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Ballacks (l.) und Löw wurden 2008 mit dem DFB-Team Vize-Europameister © getty

Im Test gegen Italien wird Michael Ballack wie bei der WM nicht vermisst. Ob er überhaupt zurückkehrt bleibt fraglich.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Dortmund - Viereinhalb Jahre ist es her, als Michael Ballack weinend den Signal Iduna Park in Dortmund verließ.

Beim bitteren Halbfinal-Aus gegen Italien am 4. Juli 2006 war der deutsche WM-Traum jäh geplatzt, und auch der Kapitän und unumstrittene Anführer hatte das nicht verhindern können.

Nun trifft die DFB-Auswahl am Mittwoch (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) zur Revanche im selben Stadion auf den vierfachen Weltmeister - und Ballack spielt dabei keine Rolle mehr.

Und jeder Monat, der ohne die Rückkehr des "Capitano" in die Nationalelf vergeht, macht diese Situation mehr und mehr zum Normalzustand.

Schweinsteiger und Khedira unumstritten

Denn seit Ballacks bitterem WM-Aus durch Kevin Prince Boatengs böses Foul im englischen Pokalfinale haben sich Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira als Anführer und Antreiber im defensiven Mittelfeld etabliert.

"Die Kombination Bastian Schweinsteiger/Sami Khedira ist für mich auf der Sechserposition die erste Option", sagt Bundestrainer Joachim Löw.

"Ich sehe keine Veranlassung, daran etwas zu ändern."

Mit anderen Worten: Ballack ist derzeit nur noch zweite Wahl - wenn überhaupt. Denn die Zahl der Nachrücker wird immer größer: Neben Simon Rolfes, Christian Träsch und Toni Kroos gibt es nun einen weiteren Rivalen.

Löw schwärmt von Sven Bender

Der gegen Italien erstmals berufenen Sven Bender gilt als Mann der Zukunft. "Er gewinnt unheimlich viele Zweikämpfe, ist sehr aggressiv und dabei aber fair. Und er ist überragend in der Balleroberung", schwärmt Löw. (Die Aufstellung: Löw setzt auf Klose und Khedira)

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer attestiert dem Dortmunder Shootingstar sogar Weltklasse-Potenzial - übrigens ebenso wie dessen einige Minuten älteren Zwillingsbruder Lars in Leverkusen.

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Ganz klar: Die Zeit läuft gegen Ballack, der im September 35 Jahre wird. Ein Alter, in dem zahlreiche Topstars ihre Karriere schon beendet hatten.

Doch der 98-malige Nationalspieler träumt weiter vom 100. Länderspiel und der EM 2012, letzteres sicherlich nicht als Reservist.

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Ballacks Rückstand noch groß

Um sich aber schnellstmöglich wieder im DFB-Team zurückzumelden, braucht Ballack nach seiner Fraktur am Schienbein im letzten Herbst möglichst viele Spiele. Sein schwacher Auftritt bei Leverkusens 0:1 am Samstag in Nürnberg zeigte deutlich, wie groß sein Rückstand noch ist.

"Nach der langen Verletzung braucht er Spiele und Training, anders holt man die Defizite nicht auf", sagt sein Trainer Jupp Heynckes.

In den nächsten Wochen muss er trotzdem schnelle Fortschritte machen, denn Mitte März ist ein Gespräch zwischen Löw und Ballack über eine mögliche Rückkehr zu den Länderspielen gegen Kasachstan (26. März, EM-Qualifikation) und Australien (29. März) geplant.

Löw: "Entscheidend ist die Qualität"

Doch auf irgendwelche Treuepunkte bei Löw kann der Routinier nicht hoffen. "Entscheidend ist die Qualität des Spielers, und ob er unseren Vorstellungen in der Nationalmannschaft entspricht", erklärt Löw.

"Es kommt darauf an, mit welchen Leistungen Michael Ballack in den kommenden Wochen aufwartet."

Gut möglich, dass schon bald Klarheit herrscht, wie viel von seinem früheren Weltklasse-Niveau der einstige Chelsea-Profi noch abrufen kann. Denn nach seinem langen Ausfall ist Ballack auch bei Heynckes keineswegs unumstritten.

Harte Konkurrenz bei Bayer

Zuletzt gab der Bayer-Coach den etablierten Rolfes und Ballack im defensiven Mittelfeld den Vorzug. Dafür mussten die in der Hinserie dort überragenden Lars Bender und Arturo Vidal auf die Bank oder ins ungewohnte offensive Mittelfeld.

Bleiben die Erfolge bei aller Verbundenheit zu Rückkehrer Ballack aber weiter aus, wird Heynckes reagieren müssen, um die mögliche Champions-League-Teilnahme nicht zu gefährden.

Dann droht dem "Capitano" nicht nur in der Nationalmannschaft, wo ihn am Mittwoch in Dortmund kaum einer der Fans vermissen wird, sondern auch im Verein das Abstellgleis.

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