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Haben ihren Konflikt beigelegt: Torsten Frings (l.) und Jogi Löw © getty

Nach Michael Ballack entschuldigt sich auch der Bremer Torsten Frings beim Bundestrainer für seine kritischen Worte.

München - Bundestrainer Joachim Löw hat den Frieden in der Nationalmannschaft mit klaren Ansagen an seine Kritiker innerhalb von sechs Tagen wieder hergestellt.

Nach der erfolgreichen Aussprache mit Michael Ballack Ende vergangener Woche führte Löw am Dienstag in Berlin mit Torsten Frings ein klärendes Vier-Augen-Gespräch.

Der Bundestrainer verdeutlichte dem Mittelfeldspieler von Werder Bremen unmissverständlich, dass er das zuletzt gezeigte Verhalten nicht duldet.

Frings entschuldigte sich für seine öffentliche Kritik an Löws Personalpolitik.

"Offenes und faires Gespräch"

"Wie schon im Oktober in Düsseldorf vor den Spielen gegen Russland und Wales habe ich Torsten in einem offenen und fairen Gespräch deutlich gemacht, dass er für die Nationalmannschaft ein wichtiger Mann sein kann, sich aber dem Konkurrenzkampf im Mittelfeld stellen muss", sagte Löw in einer Mitteilung auf der Internetseite des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

"Er hat dies akzeptiert und sich bei mir entschuldigt", so Löw.

Ob Frings dem deutschen Kader für das letzte Länderspiel des Jahres am 19. November in Berlin gegen England angehört, ist offen.

Einsicht bei Frings

Frings hatte nach den WM-Qualifikationsspielen gegen Russland (2:1) und Wales (1:0) seinen Unmut darüber zum Ausdruck gebracht, dass er beide Male nicht in der Anfangsformation stand und sogar mit seinem Rücktritt kokettiert.

Frings zeigte sich nach dem Gespräch einsichtig.

"Es ist für mich ganz klar, dass ich keine Sonderrechte aufgrund der Erfolge und Leistungen in der Vergangenheit beanspruche. Ich kann nur noch einmal wiederholen, dass ich nach den beiden letzten Spielen sehr enttäuscht war, weil ich nur einmal kurz zum Einsatz gekommen bin. Das war für mich eine neue, schwer zu verarbeitende Situation und in der ersten Reaktion habe ich deshalb das eine oder andere Wort benutzt, das ich heute bedauere", sagte der 31-Jährige.

"Werde meine Chance suchen"

Er werde sich dem Konkurrenzkampf in der Nationalmannschaft stellen, erwarte keine Garantien und wolle mit Leistung überzeugen.

"Für mein Land zu spielen, ist für mich weiterhin etwas Außergewöhnliches. Ich werde meine Chance suchen und alles dafür geben, dass wir uns für die WM 2010 in Südafrika qualifizieren und dort ein gutes Turnier spielen."

Brandherde gelöscht

Joachim Löw hat damit wie angestrebt beide Konflikte vor dem England-Spiel beendet.

Am vergangenen Donnerstag hatte es den großen Friedensgipfel mit Nationalmannschaftskapitän Ballack gegeben. Ballack hatte sich in einem Interview mit der "FAZ" vehement für Frings eingesetzt und von Löw mehr Respekt und Ehrlichkeit im Umgang mit den älteren Nationalspielern gefordert.

Sache für Löw "erledigt"

"Grundsätzlich haben wir eine Basis geschaffen, um wieder gut zusammenzuarbeiten. Es ist ein Grundvertrauen vorhanden. Die Sache ist damit jetzt für mich auch erledigt", hatte Löw nach dem Treffen mit Ballack erklärt.

Er fügte optimistisch hinzu: "Ich weiß, dass eine solche Auseinandersetzung in dieser Form nie mehr passieren wird."

Ballack weiter "Capitano"

Ballack hatte dem Bundestrainer beim Treffen offensichtlich "glaubhaft" versichert, "dass er nie und nimmer unsere Arbeit kritisieren wollte".

Der England-Legionär vom FC Chelsea habe sich auch inhaltlich von seiner Kritik distanziert "und klar gemacht, dass er meine Entscheidungen respektiert. Er hat sich völlig einsichtig gezeigt. Er weiß nun, dass es einen klaren und fairen Konkurrenzkampf gibt."

Löw hatte deshalb auf Konsequenzen verzichtet und beließ es bei einer Rüge für den 32-Jährigen. Der momentan am Fuß verletzte Ballack bleibt damit zumindest bis zur WM 2010 in Südafrika Kapitän der DFB-Auswahl.

Balanceakt im Team

Einen Autoritätsverlust sieht der Bundestrainer durch seine Entscheidung nicht.

Der 48-Jährige sieht seinen Kapitän derweil weiter in der Pflicht, "seine Meinung oder die Meinung der Mannschaft weiterzugeben. Aber nicht öffentlich."

Es werde sich nun zeigen, "in welcher Form er sich einbringt und die Mannschaft in der Balance hält".

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