Ende gelungene Vertragsverlängerung mit der sportlichen Führung der Nationalmannschaft im Anschluss an die erfolgreiche WM, die Zwanziger zu einer erneuten Kandidatur als DFB-Präsident motivierte.

"Mein Dank gilt vor allem Jogi Löw. Wir haben einen Bundestrainer, auf den wir sehr stolz sein können. Ich hoffe, dass er noch lange weitermachen wird", sagte Zwanziger, der zudem Teammanager Oliver Bierhoff überraschend als "das Gesicht der Nationalmannschaft" bezeichnete.

Allerdings plädierte Zwanziger auch dafür, dass DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, mit Bierhoff und Löw nicht immer auf einer Wellenlänge, seinen noch bis 2013 laufenden Vertrag beim Verband erfüllt.

Schiri-Affäre keimt wieder auf

Der Wunsch auf juristische Auseinandersetzungen in Zukunft zu verzichten, wird sich für Zwanziger allerdings nicht erfüllen. In den kommenden Wochen muss er sich wieder intensiver mit der Affäre Amerell/Kempter beschäftigen.

Denn der Ex-Schiedsrichterbeobachter Amerell wirft Zwanziger Vetternwirtschaft vor und will an etlichen Fronten juristisch gegen ihn vorgehen.

Amerell hat beim Landgericht Augsburg bereits eine einstweilige Verfügung beantragt, da Zwanziger zu Wochenbeginn in einem Interview behauptet hatte, der ehemalige Bundesliga-Referee habe über Jahre hinweg seine Amtspflichten verletzt.

"Zwanziger soll endlich Ruhe geben"

Zudem kündigte Amerell an, Zwanziger wegen der Aussage bei der Staatsanwaltschaft Augsburg und beim DFB-Kontrollausschuss anzuzeigen.

"Das wird geschehen und ist konkret in der Bearbeitung. Anfang kommender Woche werden die Unterlagen rausgehen", bestätigte Amerell-Anwalt Jürgen Langer am Freitag: "Es soll ein Signal an Zwanziger sein, dass er endlich Ruhe geben soll."

Zwanziger wollte nach seiner Wiederwahl zum DFB-Präsidenten die Äußerungen Amerells nicht sonderlich kommentieren.

"Ich habe erwartet, dass sich Herr Amerell zu Wort meldet. Ich werde aber keinen Kommentar dazu abgeben", sagte der alte und neue DFB-Boss im Anschluss an den Verbands-Bundestag in Essen.

Und weiter: "Ich werde nicht mehr der Freund von Herrn Amerell, der aber das Recht hat, sich zu äußern und zu klagen. Wenn ein Gericht mir sagt, dass ich etwas falsch gemacht habe, werde ich das zur Kenntnis nehmen."

Vorwurf der Vetternwirtschaft

Im Interview mit dem Kölner "Express" fuhr Amerell schweres Geschütz gegen Zwanziger auf. Amerell berichtete, dass ihm bereits im März ein Schreiben zugegangen sei.

"Darin heißt es unter anderem, dass Theo Zwanziger viele Prozesse des DFB von seiner Anwaltssozietät in Altendiez beziehungsweise Gera abwickeln lässt beziehungsweise ließ", berichtete Amerell.

Er stellte daher Fragen: "Hat Herr Zwanziger in seiner Zeit als Präsident Rechtsfälle vom DFB zugespielt bekommen oder diese von seiner Kanzlei oder von Familien-Angehörigen abwickeln lassen? Hat er die gleichen Fälle auch in seiner Zeit als Schatzmeister bekommen?"

Amerell: "Ein ausgesprochener Lügner"

In der Münchner "tz" bezeichnete Amerell Zwanziger als "ausgesprochenen Lügner", der die Delegierten beim außerordentlichen Bundestag am 9. April getäuscht hätte.

"Am 1. April dieses Jahres hat Michael Kempter bei der Staatsanwaltschaft Augsburg zu Protokoll gegeben, er habe seit zehn Jahren gleichgeschlechtlichen Verkehr. Ich erinnere noch an seine Auftritte, wo er heftig eine homosexuelle Neigung verneinte", klärte Amerell auf und legte nach:

"Am 9. April sagte Theo Zwanziger auf dem außerordentlichen Bundestag, Kempter könne wieder pfeifen, alles sei in Ordnung. In dem Moment hat der DFB-Präsident die Delegierten schamlos belogen. Zwanziger ist für mich ein ausgesprochener Lügner."

Amerell war von Ex-FIFA-Referee Kempter und drei weiteren Kollegen der sexuellen Nötigung beschuldigt worden.

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