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Cesare Prandelli war während seiner Zeit beim AC Florenz Italiens Trainer des Jahres © getty

Die Stiefel-Kicker sehen sich schon in Schlagdistanz zum WM-Dritten aus Deutschland. Giuseppe Rossi verkündet gar eine neue Ära.

München/Rom - Der gedemütigte viermalige Weltmeister feiert seine Wiederaufstehung.

Ein ordentliches Länderspiel gegen den Erzrivalen Deutschland hat gereicht, um die Fußball-Depression in Italien zu vertreiben.

"Das war das schönste Spiel seit 2008", schrieb der Corriere dello Sport. Und Tuttosport jubelte, die Squadra Azzura habe ihre "Würde zurückgewonnen" und "eine symbolische Brücke für die Zukunft gebaut".

Dabei konnte es den vor acht Monaten in Südafrika auf so peinliche Weise entthronten WM-Champions von 2006 in Deutschland auch nicht grämen, dass einige deutsche Spieler über sie spotteten.

"Wäre es um Punkte gegangen, hätten wir die geschlagen", sagte Mesut Özil nach dem 1:1-Remis von Dortmund lässig. 349202(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Und Abwehrspieler Per Mertesacker schüttelte nur den Kopf angesichts der vier geforderten Elfmeter des Gegners.

"Ach, die Italiener fallen immer, wenn es ihnen passt", meinte der Bremer Innenverteidiger nach der unterhaltsamen Revanche des WM-Halbfinales 2006 (0:2 n.V.): "Es gab viele Szenen, in denen wir sehr fair geklärt haben, und sie haben sich einfach fallenlassen."

Rossi verkündet neue Ära

Hätte Giuseppe Rossi vom FC Villarreal neun Minuten vor dem Ende nicht den Ausgleich erzielt und Italiens stolze Serie von fast 16 Jahren ohne Niederlage gegen Deutschland gerettet, wäre der Aufschrei in Italien wohl groß gewesen.

So herrschte die Freude bei der auf den 13. Platz in der Weltrangliste abgerutschten Squadra Azzura vor. "Das war die Wende", meinte Torschütze Rossi und ergänzte vollmundig: "Eine neue Ära hat begonnen."

Trainer Cesare Prandelli sprach immerhin vom besten der sechs Spiele seit seinem Amtsantritt. Die Mischung scheint wieder zu stimmen im Team der wankenden Fußball-Großmacht.

[kaltura id="0_i6mna6cs" class="full_size" title="Kein Sieg aber frohen Mutes"]

Der viermalige Welttorhüter Gianluigi Buffon, seit der WM wegen eines Bandscheibenvorfalls ausgefallen, gab in seinem 103. Länderspiel ein solides Comeback, Skandalnudel Antonio Cassano nach zwischenzeitlicher Ausbootung sogar ein starkes.

Und auch die beiden Debütanten, der gebürtige Brasilianer Thiago Motta und der nur 1,64 Meter kleine Edeltechniker Sebastian Giovinco überzeugten.

Gleichwohl kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Italiener ganz offensichtlich erst am Anfang eines Neuaufbaus stehen.

Lob für Prandelli

"Wir sind noch nicht auf Augenhöhe mit Deutschland, aber wir haben den Abstand verringern können", sagte Prandelli, den Buffon nach der mäßigen ersten Halbzeit dann auch zum Helden des Aufschwungs nach der Pause kürte.

"Er hat uns wichtige Ratschläge gegeben, und schon haben wir begonnen, das Spielfeld zu beherrschen", sagte der 33-Jährige, der schon seinen sechsten Nationaltrainer erlebt und neben Daniele de Rossi einziger verbliebener Champion von 2006 ist.

Duell der Torhüter-Giganten

In Dortmund durfte Buffon im direkten Vergleich erleben, dass in Manuel Neuer inzwischen vielleicht sein Nachfolger als bester Torhüter der Welt heranwächst.

Doch auch auf den anderen Positionen fühlen sich die Italiener nach dem erneuten Prestigeerfolg nicht mehr so weit vom Vize-Europameister und WM-Dritten entfernt.

"Abgesehen vom Trio Müller-Özil-Podolski und des Talents von Miroslav Klose scheint der Rest der deutschen Bande nicht unerreichbar zu sein", schrieb Tuttosport.

Allen Lästereien und verweigerten Elfmetern zum Trotz.

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