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Fan der Equipe Tricolore und seit 2007 französischer Präsident: Nicolas Sarkozy © getty

"Bei Pfiffen gegen unsere Hymne wird ein Spiel abgebrochen", ließ Nicolas Sarkozy verkünden. Heute kommt es zum Härtetest.

Von Tobias Schröter

München - Sie gehört zu französischen Länderspielen wie der Eiffelturm nach Paris - die Nationalhymne "La Marseillaise".

Wenn die stimmungsvollen ersten Takte des Frankreich-Liedes vor einer Partie der "Equipe Tricolore" ertönen, schauen die Spieler bedächtig und die Offiziellen erheben sich von den Plätzen.

Immer öfter jedoch ging die Hymne zuletzt unter lauten Pfiffen und Buhrufen unter - und das nicht etwa auswärts, sondern bei Heimspielen der Nationalmannschaft.

Dieser Affront schlug in der gekränkten französischen Öffentlichkeit hohe Wellen und führte zu einer drastischen Maßnahme.

"Das nächste Spiel, bei dem unsere Nationalhymne ausgepfiffen wird, wird sofort abgebrochen", ließ Präsident Nicolas Sarkozy wütend verkünden. Beim Freundschaftsspiel gegen Uruguay (ab 20.15 Uhr LIVE) kommt es nun zum ersten Härtetest - sorgen pfeifende Pfeifen für den Abbruch des Frankreich-Spiels?

Provokateure befürchtet

Nun ist das Duell mit dem 23. der FIFA-Weltrangliste nicht gerade hochbrisant. Der Skandal eines erneuten Pfeifkonzerts wird dennoch befürchtet.

Denn nun könnten neugierige Provokateure antesten wollen, wie ernst es dem Präsidenten mit seiner Anti-Pfeif-Verordnung ist und deshalb wieder die Marseillaise übertönen. Wie ein Kind, dem verboten wurde, an den Süßigkeitenschrank zu gehen.

Aus diesem Grund wurde eine Abstufung des Plans entwickelt. Halten sich die Pfiffe noch im Rahmen, wird einfach die Musikanlage im Stadion aufgedreht. Erst bei einer Wiederholung des Pfeif-Höhepunkts aus der Tunesien-Partie soll abgebrochen werden.

Wie dann die friedliche Evakuierung von bis zu 80.000 zahlenden Fans vonstatten gehen soll, ist nicht bekannt.

Video-Überwachung

Urheber der Pfeif-Exzesse sind meist Migranten aus Nordafrika, die bewusst im Stadion gegen die ehemaligen Kolonialherren protestieren - vor allem bei direkten Duellen wie zwischen Tunesien und Frankreich.

Aber auch beim 2:1 im Heimspiel gegen Serbien und in vorangehenden Freundschaftspartien wurden Ribery und Co. mit Pfiffen bedacht.

Den Offiziellen ist es jedenfalls ernst mit ihrem Hymnenschutz: So sollen die Ordnungsbehörden "Fälle von Aufbegehren gegen die Nationalhymne" mit Videokameras festhalten. Den Ertappten droht dann eine handfeste Klage - dies gilt in Frankreich nämlich als Strafvergehen.

"Das ist intolerabel"

Die Spieler nehmen die Unmutsäußerungen noch relativ gelassen hin, auch wenn Thierry Henry beklagt: "Es ist nicht gerade einfach, zu Hause zu spielen und ausgepfiffen zu werden."

Deutlichere Worte findet da schon Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes: "Wir haben genug, das ist intolerabel. Wenn Fußball zu solchem Verhalten führt, erfüllt er seine Rolle nicht mehr. Die besteht nämlich eigentlich darin, die Leute zusammenzubringen."

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