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Jerome Boateng steht vor seinem zwölften Länderspiel für das DFB-Team © getty

Vor dem Schweden-Spiel spricht Jerome Boateng im SPORT1-Interview über seine Begeisterung für die Premier League und hohe Ziele.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Göteborg - Nach Michael Ballacks Abgang beim FC Chelsea ist er der letzte deutsche Nationalspieler in der Premier League: Jerome Boateng.

Nach einer mehrwöchigen Knieverletzung hat sich der 22-Jährige, der im Sommer für 12,5 Millionen Euro vom Hamburger SV kam, beim Starensemble von Manchester City einen Stammplatz erkämpft. (DATENCENTER: EM-Qualifikation)

Vor dem letzten Länderspiel des Jahres in Schweden (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) sprach SPORT1 im DFB-Teamquartier in Göteborg mit Boateng über seine ersten Monate in England, die sportlichen Probleme bei ManCity und die großen Ziele des Klubs sowie die deutschen Chancen auf den EM-Titel 2012.

SPORT1: Herr Boateng, wie haben Sie sich in England eingelebt?

Jerome Boateng: Sehr gut. Ich bin jetzt in mein Haus eingezogen, was viel Arbeit mit sich gebracht hat. Und sportlich habe ich mich gut eingelebt, nach meiner Verletzung habe ich zuletzt wieder von Anfang an gespielt.

SPORT1: Wie kommen Sie mit Land und Leuten klar?

Boateng: Besser als ich gedacht habe. Mein Englisch ist nicht perfekt, aber es geht von Tag zu Tag besser. Und in der Mannschaft bekommt man sehr schnell Anschluss.

SPORT1: Manchester City gilt als schwierige Legionärstruppe. Was sagen Sie dazu?

Boateng: Das stimmt so nicht. Wir verstehen uns sehr gut und unternehmen sehr viel miteinander, das habe ich so vorher noch nicht erlebt. Zuletzt waren einige zum Shoppen in Mailand, andere sind zum Formel-1-Finale nach Abu Dhabi geflogen. Oder man trifft sich einfach bei einem zu Hause, um gemeinsam Fußball zu schauen im Fernsehen.

SPORT1: Was ist in der Premier League anders als in der Bundesliga?

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Boateng: Es ist vor allem ein höheres Tempo. Dadurch, dass nicht alles abgepfiffen wird, geht es auch mehr hin und her. Und es geht mehr zur Sache. Aber ich finde das besser, mir macht das Spaß.

SPORT1: Und das Niveau?

Boateng: Gegen Mannschaften wie Arsenal ist die Qualität der Gegenspieler schon höher als in Deutschland. Und gegen schwächere Teams ist es auch nicht einfacher, weil die rennen und kämpfen ohne Ende. Aber genau diese Herausforderung habe ich ja gesucht.

SPORT1: Ihr Ziel war immer England?

Boateng: Ja, ich habe mich schon immer für die Premier League interessiert. Für mich ist es die stärkste Liga der Welt. Deshalb bin ich zufrieden und glücklich mit dem Schritt, denn bei Manchester City kann ich noch lernen und mich weiterentwickeln.

SPORT1: Wie problematisch war als Neuzugang Ihre Knieverletzung direkt zu Saisonbeginn?

Boateng: Sechs Wochen Pause gleich zu Beginn sind natürlich blöd, zumal es auch die erste längere Pause seit langer Zeit war. Ich muss immer noch dafür arbeiten, dass ich links wieder mehr Muskelkraft bekomme. Aber ich bin froh, dass ich jetzt wieder spiele.

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SPORT1: Den Anschluss haben Sie schnell geschafft.

Boateng: Ja, das ist gut gelaufen. Seit ich wieder fit bin, kam ich in jedem Spiel zum Einsatz. Wobei ich auch wusste, dass Roberto Mancini mich in seiner Mannschaft haben wollte und auf mich setzt.

SPORT1: Und Ihre Position auf dem Platz?

Boateng: Zuletzt habe ich rechts gespielt, das ist gerade nach der langen Pause okay. Es bleibt jedoch mein Ziel, in der Innenverteidigung zu spielen, weil ich mich dort am stärksten sehe. Das gilt auch für die Nationalmannschaft.

SPORT1: Sportlich läuft es im Verein derzeit nicht so rund. Woran liegt das?

Boateng: Die Kritik ist berechtigt, denn unsere letzten beiden Spiele waren nicht gut. Da muss mehr kommen, dafür haben wir einfach zu viel Qualität in der Mannschaft. Gerade am letzten Spieltag haben fast alle Topteams Federn gelassen, da müssen wir mehr holen als das 0:0 gegen Birmingham. Das war sehr ärgerlich.

SPORT1: Bleibt das Ziel trotzdem die Meisterschaft?

Boateng: Wir wollen auf jeden Fall unter die ersten drei. Vom Potenzial her ist das definitiv möglich. Aber der Erfolg kommt nicht von alleine, dafür muss man auch hart arbeiten. Gerade weil wir noch nicht so eingespielt sind wie Arsenal, Chelsea oder ManUnited.

SPORT1: Da müsste Ihnen die Situation bei der Nationalmannschaft ja bekannt vorkommen, denn der Kader gegen Schweden sieht diesmal ganz anders aus als bei der WM. Wie bewerten Sie diese Jugendwelle?

Boateng: Es zeigt, dass wir in Deutschland eine sehr gute Nachwuchsarbeit haben. Da hat in der Bundesliga auch ein Umdenken stattgefunden, es spielen wieder viel mehr Spieler aus der eigenen Jugend. Durch diesen Konkurrenzkampf baut sich Druck von unten auf, das tut jedem Team gut. Am Ende natürlich auch der Nationalmannschaft.

SPORT1: Wie gut sind dann die Perspektiven, bei der EM 2012 endlich wieder einen Titel zu holen?

Boateng: Bei der WM haben wir leider ausgerechnet gegen Spanien nicht ganz so stark gespielt, wie wir uns das gewünscht haben. Aber bei den Spaniern sieht man, dass sie sich seit Jahren kennen und jeder weiß, was der andere macht. Da müssen wir auch hinkommen und da sind wir auf einem guten Weg in Richtung EM. Da können und wollen wir was erreichen.

SPORT1: Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang das Spiel in Schweden?

Boateng: Für uns als Nationalmannschaft ist jedes Spiel wichtig. Zumal man in solchen Partien den vielen jungen Spielern auch mal eine Chance geben kann. Und wir wollen ein sehr gutes Jahr natürlich erfolgreich beenden.

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