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DFB-Präsident Theo Zwanziger soll Franz beckenbauer im nächsten Jahr in der FIFA ersetzen © getty

Theo Zwanziger spricht im SPORT1-Interview über die Frauen-WM in Deutschland, das Fußball-Jahr 2010 und seine weiteren Pläne.

Von Martin Volkmar

Frankfurt/Main - Es war ein ereignisreiches Jahr für Theo Zwanziger.

Im Februar stand der DFB-Präsident nach der geplatzten Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw vor einem Scherbenhaufen.

Angesichts der folgenden massiven Kritik dachte der 65-Jährige lange darüber nach, nicht zur Wiederwahl anzutreten.

Nach der erfolgreichen WM in Südafrika und der danach doch noch vollzogenen Verlängerung mit Löw trat Zwanziger dann aber im Oktober erneut an und wurde einstimmit bis 2013 gewählt.

Ziel: Beckenbauer-Nachfolger in der FIFA

Als nächster Karriereschritt steht im nächsten Jahr die Wahl in das FIFA-Exekutivkomitee als Nachfolger von Franz Beckenbauer auf dem Programm.

Zudem soll die Frauen-WM 2011 in Deutschland ein weiteres Highlight werden.

Nach der Auslosung für die Titelkämpfe in Frankfurt sprach SPORT1 mit Zwanziger über die Erfolgssaussichten, seine Jahresbilanz und seine weiteren Pläne.

Zum Korruptionsskandal in der FIFA wollte sich der Jurist explizit nicht äußern.

SPORT1: Wie bewerten Sie die WM-Auslosung?

Theo Zwanziger: Zunächst mal bin ich froh, dass die Veranstaltung in Frankfurt so reibungslos über die Bühne gegangen ist. Mit Kanada haben wir einen attraktiven Gegner für das Eröffnungsspiel in Berlin zugelost bekommen. Auch die anderen Rivalen Frankreich und Nigeria sind machbar, aber wir sind in dieser Gruppe als amtierender Welt- und Europameister natürlich Favorit.

SPORT1: Wie sehen Sie danach die Chancen für den weiteren Verlauf?

Zwanziger: Für uns ist es ein gutes Los, denn wir spielen als Gruppensieger im Viertelfinale gegen den Zweiten der Gruppe B und dort sind ebenfalls machbare Gegner. Deshalb haben wir eine gute Chance, uns ins Turnier hereinzuspielen und auf jeden Fall ins Halbfinale zu kommen.

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SPORT1: Müssen Sie die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit nach den letzten deutlichen Siegen gegen Nigeria (8:0) und Kanada (5:0) drosseln?

Zwanziger: Diese Spiele sind natürlich kein Maßstab. Vor der WM 2007 haben wir in der Vorbereitung gegen Norwegen ein ganz schlechtes Spiel gemacht und ich habe mir schon Sorgen für die Endrunde in China gemacht. Doch dann war unser Team auf den Punkt topfit. Deshalb rechne ich auch damit, dass sich unsere Gruppengegner bis zur WM noch steigern werden.

SPORT1: Titelfavorit bleibt aber Deutschland?

Zwanziger: Das sind wir als zweifacher Weltmeister ohne Zweifel und die Titelverteidigung ist auch unser erklärtes Ziel. Wir dürfen uns aber nicht zurücklehnen. Und das wird Silvia Neid auch nicht tun. Ich hoffe, dass wir keine Verletzten haben werden und dann bin ich zuversichtlich für die WM im eigenen Land.

SPORT1: Wird es nach 2006 wieder ein Sommermärchen geben?

Zwanziger: Das ist auch eine Definitionsfrage, weil man eine WM der Frauen natürlich nicht mit der der Männer vergleichen kann. Aber es wird Sommer sein und da hoffe ich, dass uns der Papst und der liebe Gott ein wenig helfen und wir wieder so gutes Wetter wie 2006 haben werden. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um außerhalb der Stadien auf den Fanmeilen gute Stimmung zu haben. Wenn unsere Mannschaft dann noch gut spielt und der Funke überspringt aufs ganze Land, dann kann das auch ein Märchen werden. Denn der dritte Weltmeister-Titel bei den Frauen in Folge wäre auf jeden Fall ein Märchen.

SPORT1: Die Auslosung war das letzte große Highlight eines ereignisreichen Jahres mit der WM in Südafrika. Wie fällt Ihr Rückblick aus?

Zwanziger: Die Männer-WM in Südafrika hat ohne Zweifel alles überstrahlt. Unsere junge Mannschaft hat begeisternde Spiele gezeigt. Aber auch die Bundesliga hat auf hohem Niveau gespielt, und die erste Finalteilnahme in der Champions League seit 2002 durch den FC Bayern darf man nicht vergessen. Die internationalen Erfolge zeigen auch, dass unser Nachwuchsförderung funktioniert.

SPORT1: Welche Bedeutung hatte Ihre Wiederwahl als DFB-Präsident?

Zwanziger: Ich habe mich gefreut über das Vertrauen der Delegierten, nachdem ich mich nach reiflicher Überlegung zur erneuten Kandidatur entschlossen hatte, Ich bin auch bereit, diesen Aufgaben und Verpflichtungen mit aller Kraft nachzukommen.

SPORT1: Wie gehen Sie das nächste Jahr an, wenn Ihr Arbeitspensum durch die anvisierte Wahl in die FIFA-Exekutive weiter erhöht wird?

Zwanziger: Wenn es so sein sollte, dass die UEFA mir auf ihrem Kongress im März ihr Vertrauen ausspricht, dann muss ich ab nächsten Sommer meine internationalen Tätigkeiten deutlich verstärken. Da ich auch ein Mensch bin, der sein Privatleben zudem nicht völlig aufgeben will, muss ich dann national bei Vorträgen und Veranstaltungen etwas kürzer treten.

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