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Kapitän Michael Ballack saß bei den Prämien-Verhandlungen mit am Tisch © getty

Der DFB lässt sich die Qualifikation für die WM einiges kosten. Im Vergleich zur EM-Qualifikation sind 50.000 Euro mehr an Prämien möglich.

Berlin - Die allgemeine Finanzkrise geht an den deutschen Nationalspielern vorbei. Sollten sich Michael Ballack und Co. auf direktem Weg für die WM-Endrunde 2010 in Südafrika qualifizieren, winkt den Protagonisten im Maximalfall jeweils 200..000 Euro Prämie.

20.000 Euro zahlt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Erfolgsfall pro Nominierung für die insgesamt zehn Qualifikationsspiele, so viel wie noch nie.

Für die Qualifikation zur WM 2002 in Südkorea und Japan hatten die Nationalspieler für jedes der acht Gruppenspiele und die zwei Play-off-Spiele gegen die Ukraine rund 12.500 Euro (25.000 Mark) überwiesen bekommen, im Optimalfall also rund 125.000 Euro (250.000 Mark).

"Waren uns schnell einig"

Vor zwei Jahren waren den DFB-Stars diese Zusatzeinnahmen verwehrt, weil sie als Gastgeber automatisch für die WM 2006 gesetzt waren.

"Leistung muss belohnt werden", meinte DFB-Präsident Theo Zwanziger, der gemeinsam mit Generalsekretär Wolfgang Niersbach beim Prämien-Poker mit dem Spielerrat im Vorfeld des England-Länderspiels die Verbandsinteressen vertrat.

"Wir waren uns in dem fairen und konstruktiven Gespräch schnell einig", meinte der DFB-Chef nach dem nur 40-minütigen Treffen.

Mit am Verhandlungstisch saßen auch DFB-Kapitän Michael Ballack, Torsten Frings und Philipp Lahm, die aus unterschiedlichen Gründen am Mittwoch im Klassiker gegen die "Three Lions" im Berliner Olympiastadion (ab 20.15 Uhr LIVE) allesamt fehlen, sowie Miroslav Klose.

Zwanziger betonte zudem, dass "die Vereinbarungen selbstverständlich nur für den Fall der erfolgreichen Qualifikation gelten".

Über die Prämien für den Trainerstab mit Bundestrainer Joachim Löw an der Spitze und seinen Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke (Torwarttrainer) wurde offiziell nichts bekannt.

250.000 Euro für Löw und Co.?

Sollte der Vize-Europameister aber auf direktem Weg das WM-Ticket zum Kap der guten Hoffnung lösen, dürfte dieses Trio ebenfalls üppig bedacht werden.

Im Gespräch waren 250.000 Euro pro Person.

"Die Prämien für die Trainer waren Bestandteil der Verhandlungen", berichtete Teammanager Oliver Bierhoff, der zudem von den kürzesten Prämienverhandlung sprach, "die es wohl je gegeben hat".

Differenziertes Prämienmodell

Erstmals verständigten sich DFB und Spielerrat auf ein differenziertes Prämienmodell.

Bei einer Direkt-Qualifikation würden 20.000 Euro pro Nominierung ausgezahlt, weil im Falle des Gruppensieges für den DFB die zusätzliche Terminierung von zwei (Heim)-Länderspielen im November 2009 möglich wäre.

Pro Länderspiel erhält der Verband pro Match in Deutschland vom Fernsehen 4,1 Millionen Euro, hinzu kommen die Einnahmen aus dem Kartenverkauf und der Bandenwerbung.

Sollte sich die deutsche Nationalmannschaft als Gruppenzweiter über zwei Play-off-Spiele für die WM 2010 in Südafrika qualifizieren und somit zwölf statt zehn Qualifikations-Begegnungen bestreiten, ergibt sich ein Betrag von 16.500 Euro pro Nominierung für den Kader, was am Ende bei geringer Mehrarbeit 198.000 Euro in die Kasse der Profis spülen könnte.

Für die erfolgreiche Qualifikation zur EM 2008 hatte es pro Nominierung im Kader für jeden Spieler 12.500 Euro gegeben. Maximal 150.000 Euro waren so für jeden Profi zu erzielen.

Erhöhung dank Mehreinnahmen

Die "moderate Erhöhung" für 2010 konnte nach DFB-Angaben auf der Basis der steigenden Erträge der langfristigen TV- und Marketing-Verträge des Verbandes vereinbart werden.

Zwanziger selbst hatte diese "angemessene Erhöhung" vorgeschlagen, die vom Mannschaftsrat nach kurzez Beratung angenommen wurde.

Soziales Engagement

Zudem hat sich die Nationalmannschaft freiwillig bereit erklärt, ihre in diesem Jahr begonnene Unterstützung für ein Projekt der Frauen-WM 2011 in Deutschland fortzusetzen.

Die Spieler werden dafür aus den ihnen zustehenden Einnahmen jährlich etwa 200..000 Euro zahlen, so dass für das derzeit vom WM-OK konzipierte Sozialprojekt "Kinderträume" zwischen 800.000 und eine Million Euro zusammenkommen werden.

"Ich bin dankbar, dass die Mannschaft im Rahmen der Prämienverhandlung erneut ihre soziale Verantwortung zum Ausdruck gebracht hat", kommentierte Zwanziger das finanzielle Engagement der Nationalmannschaft, die nach vier Spielen die Tabelle der Gruppe 4 mit 10 Punkten vor Russland und Wales (je 6) anführt.

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