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Per Mertesacker absolvierte bislang 51 Länderspiele für den DFB © imago

Bei Sport1.de spricht Per Mertesacker über den Wert des Mannschaftsgeists, das Kanzleramt und öffenliche Kritik am Bundestrainer.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Per Mertesacker ist erst 24 Jahre alt und hat im Fußball schon so ziemlich alles erlebt, was man erleben kann.

Der Verteidiger kommt auf die stolze Anzahl von 138 Bundesliga- sowie 51 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Er ist Vize-Europameister und WM-Dritter, als Routine empfindet er die Ereignisse um sich herum trotzdem nicht.

Die jüngsten Diskussionen um Torsten Frings und Michael Ballack will der Bremer vor dem Länderspiel gegen England (ab 20.15 Uhr LIVE ) nicht überbewerten. "Ich persönlich sehe durch diesen Vorfall keinen Imageschaden", sagt er im Sport1.de-Interview. Aber: "Alles, was das Team betrifft, sollte heilig sein und bleiben im Fußball."

Außerdem erklärt er, was Angela Merkel zu sagen hatte.

Sport1: Herr Mertesacker, wie war der Besuch im Kanzleramt?

Per Mertesacker: Sehr interessant. Bei der WM war ich damals nicht dabei, aber diesmal habe ich die Einladung gern wahrgenommen. Es war sehr interessant, die Bundeskanzlerin mal aus der persönlichen Perspektive kennenzulernen. Sie hat geschildert, wie sie die Öffentlichkeit wahrnimmt und damit umgeht. Da gibt es vielleicht ein paar Parallelen zu uns.

Sport1: Also wurde nicht nur über Fußball geredet?

Mertesacker: Nein, eben nicht. Und man konnte auch ein paar Fragen stellen, etwa zum Wahlkampf in den USA oder zur Finanzkrise. Woher wir trotz unserer Schulden das Geld für die Bürgschaften für Opel und die Banken nehmen. Da konnte ich insgesamt einiges mitnehmen.

Sport1: Und danach hat Joachim Löw Klartext geredet. Wie war die Ansprache vor der Mannschaft?

Mertesacker: Für mich gab es das nichts Neues, sondern er hat das angesprochen, was ich schon vorher wusste und eigentlich schon seit Jahrzehnten in der Nationalmannschaft gültig ist. Das wollte der Bundestrainer noch mal deutlich machen.

Sport1: Was konkret?

Mertesacker: Es ging darum, dass Personalentscheidungen des Trainers von uns nicht in den Medien kommentiert werden. Und dass es solche öffentlichen Angriffe in Zukunft nicht mehr geben wird. Damit ist das Thema für mich auch abgehakt.

Sport1: DFB-Präsident Theo Zwanziger hat von einem Imageschaden für die Nationalmannschaft durch die Debatte gesprochen. Wie sehen Sie es?

Mertesacker: Ich persönlich sehe durch diesen Vorfall keinen Schaden, zumindest intern nicht. Aber man hat gesehen, welche großen Wellen so etwas schlägt. Und die muss man in Zukunft unbedingt vermeiden. Alles, was das Team betrifft, sollte heilig sein und bleiben im Fußball.

Sport1: Sie halten den Teamspirit für die Basis des Erfolgs?

Mertesacker: Ja, der Teamgedanke trägt die Nationalmannschaft seit Jahrzehnten. Ich glaube, die Deutschen waren im Fußball nie die Zauberer, sondern wenn es darauf ankam, war der Teamgeist das Entscheidende. Das zeichnet eine Mannschaft bei großen Turnieren besonders aus, das haben wir bei der WM 2006 und der EM 2008 bewiesen.

Sport1: Aber kann man öffentliche Konflikte ausschließen?

Mertesacker: Seitdem ich seit 2004 bei der Nationalelf bin, hat es solche Vorfälle wie zuletzt vorher nie gegeben. Und man sieht ja, welche Erfolge durch diese Geschlossenheit zustande gekommen sind. Deshalb muss man diese Diskussionen in Zukunft ausschließen, um den Erfolg nicht zu gefährden.

Sport1: Ich könnte mir aber vorstellen, dass auch Sie öffentlich Ihren Unmut äußern, wenn Sie nicht mehr spielen werden. Ein schmaler Grat?

Mertesacker: Klar, so etwas ist eine sehr schwierige Situation. Ein Abschied aus der Nationalmannschaft im vorgerückten Alter wegen nachlassender Leistungen wird sicher nicht in allen Fällen reibungslos vonstatten gehen. Aber wie gesagt: Trotz allem Konkurrenzkampf sollte man das nicht öffentlich diskutieren.

Sport1: Beziehen Sie diese Aussage auf Michael Ballack und Torsten Frings?

Mertesacker: Nein, das hat jetzt nichts mit den beiden zu tun. Ich denke, dass beide nach wie vor ihre Leistung bringen und zum Erfolg der Nationalmannschaft beitragen.

Sport1: Und bei Ihnen?

Mertesacker: Ich schließe auch für mich nicht aus, dass ich mal anderer Meinung als der Bundestrainer sein werde. Ich weiß ja jetzt nicht, wie meine Situation in sieben, acht Jahren aussehen wird. Somit hat die aktuelle Situation für mich persönlich auch etwas Gutes, weil ich mich mit der Problematik auseinandersetzen musste. Man lernt sehr, sehr viel bei der Nationalmannschaft.

Hier geht es weiter zum zweiten Teil

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