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Diskussion nach dem Abpfiff - die DFB-Crew konnte nicht zufrieden sein © getty

Michael Ballack und Torsten Frings fehlen. Die Pleite gegen England bedeutet zugleich eine späte Niederlage für Joachim Löw.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Die Gewinner des Abends saßen vor dem heimischen Fernseher und dürften zumindest mit einem beruhigenden Gefühl ins Bett gegangen sein.

Die bittere 1:2-Pleite der deutschen Nationalmannschaft zum Jahresabschluss gegen England bedeutete zugleich eine späte Niederlage für Joachim Löw im eigentlich schon für sich entschiedenen Machtkampf mit Michael Ballack und Torsten Frings.

Denn die Nachrücker, allen voran im Mittelfeld, blieben am Mittwoch den Nachweis schuldig, die beiden angezählten Leitwölfe problemlos ersetzen zu können.

Das gab auch Löw nach der dritten Niederlage des Länderspieljahres unumwunden zu. "Dass beide wichtigen Spieler für uns sind, das steht ja außer Frage", sagte der Bundestrainer.

"Michael Ballack ist der Kapitän. Auch Torsten Frings, wenn er topfit ist und seine Form erreicht, ist ein wichtiger Spieler Richtung WM 2010."

Frustrierender Abend im nasskalten Berlin

Ein frustrierender Fußball-Abend im nasskalten Berlin hat die angeblich neuen Machtstrukturen in der DFB-Auswahl wieder mächtig ins Wanken gebracht.

Englands stark ersatzgeschwächte "B-Elf" spielte über weite Strecken taktisch wie aus einem Guss, während bei den auch ohne Philipp Lahm angetretenen Gastgebern vieles Stückwerk blieb.

"Die Engländer waren einfach die bessere Mannschaft. Wir hatten einen schlechten Tag und haben zu Recht verloren", gestand Löw ein.

Wackelige Abwehr

Die Abwehr - inklusive des unerwartet unsicheren Torhüters Rene Adler - wackelte sowohl bei schnellen Gegenstößen als auch bei Standards, aus denen beide Gästetreffer durch Matthew Upson (24.) und John Terry (84.) fielen, mehrfach bedenklich.

Im Mittelfeld glich Jermaine Jones einem Totalausfall, vor allem aber konnten die zuletzt hoch gelobten Bastian Schweinsteiger und Simon Rolfes dem Spiel überhaupt keine Struktur geben.

"In der Zentrale waren wir nicht so präsent. Es war eine neue Zusammensetzung. Dort beginnt normalerweise die Organisation", übte Löw deutliche Kritik.

Und der als Spielmacher überforderte Schweinsteiger gab zu: "Wir haben nicht unseren besten Tag erwischt. Wir waren einfach nicht gut genug."

Helmes' Glückstor und sonst nichts

Hinzu kam, dass der Sturm mit WM-Torschützenkönig Miroslav Klose, Mario Gomez und später Lukas Podolski praktisch überhaupt keine Gefahr ausstrahlte.

Etwas besser präsentierte sich der eingewechselte Patrick Helmes (das Spielerporträt), dem auch der Ausgleich gelang (63.).

Allerdings war es bezeichnend für die harmlosen deutschen Offensivbemühungen, dass der Leverkusener dabei von einem krassen Missverständnis zwischen Terry und Torwart Scott Carson profitierte.

"Ich bin nicht zufrieden", sagte dann auch Helmes trotz seines ersten Länderspieltreffers. "Das 1:2 ist für den Jahresabschluss nicht so gut."

Schlechter letzter Eindruck bleibt hängen

Genauso dürfte es auch Löw sehen, denn der letzte Eindruck bleibt bekanntlich hängen und kann frühestens in dreieinhalb Monaten im Februar gegen Norwegen korrigiert werden.

Dem DFB-Coach war der Frust über den verpatzten Ausklang des EM-Jahres anzumerken, auch wenn er die Bedeutung herunterspielte.

"Diese Niederlage ist schon enttäuschend. Aber für die Qualifikation hat es keine Bedeutung. Das Jahr war insgesamt positiv, spannend, interessant. Wir sind Vize-Europameister geworden. In der WM-Qualifikation sind wir Tabellenführer", meinte Löw (Spielplan und Tabelle).

Lehrmeister Capello

Eine Lehre dürfte die Partie aber auch für Löw gewesen sein, denn in Trainer-Fuchs Fabio Capello auf der englischen Bank fand er seinen Meister.

Der Italiener hatte seine Mannschaft trotz der vielen Ausfälle hervorragend auf den Gegner eingestellt. "England hat taktisch gut gespielt. Da sieht man die italienische Schule", staunte Schweinsteiger.

Die deutsche Elf dagegen agierte trotz des Klassikers im ausverkauften Olympiastadion merkwürdig blutarm und uninspiriert. "Wir hatten heute keine Reife, diesen Gegner zu schlagen", lautete Löws beinahe vernichtendes Urteil.

Erschreckend dabei war die Tatsache, dass außer Ballack, Frings und Lahm nach Ansicht aller Experten die aktuell beste Mannschaft auf dem Platz stand. Und Löw gelang es nicht, durch Korrekturen eine Wende zum Besseren herbeizuführen.

Ballack und Frings vor allem als Anführer vermisst

So blieb die Erkenntnis, dass Ballack und Frings neben ihren sportlichen Qualitäten offenbar vor allem als Anführer gebraucht werden, um dem jungen Team Halt und Orientierung zu geben.

Entsprechend froh wird Löw sein, dass er die beiden Chefkritiker begnadet hat. Denn sonst wären die Diskussionen nach dieser Vorstellung vermutlich noch mal richtig losgegangen.

So aber blieb vor allem die Erkenntnis, dass es noch ein langer Weg bis zur WM 2010 ist.

"Wir können besser spielen, das weiß jeder, und das werden wir im nächsten Jahr auch wieder zeigen", sagte Arne Friedrich Sport1.de(das ausführliche Interview).

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