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Löw ist Rekordtorschütze und Ehrenspielführer des SC Freiburg © getty

Im zweiten Teil des SPORT1-Interviews spricht Löw über die Zukunftsaussichten, seine Vertragsverlängerung und die Entwicklung seiner Spieler.

Von Martin Volkmar

München - Nach der gescheiterten Vertragsverlängergung zwischen Joachim Löw und dem DFB im Februar war lange unklar, ob der 50-Jährige nach der WM in Südafrika noch Bundestrainer sein würde.

"Es war alles absolut offen", sagt Löw im zweiten Teil des SPORT1-Interviews. Doch nach der erfolgreichen WM in Südafrika verlängerten Löw und seine Trainerstab ihre Verträge bis nach der EM 2012.

Löw spricht über das WM-Viertelfinale gegen Argentinien, die Entwicklung der jungen Nationalspieler und blickt in die Zukunft.

SPORT1: Man hatte vor Turnierbeginn auch den Eindruck, dass Sie eigentlich nach der WM aufhören wollten.

Löw: Der Eindruck täuscht. Ich habe mir das bis nach der WM offen gelassen. Ich war im Februar enttäuscht über die geplatzte Vertragsverlängerung, vor allem über die Art und Weise. Wobei das beide Seiten hätten besser machen müssen. Aber danach gab es wieder gute Gespräche, so dass das Vertrauen zur DFB-Spitze wieder vorhanden war. Von daher war alles absolut offen. Denn es war ja auch klar, dass es vor allem vom Verlauf der WM abhängt. Wären wir nach der Vorrunde ausgeschieden, hätte es sicherlich auf dem Trainerposten eine Veränderung gegeben.

SPORT1: Hat die Euphorie in Deutschland auch eine Rolle für Ihre Verlängerung gespielt?

Löw: Bestimmt, aber nicht bewusst. Die Bilder über den Jubel in den Städten haben wir ja auch für Motivationsvideos während der WM verwendet. Aber mit dem Tunnelblick während des Turniers war mir das trotzdem nicht so bewusst. Doch jetzt, wenn ich mir an einem einsamen Abend zu Hause diese Dinge noch mal anschaue, dann kriege ich im Nachhinein Gänsehaut.

SPORT1: Was war für Sie das Spiel des Jahres?

Löw: Das Spiel gegen Argentinien war sicherlich unser Bestes, weil wir einen der Topfavoriten mit vielen Weltklassespielern über 90 Minuten dominiert und am Ende deklassiert haben.

SPORT1: Gibt es für Sie auch einen Nationalspieler des Jahres?

Löw: Wir haben in Südafrika vor allem als Mannschaft überzeugt, daher muss man das etwas relativieren. Sicherlich haben Mesut Özil, Thomas Müller und Manuel Neuer ein starkes Jahr gespielt. Bastian Schweinsteiger ist zum Weltstar gereift durch sein Auftreten auf und neben dem Platz. Philipp Lahm gehörte schon vorher in diese Kategorie.

SPORT1: Sie haben Özil angesprochen. Wie sehen Sie die Bedeutung von ihm und anderen Leistungsträgern mit Migrationshintergrund über den Fußball hinaus?

Löw: Entscheidend für mich als Bundestrainer ist in erster Linie nicht die Herkunft, sondern die Qualität. Das ist vielleicht sogar die höchste Form der Integration, dass sich diese Spieler ihren Platz in der Nationalmannschaft durch ihre Qualität verdient haben.

SPORT1: Was sind Ihre sportlichen Ziele für 2011?

Löw: Wir müssen alles dafür tun, dass wir im nächsten Jahr an unsere Erfolge anknüpfen und dürfen in keiner Weise von unserer Spielweise abrücken. Das werde ich nicht zulassen. Wichtig ist für eine Mannschaft, eine Identität zu haben und positive Emotionen auszulösen. Das haben wir mit unserem attraktiven und offensiven Fußball ebenso wie mit unserem Auftreten 2010 geschafft.

SPORT1: Freuen Sie sich darauf, dass 2011 ein ruhigeres Jahr wird?

Löw: Vor allem für die jungen Spieler ist es gut, dass sie eine längere Sommerpause und eine normale Vorbereitung auf die nächste Saison haben werden. Ich glaube, dass wird einigen mit Blick auf die EM 2012 gut tun.

SPORT1: Und bei Ihnen?

Löw: Zum einen müssen wir die EM-Teilnahme perfekt machen. Zum anderen erhoffe ich mir viel von unseren Testspielen, denn wir haben uns ganz bewusst starke Gegner gesucht. Diese Spiele gegen Italien, Uruguay oder Brasilien werden uns weiterbringen.

SPORT1: Und wie werden Sie die Tage zwischen den Jahren erleben? Wird der Hobbybergsteiger Löw, der schon einmal auf dem Kilimandscharo war, seinen Plan umsetzen und in die Anden aufbrechen?

Löw: Die Anden sind ein Thema, wenn ich mehr Zeit habe und keine Verpflichtungen. In der Winterpause gehe ich vielleicht auf den Feldberg im Schwarzwald, der ist fast 1500 Meter hoch und leicht zu bewältigen.

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