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Bastian Schweinsteiger (l.) absolvierte gegen Italien sein 85. Länderspiel © getty

Nach dem späten 1:1 ist der Ärger beim deutschen Team groß, dass der Italien-Fluch anhält. Spieler und Trainer geben Fehler zu.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Dortmund - Viel gesprochen wurde nicht in der deutschen Kabine nach dem Abpfiff.

"Es war nicht so, dass wegen des Ausgleichs Verzweiflung geherrscht hat. Es gibt Schlimmeres als gegen Italien 1:1 zu spielen", beschrieb Mats Hummels im Gespräch mit SPORT1 die Stimmung.

"Aber natürlich hätten wir das Spiel gerne gewonnen. Unser Anspruch ist es, jedes Spiel zu gewinnen. Deshalb sind wir nicht zufrieden."

Über weite Strecken war das Prestigeduell gegen den viermaligen Weltmeister ein guter Auftakt für die DFB-Auswahl ins Länderspieljahr, vor allem die erste Hälfte mit Miroslav Kloses herrlich herausgespieltem Führungstor (16.). 349202(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Leistungsabfall nach der Pause

Doch nach der Pause bauten die Gastgeber deutlich ab, so dass der bis dahin unüberwindbare Manuel Neuer neun Minuten vor Schluss noch den Gegentreffer durch Giuseppe Rossi hinnehmen musste.

"Man hat wieder gesehen, dass wir einfach mehrere Trainingseinheiten zusammen brauchen, um dann wirklich unser Spiel durchzuziehen", zeigte sich Kapitän Philipp Lahm selbstkritisch:

"Wir haben defensiv zu viel zugelassen und offensiv nicht unsere Konter ausgefahren."

Löw moniert fehlende Konsequenz

Ähnlich fiel die Analyse von Joachim Löw aus. "Wir haben es über die gesamte Spielzeit nicht geschafft, druckvoll und mit Tempo zu spielen und Kombinationsfreude zu zeigen", erklärte der Bundestrainer.

"Hätten wir 90 Minuten das gespielt, was wir phasenweise geliefert haben, hätten wir auch gewonnen."

Doch sein Team habe nach der Pause versäumt, "konsequent und mit letztem Risiko dafür zu investieren, das 2:0 zu erzielen. Stattdessen haben wir versucht, das Ergebnis zu halten, aber das können die Italiener wahrscheinlich besser als wir".

Wechsel sorgen für Bruch im Spiel

Am Bruch im Spiel hatte Löw, der zunächst überraschend keinen Dortmunder in die Startelf gestellt hatte, mit seinen zahlreichen Wechseln nach der Pause großen Anteil.

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Was er auch offen zugab: "Hätte ich die Mannschaft durchspielen lassen, hätte das sicherlich mehr zur Harmonie beigetragen. Allerdings wollte ich natürlich auch die Chance wahrnehmen, ein paar Spieler zu sehen."

Da aber Leistungsträger wie der in der ersten Halbzeit starke Mesut Özil oder Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira mit zunehmender Spieldauer ebenfalls abbauten, bleibt der Italien-Fluch bestehen. 349205(DIASHOW: Die DFB-Elf in der Einzelkritik)

Seit 1995 ohne Sieg gegen Italien

Seit Juni 1995 hat die deutsche Nationalelf nun nicht mehr gegen die "Squadra Azzurra" gewonnen, auch die erhoffte Revanche für die bittere Niederlage im WM-Halbfinale 2006 an gleicher Stelle wurde verpasst.

"Natürlich war 2006 ein Thema. Wir wollten das Spiel auch unbedingt gewinnen, auch weil wir 16 Jahre ohne Sieg gegen Italien sind. Aber leider haben wir es nicht gepackt", sagte Lukas Podolski SPORT1:

[kaltura id="0_vqbw5m4q" class="full_size" title="L w Elf verpasst Revanche"]

"Ärger ist schon da, denn die Chance war ja groß nach dem 1:0. Wenn wir die Leistung gebracht hätten, die man von uns kennt, hätten wir auch klar gewonnen."

Zumindest in den ersten 40 Minuten wäre in der Tat auch ein höherer Vorsprung möglich gewesen, unter anderem scheiterte Klose kurz nach seinem 59. Treffer im 106. Länderspiel freistehend an Gästekeeper Gianluigi Buffon.

Defensive ungeordnet

Doch die Abwehr mit den merklich von ihren schwachen Bundesligaauftritten verunsicherten Per Mertesacker und Holger Badstuber sowie dem erneut auf links nicht überzeugenden Dennis Aogo kam bei schnellen italienischen Gegenstößen immer wieder ins Schwimmen.

"Unsere gesamte Defensive war nicht so klar geordnet. Wir hatten zu große Abstände im Mittelfeld", gestand Löw ein.

"In Ballannahme und Passspiel sind Fehler passiert, die uns sonst nicht unterlaufen. Nach vorn war unser Spiel nicht immer so flüssig. Die Automatismen müssen wieder besser werden in diesem Jahr."

Genug Arbeit für Löw bis zur EM

Nach wie vor bleibt auch 2011 genug Arbeit für den 51-Jährigen, um den WM-Dritten bis zur EM-Endrunde 2012 titelreif zu machen.

Die deutlich gestiegene Erwartungshaltung an die DFB-Elf machte auch die Tatsache deutlich, dass der Klassiker gegen Italien nicht ausverkauft war.

Und in der EM-Qualifikation ist die rasche Qualifikation nach dem optimalen Start und Gegnern wie dem nächsten Kontrahenten Kasachstan (26. März) ebenfalls Pflicht. (DATENCENTER: EM-Qualifikation)

Hochkarätige Testspielgegner

Da kommt es Löw zu Gute, dass auf sein Drängen hochkarätige Testspielgegner verpflichtet wurden: Gegen Uruguay, Brasilien und die Niederlande kann das junge Team in diesem Jahr weiter wertvolle Erfahrungen machen.

Dann wäre vielleicht auch der späte (und insgesamt verdiente) Ausgleich der Italiener zu verhindern gewesen, als sich die Defensive nach einem Ballverlust in der Vorwärtsbewegung viel zu leicht ausspielen ließ.

Entsprechend genervt über den späten Schock war auch Schweinsteiger, der den Blick aber schnell nach vorne richtete:

"Ich habe Vertrauen darin, dass wir in Zukunft die Italiener einmal schlagen werden. Wir müssen noch genauer spielen und mehr Geduld haben."

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