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Fabio Capello trainiert die englischen Nationalmannschaft seit Dezember 2007 © getty

England ohne Stars - die britischen Medien sind schockiert. Doch Fabio Capello bleibt vor dem Deutschland-Spiel tiefenentspannt.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Rund 7000 englische Fans und eine Hundertschaft Journalisten haben sich auf den weiten Weg nach Berlin gemacht.

Nur Englands Stars schauen sich lieber am heimischen Fernseher das Prestigeduell gegen Deutschland am Mittwoch an.

Entsprechend groß ist die Empörung über den Mangel an nationalem Bewusstsein - zumindest bei den britischen Medien. Dies bekam Fabio Capello am Dienstagabend bei seiner abschließenden Pressekonferenz in den Katakomben des Olympiastadions zu spüren.

Einzig und allein um die Ernsthaftigkeit der Verletzungen drehten sich die Fragen der teilweise recht aufgebrachten Journalisten von der Insel vor dem "Klassiker"(ab 20.15 Uhr LIVE ).

Aufgeheizte Atmosphäre

Doch Capello machte auch in dieser aufgeheizten Atmosphäre "Bella Figura" zum vermeintlich bösen Spiel.

Mit coolem Lächeln und charmantem Italo-englisch reagierte der Teammanager gelassen auf die versteckten Vorwürfe, dass einige Spieler bei einem bedeutenderen Spiel wohl doch noch fit geworden wären und die Vereine wieder mal ihr Eigeninteresse vor das des Nationalteams stellen würden.

"Die Spieler sind verletzt. Das ist das Problem", lautete Capellos Mantra trotz dutzendfacher Nachfrage.

Ohne acht Stammspieler

Insgesamt acht Stammspieler haben abgesagt, darunter Wayne Rooney, Steven Gerrard und Frank Lampard. "Ich akzeptiere das und vertraue den Klubs und meinen Spielern", meinte Capello.

Trotzdem ließ er Gerrard (Porträt) und Lampard persönlich im Trainingscamp in Hertfordshire vorstellig werden, bevor er sie nach eingehender Untersuchung durch den Mannschaftsarzt wieder nach Hause schickte.

Dies hatte bei den Klubs der beiden, Liverpool und Chelsea, für deutliche Verstimmung gesorgt. Doch Capello war die kleine Machtprobe offenbar wichtig, um schon nach wenigen Monaten im Amt seine Autorität unter Beweis zu stellen.

Lob von der britischen Presse

"Capello hat zwei Spieler für Berlin verloren, aber - entscheidend - nicht sein Gesicht", schrieb die "Times" und gab damit die einhellige Meinung der britischen Presse wieder.

"Jeder Spieler, der am Wochenende spielt und dann verletzt ist, muss sich von unserem Arzt checken lassen", gab der 62-Jährige zudem bekannt, "das ist in Italien immer so und diese Regel gilt auch ab sofort bei uns."

Lampards Verletzung "haben sogar wir erst entdeckt", meinte Capello. Und so seien ihm nun einmal die Hände gebunden. Erst recht bei den anderen Akteuren, die schon am Wochenende in der Premier League pausieren mussten.

Walcott fällt auch noch aus

Der englische Trainer musste einen weiteren Ausfall verkraften. Jungstar Theo Walcott vom FC Arsenal kugelte sich während des Abschlusstrainings im Olympiastadion die rechte Schulter aus und ist damit definitiv nicht einsatzbereit.

Die Schulter wurde im Krankenhaus eingerenkt, Walcott muss mit etwa einem Monat Trainingspause rechnen.

Verzicht auf Beckham und Owen

Dennoch verzichtete der Italiener wegen mangelnder Spielpraxis auf die Routiniers David Beckham und Michael Owen und gibt stattdessen der Jugend eine Chance.

Fünf U-21-Spieler stehen im Aufgebot, darunter als einer von vier Neulingen der Zweitliga-Verteidiger Michael Mancienne von den Wolverhampton Wanderers (Alles zur Premier League) .

Trotzdem zeigte sich der Coach optimistisch. "Ich sehe das als Chance", sagte er, "die Spieler können ein wichtiges Spiel gegen eine große Mannschaft spielen. Und ich kann ihr Können testen."

"Ich vertraue meinen Spielern"

Die DFB-Auswahl sei zwar "sehr stark" und gehöre "wie immer zu den Besten in Europa", meinte Capello. Aber: "Ich vertraue meinen Spielern und bin zuversichtlich, dass wir ein gutes Spiel machen werden."

Eine empfindliche Pleite - und als solche wird im Fußball-Mutterland beinahe jede Niederlage gegen den Erzrivalen Deutschland empfunden - will er allerdings vermeiden, um keinen herben Rückschlag bei seinen Bemühungen zu erleiden.

Image der "Three Lions" wieder aufpoliert

Denn Capello hat das ramponierte Image der "Three Lions" wieder aufpoliert. Ein Jahr nach der verpassten EM-Endrunde wird das Team nach vier Siegen in den bisherigen vier WM-Qualifikationsspielen schon wieder als Titelkandidat für Südafrika gehandelt.

Daher tat der so relaxte "Fabulous Fabio" den Journalisten am Ende doch noch einen Gefallen und lieferte zumindest ein markiges Statement:

"Für mich ist das wie für euch auch kein Freundschaftsspiel", sagte er, "Freundschaftsspiele gibt es nur im Training."

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