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Adolf "Adi" Katzenmeier ist seit 1963 beim DFB tätig. Jetzt tritt er ab. © getty

Mit DFB-Physiotherapeut "Adi" Katzenmeier ist es diesmal kein Aktiver, der mit seinem Abgang das Interesse auf sich zieht.

Frankfurt/Main - Eine Legende geht: DFB-Physiotherapeut Adolf "Adi" Katzenmeier wird beim Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen England am kommenden Mittwoch in Berlin seine Laufbahn nach fast einem halben Jahrhundert offiziell beenden.

Katzenmeier, der am Samstag seinen 74. Geburtstag feiert, arbeitete insgesamt 45 Jahre für den Deutschen Fußball-Bund (DFB), davon 34 Jahre als Physiotherapeut der Nationalmannschaft.

"Für mich war es immer eine große Freude, mit den Spielern zusammenzuarbeiten. Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge: weinend, weil ich die Spieler verliere, lachend, weil meine Praxis auf dem DFB-Gelände ist und so der Kontakt nicht abreißt", sagte Katzenmeier, der im Mannschaftsbus am Mittwoch auf dem Weg ins Stadion das letzte Mal neben Lukas Podolski Platz nehmen wird: "Ihm werde ich deshalb mit Sicherheit besonders fehlen."

Prominenter Fürsprecher

Auch sein größter Fürsprecher wird sich am kommenden Mittwoch im Olympiastadion von seinem Sitz erheben, wenn Adi endgültig Adieu sagt: Franz Beckenbauer hatte den "Frankfurter Bub", der auf Geheiß von Sepp Herberger ab 1963 zunächst die Junioren-Teams, die Amateur- und Olympia-Auswahl und die B-Nationalmannschaft betreute, vor Beginn der WM 1974 bei der A-Nationalmannschaft als zweiten Mann hinter Erich Deuser durchgedrückt und Katzenmeiers DFB-Karriere damit forciert.

"Adi war einer, der den Spielern, und nicht nur ihnen, Tag und Nacht selbstlos zur Verfügung stand. Ich kenne ihn seit 1965, und seit 1974 war er ja immer dabei. Als Spieler war er für mich schon sehr wichtig. Als ich Teamchef wurde, war er aber noch wichtiger für mich, weil es da um die Mannschaft ging, um die Stimmung und die Strömungen in ihr. Die medizinische Abteilung und speziell der Adi wussten und erfuhren alles, doch sie haben nie jemanden verraten", erinnert sich der "Kaiser" an die gemeinsame Zeit.

Dank an Franz

Für Katzenmeier war Beckenbauer nicht nur Fürsprecher, sondern vor allem Freund. "Franz Beckenbauer hat mich in jungen Jahren immer bestärkt. Zu ihm habe ich ein Riesenverhältnis. Er hat mich damals vor der WM 1974 vorgeschlagen, nachdem ich ihn mal bei einem Jugendturnier in Holland massiert hatte. Franz hat mir den Weg beim DFB geebnet", erklärte Katzenmeier, der insgesamt an sieben Weltmeisterschaften und acht Europameisterschaften teilnahm.

Seinen 74. Geburtstag am Samstag wird Katzenmeier im kleinen Kreis mit Ehefrau Sylvia und Sohn Marcel in Frankfurt feiern, die große Sause findet dann am Mittwoch bei seinem Abschied in Berlin statt.

"Sentimental werde ich aber auch in den letzten Minuten beim England-Spiel nicht werden. Ich nehme die Dinge so, wie sie sind. Auch wenn ich weiß, dass der Anruf des DFB damals wie der Beginn eines zweiten Lebens war", sagte Katzenmeier, der seit 1963 in insgesamt mehr als 1000 Länderspielen die Muskeln der DFB-Spieler bearbeitete.

Lebensretter Katzenmeier

Zum Abschluss seiner Karriere ließ Katzenmeier seinen Erinnerungen noch einmal freien Lauf, gewährte Einblick in die guten und die schlechten Zeiten als DFB-Masseur. Einer der kuriosesten Momente war, als er 1985 die Rote Karte sah, weil er Jürgen Kohler auf dem Platz behandelte.

Guido Buchwald rettete er sogar das Leben, als der bei der EURO 1992 nach einem Zusammenstoß mit seinem schottischen Gegenspieler die Zunge verschluckt hatte. Unvergessen bleibt auch, dass Sepp Maier ihm einst ein Kaninchen in die Arbeitstasche packte. "Ich war so böse, ich wollte abreisen", berichtete Katzenmeier.

Trauer nach WM-Halbfinale

Den traurigsten Moment als DFB-Physio erlebte "Adi" vor gar nicht langer Zeit. Der Stachel der Halbfinalniederlage gegen Italien bei der WM 2006 sitzt beim Urgestein noch immer tief. "Diese Mannschaft ist mir sehr ans Herz gewachsen. Auch die EM 2008 war noch mal ein tolles Erlebnis, gerade weil noch 15 Spieler von der WM 2006 im Team standen", sagte Katzenmeier, der im kommenden Jahr noch einmal einen Großteil der Nationalspieler zu sich nach Frankfurt einladen wird.

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