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Joachim Löw beerbte am 12. Juli 2006 Jürgen Klinsmann als Coach der DFB-Elf © getty

Bundestrainer Joachim Löw verschärft den Ton. Öffentliche Kritik ist absolut tabu, eine Rückkehr von Kuranyi ausgeschlossen.

Von Martin Volkmar

München/Berlin ? Erst gab es Streicheleinheiten von der Bundeskanzlerin, dann ein Machtwort des Bundestrainers.

Nach dem offiziellen Teil bei der Einladung im Kanzleramt sprach Joachim Löw am Montagabend Tacheles und forderte bis zur WM 2010 höchste Disziplin von seinen Nationalspielern.

"Es war keine Aussprache, sondern eine Ansprache", machte Löw den Charakter seiner "Berliner Rede" im Teamhotel am Potsdamer Platz deutlich.

Dabei habe er an die Dinge erinnert, "die eigentlich schon seit langem zu unseren Regeln zählen", und den Akteuren erklärt, "was ich für die Zukunft von ihnen erwarte."

Rauswurf bei öffentlicher Kritik

Eindringlich verwies Löw den komplett versammelten Kader darauf, dass er öffentliche Angriffe auf seine Autorität sofort bestrafen werde.

Bedeutet: Eine Wiederholung der Attacken von Michael Ballack und Torsten Frings oder eines anderen Spielers führen zum Rauswurf aus der DFB-Auswahl.

Keine Rückkehr von Kuranyi

Daher wird es auch keine Rückkehr von Kevin Kuranyi geben, der zuletzt entsprechendes Interesse signalisiert hatte.

Doch für Löw bleibt die Flucht des Schalkers von der Nationalmannschaft in der Halbzeit des Qualifikationsspiels gegen Russland unentschuldbar: "Die Entscheidung steht und wird auch so bleiben."

Zudem stellte der 48-Jährige unmissverständlich seinen alleinigen Führungsanspruch in sämtlichen personellen Fragen klar:

"Kader, Aufstellung und taktische Dinge liegen in der Entscheidungsgewalt des Trainers. Alles andere wäre ja auch Schwachsinn, schließlich trifft der Trainer seine Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen."

Team hat Lektion verstanden

Das Team hat die Lektion offenbar verstanden. "Die meisten Spieler wissen, wie man sich zu verhalten hat", meinte Bastian Schweinsteiger(Spielerporträt).

"Aber nach den turbulenten Wochen konnte es nicht schaden, dass der Bundestrainer allen noch einmal die Regeln klar gemacht hat."

Damit soll nun ein Schlusspunkt unter die Querelen der vergangenen Wochen gezogen und der Blick nach vorne gerichtet werden.

"Es war ein einmaliger Vorgang"

"Es war ein einmaliger Vorgang. Ich weiß, dass es nicht wieder passieren wird. Die Dinge sind ausgeräumt, deshalb sehe ich für die Zukunft keine Probleme", meinte Löw.

"Ich sehe nicht die Gefahr, dass Gräben innerhalb der Mannschaft entstehen oder die Vertrauensbasis zerstört wird. Ich glaube, dass die gute Atmosphäre schnell wieder hergestellt werden kann."

Merkels positiver Rückblick

Für die erhoffte neue Harmonie war auch der vorherige 45-minütige Besuch beim ersten DFB-Fan hilfreich. Angela Merkel, die das Team schon während der WM im Regierungssitz empfangen hatte, erinnerte vor allem an die positiven Aspekte des Länderspieljahres (Spielplan)

Sie hoffe, dass die Nationalelf wie in der Vergangenheit wieder an einem Strang zu ziehe und für positive Schlagzeilen sorge, erklärte die Kanzlerin.

Zudem lobte sie die Erfolge bei der EM-Endrunde und der bisherigen WM-Qualifikation und zeigte sich mit Blick auf die Endrunde in Südafrika ebenfalls zuversichtlich.

So sieht es auch Löw. ?Die zwei Vorfälle haben die Mannschaft in ein falsches Licht gerückt?, meinte er mit Blick auf die Konflikte mit Ballack und Frings.

"Insgesamt war das Auftreten der Mannschaft seit der WM 2006 ganz hervorragend."

Entsprechend wichtig ist dem Bundestrainer das Auftreten im Klassiker am Mittwoch (ab 20.15 Uhr LIVE):

"Es ist der beste Abschluss eines Jahres, wenn man in Berlin in einem großen Stadion gegen England spielt. Das ist immer etwas Besonderes."

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