vergrößernverkleinern
SPORT1-Redakteur Thorsten Mesch (r.) mit Sami Khedira im DFB-Teamquartier © getty

Bei SPORT1 spricht Sami Khedira über die Ziele mit der Nationalmannschaft, die Konkurrenz zu Michael Ballack und Joachim Löw.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Mainz - Das Wetter in Mainz ist in diesen Tagen sonnig und mild. Wie in südlichen Gefilden.

Beinahe genau so, wie es "Neu-Spanier" Sami Khedira auch in Madrid erlebt.

Mit Real steht der Mittelfeldspieler im Viertelfinale der Champions League, im spanischen Pokalendspiel gegen den FC Barcelona und in der Meisterschaft hinter dem Erzrivalen auf Platz zwei.

Khedira, der 2007 mit Stuttgart Meister wurde und im DFB-Pokalendspiel stand, träumt von Titeln - auch mit der Nationalmannschaft, zu der er "immer wieder gerne" zurückkehrt.

Vor der Partie gegen Kasachstan fordert er volle Konzentration.

"Das ist ein EM-Qualifikationsspiel, es geht um sehr viel und wir haben Großes vor - in diesem Jahr und im nächsten Jahr", betont der gebürtige Stuttgarter, der am 4. April seinen 24. Geburtstag feiert.

Im ersten Teil des großen SPORT1-Interviews spricht Khedira über seine Ziele mit der Nationalmannschaft, seinen Wechsel im vergangenen Sommer, die Konkurrenz zu Michael Ballack und die Vertragsverlängerung von Joachim Löw.

In Teil zwei (>>>Hier geht es zum zweiten Teil) gibt er exklusive Einblicke in die Zusammenarbeit mit Jose Mourinho, erklärt den Unterschied zu Mesut Özil und beschreibt das Zusammenspiel mit einem Weltmeister.

SPORT1: Herr Khedira, ist es für Sie immer wieder etwas Besonderes, zur Nationalmannschaft zurück zu kommen, auch wenn der Gegner am Samstag "nur" Kasachstan heißt?

Sami Khedira: Ich kehre immer gerne zurück. Ob wir gegen Kasachstan oder einen vermeintlich kleineren Gegner antreten, spielt dabei keine Rolle. Man freut sich, die ganzen Kollegen zu treffen, sich auszutauschen und für Deutschland spielen zu dürfen. Die Partie gegen Kasachstan ist ein EM-Qualifikationsspiel, es geht um sehr viel und wir haben Großes vor - in diesem Jahr und im nächsten Jahr. Deswegen müssen wir jede Chance, die wir bekommen, auch nutzen.

[image id="86e83e52-647f-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

SPORT1: Solche Spiele sind auch eine Chance, einige Dinge zu testen...

Khedira: Gerade gegen kleinere Gegner müssen wir schauen, dass wir unsere Automatismen und unseren Spielfluss mehr und mehr finden. Man hat es in Barcelona gesehen, wo jedes Jahr alles immer effektiver geworden sind. Das wollen wir mit der Nationalmannschaft auch so schaffen. Wir sehen solche Spiele als Chance, um besser zu werden, und nicht als Last. Wir haben Spaß daran, guten Fußball zu spielen. Das ist das, was wir wollen und das wollen wir den Zuschauern zeigen.

SPORT1: Und das Stadion in Kaiserslautern ist ausverkauft...

Khedira: Ja, es ist auch eine Bestätigung unserer Leistungen in den letzten Monaten. Wir wollen den Fans etwas zurückgeben, ein gutes Spiel liefern und uns selbst dadurch noch mehr Sicherheit geben.

[kaltura id="0_owiwsggi" class="full_size" title=" zil Pr dikat unersetzlich"]

SPORT1: Nach dem Spiel gegen Kasachstan geht es am Dienstag gegen Australien. Die Begegnung war die erste bei der Weltmeisterschaft. Kommen die Erinnerungen an die tolle Zeit in Südafrika schon wieder hoch?

Khedira: Wenn man gegen solch einen Gegner spielt und auf eine erfolgreiche, oder fast erfolgreiche Weltmeisterschaft zurückblickt, kommen Erinnerungen hoch. Aber natürlich nicht in derselben Intensität, wie man sie damals erlebt hat. Wir haben in Südafrika eine sehr schöne Erfahrung gemacht und man blickt gerne zurück.

SPORT1: Fühlen Sie sich durch Ihre Leistungen bei der WM und den Wechsel zu Real Madrid anders wahrgenommen als vorher?

Khedira: Es war so, dass ich vor der WM, obwohl ich auch in der Champions League gespielt habe, auf internationaler Ebene nicht richtig wahrgenommen wurde. Viele wussten nicht: "Kann er auf diesem Niveau spielen oder nicht?" Ich war natürlich davon überzeugt, dass ich es kann. Aber man muss auch erstmal beweisen, dass man es kann. Deswegen war es für mich ein sehr wichtiger Schritt, bei der Weltmeisterschaft alle Spiele von Beginn an gemacht zu haben und alle Spiele sehr gut bestritten zu haben. Dadurch wächst man natürlich auch, und man bekommt ganz andere Möglichkeiten, wie den Wechsel zu Real Madrid.

SPORT1: Wie sehr hat Sie das letzte Jahr auch als Persönlichkeit geprägt?

Khedira: Natürlich steht das Sportliche im Vordergrund, aber gerade in unserer heutigen Gesellschaft ist es sehr wichtig, dass man nicht nur gut Fußball spielt, sondern die Augen auch außerhalb des Platzes offen hält, weil dort viele Gefahren lauern. Die Medienwelt ist enorm gewachsen, es gibt sehr viele Leute, die etwas von einem Spieler wollen, gerade wenn man jung und erfolgreich ist. Deswegen haben mir die WM und alles, was danach passiert ist, sehr gut getan.

SPORT1: Für Sie war die WM ein Glück. Dabei haben Sie auch von Michael Ballacks Unglück profitiert. Stört es Sie, wenn Sie immer wieder auf diese Konstellation angesprochen werden?

Khedira: Was heißt stören? Jeder weiß, dass Michael Ballack enorm viel Qualität besitzt. Es gibt aber noch viele andere Spieler, die auf der Position hervorragende Qualität besitzen. Es wird immer Konkurrenzdruck geben, was jedoch für den deutschen Fußball sehr gut ist. Jeder Spieler muss schauen, wie er seinen Platz verteidigt und wie er ihn zurückbekommt. Das ist ein ganz normaler Prozess.

Deswegen ist es auch sehr gut, dass ein Spieler sagt, dass er wieder in die Nationalmannschaft und in die erste Elf will. Ich sage von mir aus, dass ich meinen Platz definitiv behalten will. Und so werde ich auch an die nächsten Aufgaben herangehen - bis hin zur Europameisterschaft.

SPORT1: Joachim Löw hat seinen Vertrag als Bundestrainer verlängert. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?

Khedira: Das ist ein Glücksfall für den deutschen Fußball. Vor der WM hat er viel Kritik einstecken müssen, auch weil er so viele junge Spieler nominiert hat. Aber er bringt ihnen sehr viel Vertrauen entgegen und hält an ihnen fest. Das gibt gerade jungen Spielern ein sehr gutes Gefühl und hilft ihnen dabei, sich weiter zu entwickeln. Ich weiß nicht, wie viele Trainer den Mut gehabt hätten, mit so vielen jungen Spielern zu einer WM zu reisen, noch dazu auf solch zentralen Positionen.

Aber er hat es durchgezogen, hat uns vertraut, und wir haben es zurückgezahlt. Und so wird es auch weitergehen. Er hält an seiner Linie fest, hat nach der WM schon wieder einigen sehr talentierten Spielern die Chance gegeben. Wenn wir diesen Weg, den wir mit ihm eingeschlagen haben, weitergehen, werden wir eine sehr erfolgreiche Zukunft haben.

>>>Der zweite Teil: Khediras Leben als Star bei Real Madrid

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel