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Kein Interesse an Bayern: Bundestrainer Joachim Löw (r.) © imago

Im SPORT1-Interview spricht Löw über seine Vertragsverlängerung - und warum es für ihn zum DFB-Job keine Alternative gibt.

Von Martin Volkmar

München - Noch vor knapp einem Jahr gab es in den Medien nahezu nur ein Thema: Haben Bundestrainer Joachim Löw und der DFB noch eine gemeinsame Zukunft?

Die Weltmeisterschaft in Südafrika wollte der Verband abwarten. Angeblich war man sich über die Finanzen uneinig, von Bonuszahlungen war die Rede, Interna kamen an die Öffentlichkeit - und Löw war über die vermutete Indiskretion verärgert.

Schließlich verlängerten der 51-Jährige sowie seine Mitarbeiter Oliver Bierhoff, Hansi Flick und Andreas Köpke aber doch die Verträge bis nach der EM 2012.

Und damit nicht genug: Wenige Tage vor der EM-Qualifikation gegen Kasachstan (Sa., ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) wurde bekannt, dass Löw und Co. gar noch zwei zusätzliche Jahre einplanen - nämlich bis zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

Im zweiten Teil des SPORT1-Interview spricht Joachim Löw über seine Beweggründe dafür, ein mögliches Engagement beim FC Bayern und schwärmt von seiner jungen, spielfreudigen Mannschaft.

(Hier geht es zum ersten Teil des Löw: Interviews: "Özil ist natürlich Weltklasse")

SPORT1: Sie selbst waren unlängst als Louis van Gaals Nachfolger beim FC Bayern im Gespräch, auch andere Top-Klubs haben neue Trainer gesucht. Trotzdem haben Sie beim DFB verlängert. Ist die Bundesliga für Sie gar nicht reizvoll?

Joachim Löw: Diese Situation hat sich nicht gestellt. Der DFB hat mir im Januar schon signalisiert, dass man gerne mit der gesamten sportlichen Leitung über die EM hinaus weiterarbeiten würde. Mich erfüllt der Job mit Stolz, und ich sehe eine sehr gute fußballerische Entwicklung in unserer Mannschaft. Deshalb gibt es für mich keinen Grund, über etwas anderes nachzudenken.

SPORT1: Kann man von einem Traumjob sprechen?

Löw: Die deutsche Nationalmannschaft zu trainieren, ist ein unglaubliches Highlight. Ich habe 2006 die WM im eigenen Land erleben dürfen, die EM 2008 und die WM 2010 - das waren außergewöhnliche Erfahrungen. Für mich als Trainer ist wichtig: Wie sind die Perspektiven der Mannschaft, gibt es eine Weiterentwicklung? Und in den letzten Jahren haben wir einen Fußball gespielt mit einer Kultur, die mir als Trainer zusagt. Das ist das Entscheidende für mich gewesen.

[kaltura id="0_e7th8tln" class="full_size" title="Ballack im Abseits"]

SPORT1: Bleiben Sie jetzt auf jeden Fall bis 2014, oder ist das davon abhängig, ob die EM 2012 erfolgreich wird?

Löw: Nicht allein. Wir haben den Vertrag auch deshalb jetzt verlängert, weil wir die WM 2014 in Brasilien als das ganz große Ziel für unsere Spieler sehen. Viele Spieler werden nach meiner Überzeugung erst im nächsten Jahr oder 2014 ihren absoluten Höhepunkt erreichen.

SPORT1: War das die Hauptmotivation weiterzumachen?

Löw: Klar. Die Mannschaft ist im Moment wahrscheinlich reifer, einen Titel zu gewinnen als 2006 oder 2008. Und sie kann 2012 oder 2014 noch weiter sein. Natürlich muss auch alles in die richtige Richtung laufen, um ein großes Turnier zu gewinnen. Zwei oder drei Verletzungen oder ein schlechtes Spiel können viele Dinge verändern. Aber für mich als Trainer ist es wichtig, dass ich eine Entwicklung erkenne und eine junge Mannschaft, die sehr homogen ist und mit der sich die Zuschauer identifizieren.

SPORT1: Nun jagt in der Endphase der Saison ein Highlight das nächste. Haben Sie da Sorgen, dass die Nationalmannschaft das EM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan und danach das Testspiel gegen Australien nur als lästige Pflichtaufgabe sehen könnte?

Löw: Bislang war die Motivation auch gegen vermeintlich kleine Gegner immer vorhanden. Ich bin überzeugt, dass wir gegen Kasachstan eine spielfreudige Mannschaft sehen werden. Wenn der Gegner natürlich weniger mitspielt und mit zehn Mann hinten drin steht, wird das Spiel in der Öffentlichkeit anders bewertet als ein Spiel gegen eine Mannschaft wie Italien. Aber mein Team wird sich bestimmt reinhängen, um beide Spiele zu gewinnen und auch die Zuschauer zu unterhalten.

SPORT1: Vor dem Australien-Spiel logiert die Mannschaft in Düsseldorf. Wird es da ein Gespräch mit Michael Ballack geben?

Löw: Wir haben gesagt, dass wir in der zweiten März-Hälfte oder auch Anfang April ein ruhiges Gespräch zu zweit miteinander führen. Damit ich ihm die Zeit gebe, einfach ein paar Spiele zu machen. Dann werden wir zu gegebener Zeit reden. Bisher Jetzt ist das noch nicht passiert. Von daher möchte ich mich auch nicht weiter zu Michael Ballack äußern.

(Hier geht es zum ersten Teil des Löw: Interviews: "Özil ist natürlich Weltklasse")

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