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Tobias Weis kam beim VfB Stuttgart nicht über die Reservemannschaft hinaus © getty

Bundestrainer Joachim Löw nominiert für den Test gegen England drei Debütanten. Sport1.de stellt die DFB-Frischlinge vor.

Von Tobias Schneider

München - Joachim Löw war zum Handeln gezwungen.

Mit Philipp Lahm, Marcell Jansen, Christian Pander und Clemens Fritz fehlen dem Bundestrainer gleich vier Abwehrspieler.

Nach der Posse um Michael Ballack und Torsten Frings ließ der Nationalcoach ohnehin durchblicken, personell neue Wege beschreiten zu wollen.

Mit Marvin Compper und Tobias Weis hat Löw nun erstmals zwei Profis von 1899 Hoffenheim überraschend in die deutsche Nationalmannschaft berufen.

Schäfers überfällige Nominierung

Denn: Beide Spieler kamen für kleines Geld nach Hoffenheim, haben nur wenig Erfahrung in der ersten Liga. Trotzdem zählen sie beim furiosen Aufsteiger zu festen Größen.

Die Nominierung von Marcel Schäfer dagegen ist überfällig.

Der starke Linksverteidiger ist nach dem Ausfall von Lahm und Jansen eine echte Alternative für die linke Seite, wenn am kommenden Mittwoch in Berlin der prestigeträchtige Test gegen die "Three Lions" (ab 20.15 Uhr LIVE) ansteht.

Sport1.de stellt die drei Debütanten im DFB-Trikot genauer vor:

Marvin Compper(Spielerporträt)

Die Karriere von Marvin Compper geriet in der vergangenen Saison mächtig ins Stocken.

Erst plagte sich der Youngster in Diensten von Borussia Mönchengladbach mit einer hartnäckigen Meniskus-Verletzung, anschließend wurde er unter dem damaligen Coach Jos Luhukay kaum eingesetzt.

Bis zur Winterpause absolvierte Compper nur drei Spiele für den späteren Aufsteiger.

Dann kam Hoffenheim: Für eine im Profifußball verschwindet geringe Ablösesumme von 100.000 Euro wurde der damals 22-Jährige nach Baden gelotst und entwickelte sich bei der Rangnick-Elf prompt zu einer tragenden Säule.

Gladbachs Sportdirektor Christian Ziege unkte nach dem schnellen Abschied Comppers noch: "Sicher ist er noch entwicklungsfähig. Sportlich werden wir ihn aber nicht vermissen. Auf seiner Seite haben wir Daems, Voigt und van den Bergh."

Der 23-Jährige, dessen Vater aus Guadeloupe stammt, hat in dieser Saison noch kein Ligaspiel verpasst und stand bei allen zwölf Auftritten in der Bundesliga stets über die volle Distanz auf dem Rasen.

Tobias Weis(Spielerporträt)

Die Berufung von Tobias Weis in die Nationalmannschaft ist sicher die überraschenste Nominierung durch Löw. Der Mittelfeldspieler, vornehmlich auf der rechten Außenbahn eingesetzt, zählt ebenfalls zu den Schnäppchen der Badener.

Läppische 150.000 Euro überwies Hoffenheim im Juli 2007 an den VfB Stuttgart, bei denen Weis aber ausnahmslos in der Reservemannschaft eingesetzt wurde.

In Hoffenheim hat sich Weis durchgebissen, ist flexibler geworden und kann auch im defensiven Mittelfeld agieren.

Da verwundern auch unorthodoxe Belastungstests nicht. Vor der Partie gegen den KSC (4:1) hat sich Weis in der Dusche am Zeh verletzt, ein Einsatz stand auf der Kippe.

Weil alle Trainingsbälle bereits auf dem Weg ins Stadion waren, fuhr Rangnick mit seinem Zögling kurzerhand zu einer Tankstelle, kaufte einen Lederball und ließ Weis auf einem Hartplatz gegen den Ball dreschen.

Die Schmerzen hielten sich in Grenzen, Weis durfte auflaufen und zahlte das Vertrauen mit einer bärenstarken Leistung zurück.

Marcel Schäfer(Spielerporträt)

Der 24-jährige Linksverteidiger galt vielen schon seit längerem als heißer Anwärter auf die Nationalmannschaft. Nach der Verletzung von Philipp Lahm und Marcell Jansen bekommt der Wolfsburger nun endlich seine lang ersehnte Chance, sich im DFB-Trikot präsentieren zu können.

Schäfer, schussgewaltiger Linksverteidiger mit ausgeprägten Offensivqualitäten, ist nach seinem Wechsel zur Saison 2007/2008 von den "Löwen" zu den "Wölfen" aufgeblüht.

Unter Coach Felix Magath gilt der Franke bei den Niedersachen auf seiner Position als gesetzt. Vergangene Spielzeit markierte Schäfer sechs Treffer für den VfL und bereitete vier weitere Tore vor.

Magath lobt: "Weil Marcel Verantwortung übernimmt, gewinnt er auch immer mehr an Selbstvertrauen." Dies hat nun auch Bundestrainer Löw erkannt.

Dabei sah es in der Karriere des Marcel Schäfer nicht immer rosig aus. Als 17-Jähriger zog sich Schäfer einen Kreuzbandriss zu, das Karriere-Aus stand sogar im Raum.

Doch der damalige 1860-Profi ließ sich nicht unterkriegen und biss sich zurück in den Profisport. In der Saison 2006/2007 war er der einzige "Löwen"-Profi, der in allen Ligaspielen auf dem Platz stand.

Compper, Weis und Schäfer - Löws richtige Wahl?

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