vergrößernverkleinern
Theo Zwanziger (r.) ist seit 2006 alleiniger DFB-Präsident © getty

DFB-Präsident Theo Zwanziger zieht im Interview mit Sport1.de sein Jahresfazit und seine Lehren aus dem Ballack-Löw-Konflikt.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Es war ein ereignisreiches Jahr für Theo Zwanziger.

Zahlreiche Highlights prägten das Jahr aus Sicht des DFB-Präsidenten.

Etwa der Finaleinzug bei der EM in Österreich und der Schweiz, der dritte Platz der Frauen-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen und der EM-Titel der U 19.

Getrübt wurde die gute Bilanz weniger durch das abschließende 1:2 der Mannschaft von Joachim Löw gegen England als durch den öffentlichen Streit zwischen dem Bundestrainer und seinem Kapitän Michael Ballack.

Sport1.de traf Zwanziger in Berlin, wo der DFB-Boss im Interview sein Fazit 2008 zog.

Sport1.de: Die deutsche Mannschaft hat ihr letztes Länderspiel des Jahres verloren. Fällt Ihre Bilanz trotzdem positiv aus?

Theo Zwanziger: Selbstverständlich. Es wäre ja vermessen, nicht mit einem zweiten Platz bei der Europameisterschaft zufrieden zu sein. Zumal, wenn man zuvor zweimal in der Vorrunde ausgeschieden ist. Wir müssen auch Respekt vor der Leistung der anderen Nationen haben. Wenn ich die Leistungen insgesamt betrachte, bin ich sehr zufrieden.

Sport1.de: Trotzdem haben Sie von einem Imageschaden für die DFB-Elf durch den Streit zwischen Joachim Löw und Michael Ballack gesprochen (Chronologie des Konflikts).

Zwanziger: Wenn die Dinge außerhalb und neben dem Platz eine größere Bedeutung erreichen als das Spiel auf dem Platz, ist das natürlich nie wünschenswert. Aber das kann im Fußball vermutlich auch nie ganz ausbleiben. Wir leben in einer Mediengesellschaft. Da ist es nicht immer klug, öffentlich etwas zu sagen, was man vorher besser mit den Verantwortlichen intern besprochen hätte.

Sport1.de: Gehen Sie davon aus, dass das in Zukunft nicht mehr passieren wird?

Zwanziger: So blauäugig bin ich nicht. Ich weiß, dass man so etwas nie ausschließen kann. In einer Mannschaft, in der viele junge Spieler nachkommen und der Konkurrenzkampf wächst, kann es immer Unzufriedene geben. Aber trotzdem muss die Entscheidung des Trainers akzeptiert werden.

Sport1.de: Wie gehen Sie mit dem entstandenen Schaden um?

Zwanziger: Ich sehe das mit großer Gelassenheit. Wichtig ist, dass wir daraus gelernt haben für das, was vor uns liegt. Und da zählt ausschließlich die Qualifikation für die WM 2010 (DATENCENTER: Der Quali-Spielplan).

Sport1.de: Wie fällt ansonsten Ihr Fazit dieses Jahres aus?

Zwanziger: Insgesamt war es für alle unsere Auswahlmannschaften ein sehr gutes Jahr. Neben dem zweiten Platz der Männer bei der EM haben die Frauen die Bronzemedaille in Peking geholt und auch unsere Junioren-Teams waren sehr erfolgreich. Allen voran die U 19 mit dem EM-Titel. Manchmal hat man natürlich noch höhere Ziele. Aber jeder Mensch, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht, weiß, dass man nicht alle erreichen kann.

Sport1.de: Gab es weitere Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Zwanziger: Ich denke, wir haben auch sozial und gesellschaftlich unseren Beitrag leisten können. Auch mit unserer Kulturstiftung sind wir auf einem sehr guten Weg. Das alles macht mich sehr zufrieden.

Sport1.de: Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Julius-Hirsch-Preis, den der DFB am Mittwoch für den Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus vergeben hat?

Zwanziger: Eine sehr große. Der Sinn des Preises, ist es an Unrecht zu erinnern und gleichzeitig die Sinne zu schärfen, dass diese Dinge nicht wieder vorkommen. Wir erinnern damit an einen großen deutschen Fußballer, der von einem Tag auf den anderen ausgegrenzt und irgendwann im KZ ermordet wurde, nur weil er jüdischen Glaubens war. Und wir wollen den Menschen damit auch sagen, dass jede Gesellschaft wachsam gegen solche Entwicklungen sein muss und diejenigen würdigen, die gegen diese Tendenzen arbeiten.

Zum Forum - hier mitdiskutierenZurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel