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Dortmunds Mario Götze wurde mit der U 17 2009 Europameister © getty

Trotz des müden 0:0 in Schweden sind die vier Neulinge begeistert. Auch Löw blickt nach vorne und zieht eine positive Bilanz.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Göteborg - Lewis Holty schwebte auf Wolken, als er mit breitem Grinsen vor die wartenden Journalisten trat.

"Es war ein sehr schöner Abend. Schon bei der Nationalhymne hat alles gekribbelt und ich musste an meine verstorbene Oma denken, die heute Geburtstag hat", erzählte der Mainzer nach seinem Länderspiel-Debüt beim 0:0 in Schweden.

"Ich freue mich einfach und denke, ich kann nicht schlafen. Im Moment geht es mir einfach gut, das kann ich kaum in Worte fassen."

Auch bei den anderen Beteiligten überwogen Freude und Zufriedenheit, obwohl die 90 Minuten zuvor in der Göteborger "Kühltruhe" gegen das schwedische Abwehr-Bollwerk wenig begeisternd waren.

Löw: "Ergebnis zweitrangig"

Doch von Kritik wollte Joachim Löw nichts hören, als er im Presseraum des Ullevi-Stadions zu später Stunde eine Art Regierungserklärung zum abgelaufenen Jahr gab.

"Das Ergebnis ist diesmal zweitrangig. Viel wichtiger war es, die jungen Spieler heranzuführen und sie näher kennenzulernen. Sie haben sich sofort integriert und Verantwortung übernommen", sagte der Bundestrainer.

Im letzten Länderspiel hatte er sein Team fast komplett neu formiert. Nur noch drei WM-Stammspieler standen in der stark verjüngten Startformation, dafür brachte Löw in Holtby, Marcel Schmelzer sowie den später eingewechselten Andre Schürrle und Mario Götze alle vier Neulinge.

Ohne Ideen und Durchschlagskraft

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Die Konsequenzen des Umbaus waren deutliche Abstimmungsprobleme, mangelnde Ideen im Spiel nach vorne trotz klarer Feldüberlegenheit und fehlende Durchschlagskraft.

"Schweden stand unglaublich massiv hinten. Es war ein bisschen wie Handball oder Eishockey", sagte Mario Gomez.

Trotzdem wollte sich keiner lange an der Vorstellung aufhalten. "Hauptsache, zu null gespielt", erklärte der in seinem zweiten Länderspiel souveräne Mats Hummels, neben Holtby bester deutscher Spieler.

Mega-Talent Götze schreibt Geschichte

Zu wenig Zeit, um dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken, hatte dagegen der zwölf Minuten vor Schluss eingewechselte Götze.

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Trotzdem schrieb der 18-Jährige Geschichte: Der Dortmunder ist der zweitjüngste DFB-Debütant nach dem Zweiten Weltkrieg seit Uwe Seeler.

"Es war eine sehr wichtige Erfahrung und ein besonderes Spiel für mich, auch wenn es nur zwölf Minuten waren", sagte Götze zu SPORT1.

"Ich hatte schon ziemliches Herzrasen, aber ich bin froh und zufrieden, dass ich dabei sein durfte."

Löw beeindruckt

Beim Bundestrainer hat das Mega-Talent jedenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlassen. "Beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit und Ruhe am Ball er mit seinen 18 Jahren agiert hat. Das habe ich noch nicht oft erlebt", meinte Löw.

Auch sonst fand der 50-Jährige nur lobende Worte für seine Debütanten, obwohl vor allem bei Schmelzer und Großkreutz noch viel Sand im Getriebe war.

Doch für Löw zählt vor allem der Blick nach vorne: "Das alles sind Spieler, die in den nächsten ein, zwei Jahren nachrücken und den Konkurrenzkampf anheizen. Mit den vielen jungen Spielern haben wir sehr gute Perspektiven für die Zukunft."

Der Kreis der potenziellen Nationalspieler ist in den letzten Wochen und Monaten enorm gestiegen. Schon jetzt kann der DFB-Chefcoach fast jede Position dreifach besetzen.

"Ein fantastisches Jahr"

Entsprechend positiv fiel Löws Bilanz aus. "Es war ein fantastisches Jahr für die Nationalmannschaft und ein hervorragendes Jahr für den deutschen Fußball", erklärte er.

"Wir haben in vielen Spielen, gerade bei der WM, Qualitäts-Fußball made in Germany geboten."

Dem wollte an diesem aufgrund der Minus-Temperaturen schon vorweihnachtlichen Abend spätestens da keiner mehr widersprechen, als der Bundestrainer seinem Dank an die Spieler auch den an die Journalisten einschloss.

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