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Der DFB überweist seinen Nationalspielern ein schönes Sümmchen für die EM-Qualifikation
Schweinsteiger (l.) und Podolski erzielten fünf der zehn DFB-Tore © getty

Wer waren aus deutscher Sicht die Gewinner, Verlierer und Mitläufer bei der Euro? Sport1.de stellt den 23 Akteuren ihr EM-Zeugnis aus.

München/Wien - Am 16. Mai begann mit der Nominierung des vorläufigen EM-Kaders die heiße Phase der Vorbereitung, drei Tage später startete die "Bergtour" mit dem Trainingslager auf Mallorca.

Am 28. Mai strich Bundestrainer Joachim Löw Patrick Helmes, Jermaine Jones und Marko Marin aus dem vorläufigen Kader.

Am 8. Juni startete das DFB-Team mit einem 2:0 gegen Polen in die EM, am 29. Juni endete der Traum vom Titel mit dem 0:1 gegen Spanien.

Michael Ballack, Philipp Lahm und Lukas Podolski wurden immerhin von der Uefa in die EM-Allstar-Auswahl berufen.

Die Analyse der 23 Spieler

Aber waren sie tatsächlich besser als ihre DFB-Teamkollegen? Wer waren aus deutscher Sicht die Gewinner der EM? Wer die Verlierer? Und wer war nur als Mitläufer unterwegs?

Sport1.de fasst die Leistungen der 23 Spieler des EM-Kaders zusammen:

Gewinner:

Lukas Podolski: Trotz ungewohnter Position im Mittelfeld mit drei Toren treffsicherster deutscher Spieler. Bei den Bayern nur Ersatz, im Nationalteam eine feste Größe.

Bastian Schweinsteiger: Bankdrücker, böse Bube, gefeierter Held: Der Münchner erlebte in drei Wochen Höhen und Tiefen - und biss sich durch. Spielerischer Lichtblick.

weiter Beinahe-Gewinner:

Jens Lehmann: Zwar nicht in WM-Form und mit Wacklern zu Beginn und gegen die Türkei, aber gegen Portugal und vor allem im Finale trotz der Arsenal-Ersatzbank ein sicherer Rückhalt.

Philipp Lahm: Rechts wie links - gut, aber auch schlecht. Gegen die Türkei zunächst schwindelig gespielt, dann der Held und "Man of the Match". Im Endspiel ließ er sich überlaufen und verschuldete das entscheidende Gegentor.

Mitläufer:

Michael Ballack: Ein Hammer-Tor gegen Österreich, ein starkes Spiel gegen Portugal. Das Finale dann aber als Spiegelbild des Turniers: Bemüht, seine Mitspieler mitzureißen, aber letztlich ohne selbst dabei herauszustechen.

Arne Friedrich: Solider Ersatzmann, der für Marcell Jansen ins Team kam. Stark im Viertelfinale gegen Portugals Superstar Cristiano Ronaldo, im Halbfinale und vor allem im Finale aber phasenweise überfordert.

Torsten Frings: Vom Bremer hatte man sich wie von Ballack viel mehr erwartet. Nach mäßigen Auftritten rückte er erst durch seine Rippenverletzung in den Mittelpunkt. Biss auf die Zähne, blieb aber blass.

Clemens Fritz: Wirbelte gegen Polen auf der rechten Außenbahn, musste dann hinten aushelfen und letztlich seinen Platz für Schweinsteiger räumen. Es wäre mehr drin gewesen.

Thomas Hitzlsperger: Bekam seine Chance nach Löws Systemänderung und nutzte sie zunächst. Leider erwischte er im Finale nicht seinen besten Tag.

Marcell Jansen: Nach vorne hui, nach hinten zu oft pfui. Häufig zu überhastet. Wirbelte gegen Polen mit Podolski auf der linken Seite, doch verlor er gegen Kroatien den Blick für den Gegenspieler. Verletzte sich, kam gegen Portugal und die Türkei nur zu Kurzeinsätzen und erst im Finale für den verletzten Lahm wieder länger zum Zug.

Miroslav Klose: Kam nach der Umstellung auf nur noch eine Spitze besser ins Turnier als zu Beginn an der Seite des schwachen Mario Gomez. Traf gegen Portugal und die Türkei, doch im Finale fehlte ihm der rechte Zug zum Tor. Bemüht, aber ohne den letzten Kick.

Simon Rolfes: Profitierte zunächst von Frings' Verletzung und machte gegen Portugal ein sehr starkes Spiel. Jedoch war seine Leistung gegen die Türkei umso schwächer.

Rene Adler: Vor der EM der große Gewinner, während des Turniers empfahl er sich im Training für spätere Aufgaben. Dem Leverkusener gehört die Zukunft im deutschen Tor - vielleicht schon bei der WM 2010.

Robert Enke: Der 30-Jährige wartet weiter geduldig auf seine Chance. Wie Adler meldete auch der Hannoveraner keine Ansprüche auf die Lehmann-Nachfolge an. Es wird ein spannendes Duell der beiden Noch-Ersatzkeeper.

Verlierer:

Tim Borowski: In der Bundesliga lange verletzt, im Trainingslager erkältet. Und bei der EM mehr auf der Bank, als ihm lieb sein konnte. Auch als es im deutschen Spiel nicht lief, schenkte ihm Löw kein Vertrauen.

Mario Gomez: Vor der EM prophezeiten ihm viele den internationalen Durchbruch. Nach mäßigen bis schwachen Leistungen gegen Polen und Kroatien belächelt, nach seiner verpassten Großchance gegen Österreich ausgelacht. In dieser Form noch lange nicht reif für Barcelona. Die Bayern wollen ihn dennoch.

Kevin Kuranyi: Konnte nicht von Gomez' schwachen Auftritten profitieren. Fiel bei seinen Kurzeinsätzen nicht positiv auf, ganz schwach nach seiner Einwechslung im Finale.

Per Mertesacker: Der etwas bessere von zwei mäßigen Innenverteidigern, die von der "Bild" als "Schleich und Schnarch" veralbert wurden. Musste viele Fehler ausbügeln. Wirkte an der Seite von Christoph Metzelder längst nicht so souverän wie bei der WM oder bei Werder.

Christoph Metzelder: "Ich glaube, ich war Schleich", sagte Metzelder in einem Interview vor dem Finale. Gut, dass er darüber lachen kann. Seine Auftritte im DFB-Team gaben weniger Anlass zur Freude. Die lange Verletzungspause war ihm deutlich anzumerken.

Oliver Neuville: Füllte seine Rolle als Fremdenführer im Trainingslager in Ascona vorbildlich aus. Auf dem Rasen kam er nur zu einem Kurzeinsatz. Da hätte Löw auch Youngster Patrick Helmes mitnehmen können.

David Odonkor: Eine Halbzeit gegen Kroatien. Auch wenn er gegen diesen Gegner vielleicht nicht die optimale Einwechslung war, konnte er sich nicht für weitere Einsätze im DFB-Team empfehlen. Nur schnell sein reicht nicht.

Piotr Trochowski: Im Gegensatz zu Odonkor kam er überhaupt nicht zum Einsatz und blieb so EM-Tourist.

Heiko Westermann: Vor der EM wurde er Vater. Ansonsten war der Schalker nur Zuschauer. Wäre eine Alternative für die Innenverteidigung oder auf links gewesen, aber er bekam keine Chance.

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