Jogi Löw hat aus dem Länderspiel gegen Schweden das Beste gemacht, findet SPORT1-Chefreporter Thomas Herrmann in seiner Kolumne.

Hallo Fußball-Freunde,

seit vielen Jahren beschweren sich die Häuptlinge der Topvereine über die enorme Belastung ihrer Stars (vor kurzem auch Karl-Heinz Rummenigge wieder zu Recht). Der Jahresspielplan von FIFA und UEFA wird aber immer voller und dicker, sie setzen immer noch einen drauf.

Geld regiert auch die Fußballwelt - die Fernsehanstalten zahlen enorme Preise für die Übertragungsrechte von Länderspielen, da funkeln die Euro-Augen der Fußballverbände.

Schon lange warnen die Vereinsmediziner vor Überlastung, vor zu wenig Regeneration, vor dem Raubbau am Körper der Fußballgladiatoren.

Die Verletzungen von Arne Friedrich, Miroslav Klose, Mark van Bommel, Arjen Robben, Franck Ribery und vielen anderen Spielern kommen nicht von ungefähr. Das interessiert aber nicht - auch hier zählt nur die Oliver-Kahn-Philosophie: "Weiter, immer weiter".

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Nach dem unsinnigen Länderspiel gegen Dänemark im August (vor Saisonstart) jetzt also Schweden. In einer Phase, da die Vereine nur die Meisterschaft, Champions League oder Europa League im Kopf haben, also Schweden, der Debütantenball.

Jogi Löw hat das Beste daraus gemacht, deshalb gebührt dem Bundestrainer auch ein dickes Lob.

Sinnvollerweise hat er unter anderem auf Philipp Lahm und Thomas Müller verzichtet (da waren andere schon viel sturer) und damit auch klar zu erkennen gegeben, was er von dieser Nebenbelastung hält.

Völlig richtig auch, genau hier die jungen Dortmunder ins Feuer zu werfen, reinzuschnuppern in die große weite Nationalmannschaftswelt.

Auch die leuchtenden, strahlenden Augen von Lewis Holtby bei der Nationalhymne entschädigten für diese Fußballkost.

An Löws Stelle hätte ich auch Bastian Schweinsteiger eine Pause gegönnt - andererseits, wenn man gesehen hat, wie rührend Übervater Schweinsteiger sich um die Neuen gekümmert hat, war der Kapitän doch ganz sinnvoll an dieser Stelle.

Schweinsteiger, erst 26 Jahre alt, schon ernorme 84 Länderspiele, ist ein großes Vorbild für die nachrutschende Generation - auch in Punkto: So schnell kann das gehen in Richtung Fußballolymp (seit Juli 2009).

Ich kenne keinen Fall, in dem ein Fußballer, der schon lange Nationalspieler war, in so kurzer Zeit einen derartigen Qualitäts-Karriere-Reifesprung gemacht hätte.

Über die 90-minütige Fußballshow im Gefrierfach Schweden decken wir den Mantel des Schweigens. Nur soviel: Als Gastgeber sich so einzuigeln, mit so wenig Selbstvertrauen aufzutreten, ist schon ein bisserl peinlich.

Aber das spricht auch für Löws Team - diesen Respekt (die Schweden hatten sogar Angst) haben sie sich glanzvoll erarbeitet, erkämpft und erspielt.

Achtung, Deutschland kommt - wir müssen die Schotten dicht machen!

Die Zukunft sieht rosig aus, auch der zweite Anzug passt und damit sind wir doch auf Jahre hinaus unschlagbar - oder Franz Beckenbauer ??

Es war ein tolles Nationalmannschaftsjahr - weiter so.

Weiterhin viel Freude am Fußballwünscht Thomas Herrmann

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