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Der Berliner Arne Friedrich (v.) spielt seit 2002 in der deutschen Nationalmannschaft © imago

Im Interview mit Sport1.de spricht Arne Friedrich über den Auftritt gegen England. Nach Ballack und Frings ruft er nicht.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Es war ein trauriger Jahresausklang.

Mit gellenden Pfiffen verabschiedeten die enttäuschten deutschen Fans die Nationalmannschaft nach der bitteren 1:2-Pleite gegen England in Berlin.

Doch auch bei den Spielern war der Frust über die schwache Vorstellung groß.

Vor allem Hertha-Kapitän Arne Friedrich hatte sich für sein "Heimspiel" im ausverkauften Olympiastadion viel mehr vorgenommen.

Aber so wie der 29-Jährige es nicht schaffte, für Sicherheit in der Abwehr zu sorgen, so blieben auch die anderen Mannschaftsteile weit hinter den Erwartungen zurück.

Immerhin nahm Friedrich im Gespräch mit Sport1.de nach seinem 64.Länderspiel kein Blatt vor den Mund und gestand den missratenen Auftritt ein.

Sport1.de: Wie beurteilen Sie die Leistung?

Arne Friedrich: Wir haben über 90 Minuten nicht das gezeigt, was wir uns vorgenommen hatten. Wir haben viel zu viele lange Bälle gespielt, was wir eigentlich gar nicht wollten. Und nach dem Ausgleich haben wir durch eine Standardsituation kurz vor Schluss zumindest das Unentschieden verschenkt. Insgesamt haben wir wirklich sehr schlecht gespielt.

Sport1.de: Haben Sie eine Erklärung dafür?

Friedrich: Wir sind alle enttäuscht, dass es so gelaufen ist. Wir wollten den Zuschauern einen schönen Abschluss eines insgesamt erfolgreichen Jahres bieten. Das ist uns leider nicht gelungen.

Sport1.de: Wie groß ist die Enttäuschung?

Friedrich: Natürlich sehr groß. Wir wollten die Negativserie brechen, weil wir seit über 20 Jahren nicht zu Hause gegen England gewonnen haben. In erster Linie tut es mir Leid für die Fans, die etwas ganz anderes erwartet haben. Wir haben nicht zu unserer Linie gefunden. Das war überhaupt nicht unser Tag.

Sport1.de: Trübt das die Bilanz des Jahres?

Friedrich: Ich denke nicht. Ich glaube, dass wir schon ein sehr gutes Jahr hatten. Wir waren im EM-Finale und hätten das auch gewinnen können. Die WM-Qualifikation danach haben wir sehr konzentriert gespielt und sind mit Abstand Erster. Das sind die wichtigen Dinge, auch wenn wir gerne gegen England gewonnen hätten. Aber es läuft nicht immer alles so wie man es gerne hätte.

Sport1.de: Wir sehen Sie die Perspektiven der Nationalmannschaft für 2009?

Friedrich: Wir werden auf jeden Fall wieder ein anderes Gesicht zeigen. Man darf dieses Spiel auch nicht als Maßstab nehmen. Das soll keine Ausrede sein, aber wir haben einfach nicht unser Können abgerufen. Wir können besser spielen, das weiß jeder, und das werden wir im nächsten Jahr auch wieder zeigen.

Sport1.de: Waren die Spieler, die gegen England nicht dabei waren, die Gewinner?

Friedrich: Weiß ich nicht. Ich glaube, dass wir alle ein Team sind. Wenn wir verlieren, sind die fehlenden Spieler deshalb nicht unbedingt die Gewinner. Natürlich kann man das von außen so sehen, dass wir ohne diese Spieler nicht gewinnen können. Doch wir haben auch nach Ausfällen schon sehr gute Leistungen gezeigt. Diesmal war es ein schlechter Tag, aber das Leben geht weiter.

Sport1.de: Aber Michael Ballack und Torsten Frings heben schon das Niveau der Mannschaft, oder?

Friedrich: Ohne Frage. Aber das wollen wir nicht als Ausrede dafür nehmen, dass wir das Spiel verloren haben. Ich wollte nur sagen, dass wir auch ohne die beiden schon Spiele gewonnen haben. Wir haben einfach alle unter Form gespielt und dann kann man gegen England nicht bestehen.

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