vergrößernverkleinern
Bayerns Bastian Schweinsteiger (r.) im Duell mit Italiens Montolivo © getty

Im Prestigeduell gegen den Weltmeister von 2006 verpasst die deutsche Mannschaft ein besseres Ergebnis. Klose baut sein Torkonto aus.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Dortmund - Der Italien-Fluch für die deutsche Nationalmannschaft hält an.

Nach einem späten Gegentreffer verpasste die DFB-Auswahl den ersten Sieg seit fast 16 Jahren gegen den viermaligen Weltmeister und verpasste damit auch die Revanche für die bittere Halbfinal-Pleite bei der WM 2006.

Miroslav Kloses Führungstreffer (16.) vor 60.196 Zuschauern im nicht ausverkauften Dortmunder Signal Iduna Park reichte am Ende nicht, da dem eingewechselte Guiseppe Rossi noch der insgesamt verdiente Ausgleich gelang (81.) 349202(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Trotzdem kann die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw, die seit dem Halbfinal-K.o. gegen Spanien bei der WM in Südafrika nicht mehr verloren hat, vor allem aufgrund der guten ersten Halbzeit zuversichtlich ins erste EM-Qualifikationsspiel 2011 am 26. März gegen Kasachstan gehen.

Die "Squadra Azzurra", gegen den dem WM-Dritten auch im fünften Länderspiel in Folge kein Sieg gelang, bleibt dennoch ein Angstgegner des DFB-Teams.

"Konnten das Tempo nicht über 90 Minuten umsetzen"

"Das war ein unterhaltsames Testspiel von beiden Seiten. Wir konnten das Tempo aber nicht über 90 Minuten umsetzen, wie wir uns das vorgenommen hatten. In der zweiten Halbzeit haben wir es versäumt, mehr zu investieren, um das 2:0 zu machen", sagte Löw, der sich aber insbesondere über das Führungstor freute: "Das Tor war klasse herausgespielt. Das war ein schöner Angriff."

Bastian Schweinsteiger trauerte ein wenig dem vergebenen Sieg nach. "Schade, dass wir das Tor noch kassiert haben. Ich habe Vertrauen darin, dass wir in Zukunft die Mannschaft der Italiener einmal schlagen können", sagte der Bayern-Star:

Verteidiger Mats Hummels ergänzte: "Das war ein Prestigeduell. Wir wollten gewinnen, darum ärgert uns der Ausgleich. Das war leider kein perfektes Spiel."

Kein Dortmunder in der Startelf

Zur Enttäuschung des Dortmunder Heimpublikums stand keiner der fünf nominierten BVB-Profis in der Anfangself.

Statt der eigentlich erwarteten Marcel Schmelzer und Mats Hummels erhielten in der Viererkette überraschend Dennis Aogo auf links und Holger Badstuber im Zentrum den Vorzug. Ansonsten vertraute Löw seiner WM-Stammformation.

[image id="dba6c7ed-6484-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Die DFB-Elf begann schwungvoll und hatte schon nach vier Minuten ihre erste Chance, als Sami Khedira nach schöner Vorarbeit von Mesut Özil frei zum Schuss kam, aber den Ball nicht richtig traf.

Allerdings nutzten die Italiener schon in der Anfangsphase geschickt den Raum bei deutschen Ballverlusten zu schnellen Gegenstößen. So ließ sich Badstuber nach acht Minuten von Giampolo Pazzini düpieren und Bastian Schweinsteiger konnte die Hereinhabe gerade noch von der Linie schlagen.

Herrliches Führungstor

Insgesamt aber dominierten eindeutig die Gastgeber, die dann auch nach 16 Minuten nicht unverdient in Führung gingen: Özil spielte per Hacke herrlich Thomas Müller frei, dessen Vorlage Klose aus kurzer Distanz einschoss.

Mit seinem 59. Länderspieltor verkürzte der Bayern-Reservist in seinem 106. Länderspiel weiter den Rückstand auf den in der ewigen DFB-Torschützenliste führenden Gerd Müller (68 Treffer).

Klose verpasst das 2:0

Auch das 2:0 war möglich, als Klose wenig später am herauseilenden Gianluigi Buffon scheiterte (18.) und Lukas Podolski aus 25 Metern knapp vorbei schoss (23.).

Gefährlich für die Löw-Elf wurde es immer dann, wenn die Italiener das Spiel nach Balleroberung schnell machten. So wie in der 37. Minute, als Giorgio Chiellini Philipp Lahm ganz alt aussehen ließ.

Aber De Rossi schoss dessen Flanke volley aus bester Situation genau auf den insgesamt sehr souverän auftretenden Manuel Neuer, der mit den Fäusten klären konnte.

Zweimal kein Elfmeter für Italien

Sechs Minuten später war dann eigentlich der Ausgleich fällig, als Per Mertesacker Antonio Cassano wegschubste.

Doch der niederländische Schiedsrichter Eric Braamhaar verweigerte ebenso den fälligen Elfmeter wie zwei Minuten später, als Aogo in einen Schuss von Mattia Cassani rutschte und den Ball eindeutig mit den Händen abwehrte.

Doch Italiens Nationalcoach Cesare Prandelli protestierte vergeblich, so dass es mit der inzwischen glücklichen deutschen Führung in die Pause ging.

Götze ersetzt Müller

Nach dem Wechsel kam Lokalmatador Mario Götze anstelle von Müller zu seinem umjubelten Einsatz. Prandelli brachte Marco Boriello und Rossi sowie sieben Minuten später Christian Maggio.

Und Pazzini fügte sich kurz darauf gut ein, als er von halbrechts gefährlich abzog. Doch Neuer, der ähnlich sicher auftrat wie am Freitag mit Schalke an gleicher Stelle gegen den BVB, hielt.

Die Begegnung war nun offen, die Italiener taten wesentlich mehr nach vorne als in den ersten 40 Minuten. Doch die deutsche Defensive agierte nun konzentrierter und ließ weniger Chancen zu.

Prandelli brachte nach 63 Minuten auch noch Aquilani ins Spiel, während Löw für Lahm und Badstuber Jerome Boateng und Hummels einwechselte.

Neuer stark

Drei Minuten später ließ Hummels Boriello nach langem Pass entwischen, doch dessen platzierten Schuss von halblinks entschärfte erneut Neuer.

Dagegen kam der letzte Pass bei der deutschen Mannschaft nicht mehr an, auch weil Özil kaum mehr in Erscheinung trat. So blieben meist nur Distanzschüsse, die aber für Buffon keine Gefahr darstellten.

Die Partie wurde zusehends schwächer, weil auch die zahlreichen Wechsel den Spielfluss hinderten: Guiseppe Giovinco (74.) und Domenico Criscito (78.) kamen bei den Gästen (74.), Kevin Großkreutz bei der DFB-Elf für Klose (76.).

Später Schock durch Rossi

Entsprechend groß war der Schock im Stadion, als doch noch der Ausgleich fiel: Nach einem erneuten Ballverlust kam Mertesacker gegen den agilen Rossi zu spät, und diesmal überwand der Stürmer des FC Villarreal im zweiten Anlauf Neuer (81.).

Fast postwendend hatte der freigespielte Khedira die erneute Führung auf dem Fuß, doch Buffon parierte seinen Rechtsschuss (83.). Kurz vor Schluss zog Großkreutz noch mal von der Straraumgrenze ab, verfehlte aber das Tor.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel