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Per Mertesacker hat bereits 138 Bundesligaspiele auf dem Buckel © imago

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews spricht Per Mertesacker über Kritik aus den Medien und Testspiegegner England.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Sport1: Wie groß war dieser Lerneffekt in diesem Jahr mit der EM als zweitem großen Highlight nach der WM 2006?

Mertesacker: Im Rückblick bin ich immer sehr selbstkritisch. Klar, wir sind Zweiter geworden und das macht mich auch sehr, sehr stolz. Trotzdem gibt es sicherlich auch kritische Dinge anzumerken.

Sport1: Welche?

Mertesacker: Die EM-Qualifikation war gut mit dem Höhepunkt beim 2:1 im März 2007 in Tschechien. Das Turnier selbst war dann durchwachsen. Die Mannschaft hat sicher Glanzpunkte gesetzt und auch mehrfach viel Kraft aus Situationen geschöpft, in denen wir Rückschläge weggesteckt haben und zurückgekommen sind. Aber es gab Dinge, an denen wir noch hart arbeiten müssen. Der Blick geht nach vorne, aber mit dem Wissen, dass es immer noch besser geht.

Sport1: Und bei Ihnen persönlich?

Mertesacker: Sehe ich das ganz ähnlich. Als EM-Zweiter und Vize-Meister mit Werder war es ein erfolgreiches Jahr für mich. Aber ich sehe bei meiner Leistung durchaus noch Wachstumspotenzial.

Sport1: Das hört sich viel selbstkritischer an als noch während oder kurz nach der EM, als Sie die Attacken gegen Sie und die Nationalelf als überzogen angeprangert haben.

Mertesacker: In Deutschland gab es viele kritische Töne, da braucht man manchmal auch eine etwas dickere Haut. Aber ich kann und will auch nicht alles, was in den Medien berichtet wird, an mich ranlassen.

Sport1: Woher kommt dann die Selbstkritik?

Mertesacker: In erster Linie schaue ich auf mich und die Beurteilung von Trainern, Betreuern und Freunden. Diese Bereitschaft, mich selber kritisch zu hinterfragen, bringt mich am meisten weiter. Und mit etwas Abstand zu einer EM kann man das wesentlich besser beurteilen. Besonders, weil ich durch meine Verletzungspause danach genug Zeit hatte.

Sport1: Nach meinem Eindruck waren Sie nicht so stark wie bei der WM 2006. Aber das ist wohl auch völlig normal angesichts Ihres rasanten Aufstiegs mit gerade mal 24 Jahren. Würden Sie diese Sichtweise akzeptieren?

Mertesacker: Es ging jedenfalls so schnell aufwärts, dass ich das selber kaum nachvollziehen konnte. Vom ersten Bundesligaspiel bis zum ersten Länderspiel ist ein knappes Jahr vergangen, eineinhalb Jahre später habe ich die WM im eigenen Land gespielt. Da folgte ein Highlight auf das nächste, das hat einen sicherlich auch getragen.

Sport1: Und wenn es dann nicht läuft, sagen alle: Das konnte ja nicht ewig so weitergehen?

Mertesacker: Irgendwann kommen eben zwangsläufig auch Situationen, wo ein Gegner mal besser ist und einen schlecht aussehen lässt. Aber diese Momente muss man nutzen. Der Aufstieg war sehr, sehr schön. Aber dann dranzubleiben, wenn es mal nicht so gut läuft, ist das, was einen wirklich weiterbringt.

Sport1: Wird Sie das letzte Länderspiel des Jahres gegen England auch weiterbringen? Immerhin fehlen zahlreiche Stammspieler auf beiden Seiten.

Mertesacker: Es wird ein total interessantes Duell. Das Spiel im letzten Jahr in Wembley war für uns als junge Truppe eine Riesensache. Damals hatten wir auch viele Ausfälle, trotzdem konnte sich unsere Leistung sehen lassen. Und diesmal sind die Engländer in einer ähnlichen Situation und wollen sich sicher revanchieren. Da müssen wir schauen, dass wir an unsere Leistungen aus der WM-Qualifikation anknüpfen und noch einen Schritt weitergehen.

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