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Beim Termin mit SPORT1: Der Dortmunder Großkreutz (r.) trifft Redakteur Martin Volkmar © SPORT1

Im SPORT1-Interview erklärt Kevin Großkreutz den Höhenflug des BVB und findet keinen Grund, warum der Titel noch verpasst werden sollte.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Dortmund - Gleich fünf Dortmunder könnten im Prestigeduell gegen Italien (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) zu ihrem Heimspiel in der deutschen Nationalmannschaft kommen.

Doch noch weit mehr als für seine vier Teamkollegen ist das Westfalenstadion für Kevin Großkreutz sein zweites Wohnzimmer.

Der 22-Jährige ist nicht nur gebürtiger Dortmunder, sondern familiär bedingt seit Kindesbeinen eingefleischter BVB-Fan.

Im Interview mit SPORT1 erzählt Großkreutz über seine langjährige Verbundenheit, erklärt den Höhenflug des souveränen Bundesliga-Spitzenreiters und findet keinen Grund, warum die Meisterschaft noch verpasst werden sollte.

SPORT1: Wissen Sie noch, wo Sie das WM-Halbfinale 2006 gegen Italien erlebt haben?

Kevin Großkreutz: Das habe ich mit Freunden in der Westfalenhalle geschaut. Das war natürlich ein brutales Ende mit den späten Gegentoren, denn eigentlich hätten wir das Spiel gewinnen müssen.

(Die Aufstellung: Löw setzt auf Klose und Khedira)

SPORT1: Hoffen Sie jetzt auf die Revanche?

Großkreutz: Natürlich haben wir da noch etwas gutzumachen. Das ist ein besonderes Spiel, im eigenen Stadion gegen so eine Mannschaft wie Italien anzutreten.

SPORT1: Was erwarten Sie vom Dortmunder Publikum?

Großkreutz: In unserem Stadion herrscht die beste Stimmung in Deutschland. Deshalb hoffe ich, dass die Zuschauer auch die Nationalmannschaft nach vorne peitschen werden. Da wäre es natürlich schön, wenn wir fünf Dortmunder in unserem Stadion zum Einsatz kommen würden.

SPORT1: Die Italiener haben bei der WM enttäuscht. Wo sehen Sie den Gegner derzeit?

Großkreutz: Es sind nicht mehr viele Spieler von der WM dabei. Italien hat immer eine gute Mannschaft. Aber wenn wir unser Ding durchziehen, ist ein Sieg drin. Das wäre natürlich gut für unser Selbstvertrauen, wenn wir mit einem Erfolg gegen so einen Gegner ins Jahr starten würden.

[kaltura id="0_u3vubbn2" class="full_size" title="DFB dürstet nach Italien-Sieg"]

SPORT1: Wie beurteilen Sie das sportliche Potenzial der Nationalelf?

Großkreutz: Es ist vieles möglich mit dieser Mannschaft bei den nächsten Turnieren. Das Team hat enorme Qualität. Und der Teamgeist stimmt auch. Wir können viel erreichen in den nächsten Jahren.

SPORT1: Gibt es Parallelen zwischen Nationalmannschaft und BVB?

Großkreutz: Jedenfalls stimmt bei beiden Teams die Kameradschaft. Das ist in Dortmund sicherlich eines unserer Erfolgsrezepte. Denn das sieht man dann auch auf dem Platz, dass wir als Einheit auftreten.

SPORT1: Kann dieser Teamspirit einen Ausverkauf an große Klubs verhindern?

Großkreutz: Ich glaube schon. Man sieht ja, dass alle Leistungsträger langfristig ihre Verträge verlängert haben. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass viele weggehen. Denn der BVB ist einfach ein besonderer Klub.

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SPORT1: Sie selber haben bis 2014 verlängert. Wollen Sie für immer Dortmunder bleiben?

Großkreutz: Ein Traum wäre natürlich mal die Premier League. Aber wenn es hier so weiter läuft und die Perspektive stimmt, dann gibt es keinen Grund wegzugehen. Dortmund ist meine Heimat und der BVB war immer meine Liebe.

SPORT1: Haben Sie die Erfolge der letzten 15 Jahre hautnah miterlebt?

Großkreutz: Ich war immer mittendrin, ob bei den Meisterfeiern 1995, 1996 und 2002, dem Champions-League-Sieg 1997 oder dem verlorenen UEFA-Pokalfinale 2002 in Rotterdam. Da hat man auch als Fan viel durchgemacht, vor allem in den weniger tollen Jahren danach.

SPORT1: Da müssen Sie als Fan ja im Moment total euphorisch sein, oder können Sie das trennen?

Großkreutz: Man muss sich natürlich als Profi etwas zurückhalten. Aber ich glaube manchmal merkt man mir an, dass ich auch ein Fan dieses Vereins bin. Ich bin so wie ich bin, ob als Spieler oder als Fan. Einfach der Kevin. Und so will ich auch bleiben.

SPORT1: Wodurch kommt die Verbundenheit zu Schwarz-Gelb?

Großkreutz: Meine Familie wohnt in Dortmund-Eving, mein Vater hat seit 35 Jahren eine Dauerkarte, davor meine Oma. Die hat mir auch die Geschichten von früher erzählt. Das wurde bei uns von Generation zu Generation weitergegeben.

SPORT1: Umso größer muss für Sie und Ihre Familie die Freude über Ihren rasanten Aufstieg sein?

Großkreutz: Auf jeden Fall. Es hat keiner nach meinem Wechsel aus Ahlen vor eineinhalb Jahren gerechnet, dass ich so schnell Stammspieler werde. Und dass ich jetzt bei der Nationalmannschaft dabei bin, ist natürlich auch eine Riesensache.

SPORT1: Wie sehen Sie Ihre Form im Moment?

Großkreutz: Diese Saison läuft auch für mich sehr gut. Am Ende der Hinrunde hat die Kraft etwas nachgelassen, weil ich verletzt war. Aber in der Winterpause habe ich bei Dede in Brasilien Urlaub gemacht, mich dort richtig erholt und trotzdem gezielt auf die Rückrunde vorbereitet. Jetzt bin ich wieder topfit und es kann weitergehen.

SPORT1: Was sagen Sie zu den beiden anderen Dortmunder Shootingstars Mario Götze und Sven Bender?

Großkreutz: Mario ist ein richtig guter Zocker. Er kann fast alles und muss nur auf dem Boden bleiben. Wenn er so weitermacht, wird das ein ganz Großer. Und "Manni" Bender ist auch ein ganz wichtiger Spieler für uns, der defensiv unheimlich viele Löcher stopft und mit seinen langen Beinen irgendwie an jeden Ball kommt.

SPORT1: Vor einigen Jahren stand der BVB noch vor der Pleite, jetzt hat er anscheinend eine glänzende Zukunft vor sich. Sind Sie selber überrascht, wie schnell das ging?

Großkreutz: Dass wir so weit oben stehen, ist schon eine Überraschung. Aber wir haben bereits in der vergangenen Saison gute Leistungen gezeigt. Seit Jürgen Klopp da ist, geht es aufwärts. Und ich glaube, dass die Entwicklung so weiter geht.

SPORT1: Zumal die Verfolger in schöner Regelmäßigkeit patzen und die Borussia trotz des 0:0 gegen Schalke der Gewinner des letzten Spieltags war.

Großkreutz: Stimmt. Trotzdem ist es ärgerlich, dass wir das Derby nicht gewonnen haben. Deshalb haben wir uns über die Ergebnisse am Samstag natürlich gefreut. Aber eigentlich interessiert uns gar nicht, was die anderen machen. Wir wollen unser Ding durchziehen.

SPORT1: Wie gehen Sie mit dieser absoluten Favoritenrolle auf die Meisterschaft um?

Großkreutz: Wir blenden das aus. Jetzt geht es gegen Kaiserlautern am Samstagabend auf dem Betzenberg, das wird die nächste schwere Herausforderung. Wir wollen einfach weiter unseren Fußball spielen. Damit begeistern wir in Deutschland im Moment nicht nur die BVB-Fans. So soll es weitergehen.

SPORT1: Aber grundsätzlich wollen Sie doch Deutscher Meister werden, oder?

Großkreutz: Davon träumt jeder Profi. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Es sind noch 39 Punkte zu vergeben, deshalb schauen wir einfach nur von Spiel zu Spiel.

SPORT1: Die Ausgangslage ist jedenfalls alles andere als schlecht.

Großkreutz: Die ist auf keinen Fall schlecht. Aber es sind eben noch 13 Spiele. Wir könnten auch alle verlieren.

SPORT1: Aber Sie glauben ja, dass der BVB kein Spiel mehr verliert.

Großkreutz: Ich sollte die Rückrunde tippen und habe keine Niederlage für uns getippt. Aber das ist normal, kein Spieler tippt auf die eigene Niederlage. Aber ich halte das auch nicht für vollkommen unrealistisch. Warum sollten wir einbrechen?

SPORT1: Warum nicht?

Großkreutz: Weil die Mannschaft charakterlich und fußballerisch richtig stark ist. Wir haben einen guten Trainer, wir haben einen guten Manager und tolle Fans, die alle total euphorisch sind.

SPORT1: Also wird Borussia Dortmund Deutscher Meister?

Großkreutz: Ich gebe keinen Meistertipp ab.

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