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Verteidiger Matthew Upson jubelt über das Führungstor der Engländer © getty

Die deutsche Nationalelf ist zu passiv gegen England und verliert den Klassiker. Nur ein Neuling sorgt für einen Lichtblick.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Enttäuschender Jahresabschluss für die deutsche Nationalmannschaft: Nach einer schwachen Vorstellung unterlag der Vize-Europameister gegen Englands "B-Elf" mit 1:2.

Trotz des Ausfalls von neun Stammspielern war der 15. englische Sieg im 31. Vergleich nicht unverdient.

Denn die Mannschaft von Joachim Löw blieb im Spiel nach vorne fast völlig ideen- und gefahrlos und zeigte defensiv zahlreiche Unsicherheiten.

Siegtor durch Terry

Das Siegtor vor 74.244 größtenteils verärgerten Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion erzielte Englands Kapitän John Terry nach 84 Minuten.

Ohnehin hatte erst ein Missverständnis zwischen Terry und dem eingewechselten Ersatzkeeper Scott Carson den Ausgleich durch Patrick Helmes ermöglicht (63.).

Zuvor hatte Matthew Upson die "Three Lions" nach 24 Minuten in Führung geschossen, wobei der deutsche Torhüter Rene Adler ebenfalls nicht gut aussah.

Compper mit gutem Debüt

Einziger Lichtblick beim WM-Dritten war Neuling Marvin Compper, der bis zu seiner Auswechslung gegen den ebenfalls debütierenden Marcel Schäfer eine gute Vorstellung bot.

Darüber hinaus feierte Torwart Tim Wiese nach der Pause sein erstes Länderspiel in einer ohne Michael Ballack und Philipp Lahm desorganisiert und müde wirkenden DFB-Elf.

Dagegen präsentierte sich das Team von Fabio Capello keineswegs wie eine B-Elf.

Jermaine Defoe besaß schon nach zwei Minuten die Riesenchance zur Führung, scheiterte aber freistehend an Rene Adler.

Schweinsteiger überfordert

Bei der deutschen Mannschaft lief hingegen nur wenig zusammen, Bastian Schweinsteiger fand als Spielmacher nie in die Partie.

So ergab sich die erste gute Möglichkeit aus einer Einzelaktion von Piotr Trochowski auf links, dessen scharfe Hereingabe dem unsicheren englischen Keeper David James viel Mühe bereitete (8.).

Danach stellte sich die DFB-Defensive dank des aufmerksamen Per Mertesacker besser auf die "Three Lions" ein, nach vorne gelang gegen die massierte Gästedeckung aber wenig.

Adler greift daneben

Nach 24 Minuten dann die kalte Dusche: Adler flog an einer Ecke vorbei und fädelte unglücklich bei Defoe ein, so dass Upson aus kurzer Distanz einschießen konnte.

Zwei Minuten später besaß erneut Trochowski die Chance zum 1:1, doch James klärte seinen Freistoß vom halblinken Strafraumeck übers Tor.

Auch danach war den Deutschen das Bemühen nicht abzusprechen, doch gegen die aufmerksame englische Abwehr blieb vieles im Spiel nach vorne Stückwerk.

Fast zwangsläufig, dass die nächste Gelegenheit aus einem Standard entsprang. Doch Heiko Westermanns Kopfball nach schönem Schweinsteiger-Freistoß ging knapp übers Tor.

Gellendes Pfeifkonzertzur Pause

Mit einem gellenden Pfeifkonzert schickten die enttäuschten Zuschauer die deutsche Elf in die Halbzeitpause, aus der das Team mit drei neuen Spielern kam.

Neben Wiese kam Marko Marin für den ganz schwachen Jermaine Jones und Patrick Helmes ersetzte den indisponierten Klose.

Dennoch blieb die Vorstellung der DFB-Elf weiter zu statisch und ohne zündende Ideen. Bezeichnend, dass bis dahin größte Jubel bei der Einwechslung von Lukas Podolski (60. Länderspiel) für den ebenfalls harmlosen Gomez aufbrandete (57.).

Gefährlicher blieben die Gäste. So hatte Defoe Wiese bereits umspielt, kam aber ins Straucheln und zielte am leeren Tor vorbei (61.).

Ausgleich aus heiterem Himmel

Zwei Minuten darauf fiel dann wie aus heiterem Himmel der kuriose Ausgleich. Terry sperrte einen langen Ball für den eingewechselten Carson, doch der kam zu spät aus seinem Tor.

Helmes ging dazwischen, spitzelte den Ball Carson durch die Beine und schob ins leere Tor ein. Der erste Treffer für den Leverkusener in seinem neunten Länderspiel.

Wer nun allerdings die Wende erwartet hatte, sah sich getäuscht. Vielmehr dominierte die Capello-Elf plötzlich wieder die Partie und sorgte für mächtig Betrieb vor Wiese.

Mit Pfiffen in die Kabine

Zunächst hatte Shaun Wright-Phillips Pech mit einem Pfostenkracher (79.), doch nur fünf Minuten später war Terry per Kopf zur Stelle.

Nach diesem K.o.-Schlag kam die deutsche Elf in den verbleibenden Minuten nicht mehr ins Spiel und musste verdient ihre dritte Pleite in diesem Jahr hinnehmen.

Von den Zuschauern wurde das Team mit Pfiffen in die Kabine verabschiedet.

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