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England ist ersatzgeschwächt - trotzdem werden sich die Deutschen strecken müssen © getty

Vor dem Klassiker gegen Deutschland ist England unter Coach Fabio Capello wiedererstarkt. Joachim Löw hat großen Respekt.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Fast genau ein Jahr liegt das größte Debakel des englischen Fußballs seit der verpassten WM 1994 zurück.

An jenem 21. November 2007 ließen die deutschen Nationalspieler nach ihrem letzten EM-Qualifikationsspiel gegen Wales (0:0) die Journalisten lange warten.

Denn alle DFB-Akteure wollten sich vorher unbedingt auf den Fernsehern in der Kabine der Frankfurter Arena die historische Pleite der Engländer anschauen.

2:3 unterlagen die "Three Lions" damals in Wembley gegen Kroatien, die Nationalelf lag nach dem Verpassen der EM-Endrunde 2008 in Scherben.

Höchstes Lob von Löw

So wundert es auf den ersten Blick schon ein wenig, wenn Joachim Löw den Gegner des Vize-Europameisters im letzten Länderspiel des Jahres in allerhöchsten Tönen lobt.

"England ist das Team der Stunde", sagte der Bundestrainer vor dem Klassiker am Mittwoch im ausverkauften Olympiastadion (ab 20.15 Uhr LIVE).

"Ich habe seit vielen Jahren kein so starkes England mehr gesehen."

Der Grund für diesen schnellen Wandel vom Trümmerteam zur Traummannschaft trägt einen italienischen Namen: Fabio Capello.

"Sie haben ihre Lehren gezogen"

"Sie haben ihre Lehren aus der verpassten EM-Qualifikation gezogen und mit Capello einen Trainer, der einen starken italienischen Einfluss ins Team gebracht hat", meinte auch Löw.

Unter dem Nachfolger des glück- und erfolglosen Steve McClaren hat England alle vier WM-Qualifikationsspiele gewonnen mit dem vorläufigen Höhepunkt bei der beeindruckenden 4:1-Revanche in Kroatien.

Auch beim DFB-Team haben diese Leistungen spürbar Eindruck hinterlassen. "England muss man nicht starken reden, sie sind stark", sagte Löw.

"Es wird eine sehr schwierige Aufgabe", erklärte auch Lokalmatador Arne Friedrich von Hertha BSC, ergänzte aber: "Wir sind Deutschland, wir wollen gewinnen."

Erster Auftritt in Berlin seit dem WM-Viertelfinale

Ähnlich lautet die Zielvorgabe von Oliver Bierhoff für den ersten Auftritt der DFB-Auswahl in der Hauptstadt seit dem WM-Viertelfinalsieg 2006 gegen Argentinien.

"Auch wenn es nur ein Freundschaftsspiel ist - die Partie gegen England ist für uns enorm wichtig, weil sie das Jahr beendet und wir auf einen großen Rivalen treffen", sagte der Teammanager.

"Wir wollen 2008 erfolgreich abschließen, damit wir mit einem positiven Gefühl in das neue Jahr starten können. Wir werden mit Sicherheit ein interessantes Spiel sehen."

Dabei will die deutsche Mannschaft auch eine schwarze Serie beenden, denn in sieben Länderspielen gegen England in Berlin gab es noch nie einen Sieg.

Das letzte Duell in der Metropole liegt allerdings schon 36 Jahre zurück, damals qualifizierte sich die DFB-Elf nach einem 3:1 in Wembley mit einem 0:0 für die EM-Endrunde 1972.

DFB-Team Favorit

Der Gastgeber geht nicht nur wegen des Heimvorteils und der Erfolge der vergangenen Jahre als Favorit ins 31. Aufeinandertreffen. Sondern vor allem deshalb, weil bei den Engländern gleich sieben Stammspieler ausfallen.

Auch auf Arsenals Super-Talent Theo Walcott, der sich am Dienstagabend beim Abschlusstraining die Schulter auskugelte, muss Capello verzichten.

"Wir haben große Verletzungsprobleme, daher müssen wir experimentieren", sagte Capello, der gleich fünf U-21-Spieler nominierte, und sein Team als klaren Außenseiter sieht.

Doch Löw ließ das nicht gelten: "Die Engländer haben 20, 25 Spieler, die alle topmotiviert und sofort einsatzbereit sind, daher sehe ich keinen Vorteil für uns. Sie sind ein intaktes, sehr diszipliniertes und dynamisches Team."

Zudem verwies der 48-Jährige darauf, dass auch er auf mehrere Spieler verzichten und ebenfalls experimentieren muss. Allen voran Michael Ballack, Torsten Frings und Philipp Lahm.

Mehrere Änderungen

Auch die angeschlagenen Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski könnten geschont werden, stattdessen werden Debütant Marcel Schäfer, Jermaine Jones, Patrick Helmes und eventuell auch Marko Marin ihre Chance in der Anfangself bekommen.

Die Vorfreude auf den Klassiker ist in jedem Fall bei allen Spielern groß.

"Mit der Bedeutung wächst man seit frühester Kindheit auf", sagte Simon Rolfes. "Es gibt wenige Spiele, die so eine Brisanz haben."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Adler - Friedrich, Mertesacker, Westermann, Schäfer - Schweinsteiger (Marin), Rolfes, Jones, Trochowski - Klose, Helmes

England: James - Johnson, Upson, Terry, Bridge - Wright-Phillips, Carrick, Barry, Downing - Agbonlahor, Bent

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