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Sami Khedira wechselte im Sommer 2010 vom VfB Stuttgart zu Real Madrid © imago

Im zweiten Teil des SPORT1-Interviews spricht Sami Khedira über seine Rolle bei Real Madrid und den Unterschied zu Mesut Özil.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Mainz - Die Auftritte mit der Nationalmannschaft sind für Sami Khedira die Ouvertüre zu einem entscheindenden Monat.

Gegen Kasachstan und Australien ist Khedira mit dem DFB-Team klarer Favorit.

Mit Real Madrid hat er im April die Chance, in einer starken Saison die Titelperspektiven aufrecht zu erhalten - oder alles zu verlieren.

Im "Clasico" gegen den FC Barcelona geht es um die Meisterschaft und den Pokalsieg.

Und in der Champions League droht im Halbfinale ein weiteres Aufeinandertreffen mit dem Erzrivalen, wenn Real zuvor Tottenham Hotspur ausschaltet.

So oder so ist Khediras Wechsel zum spanischen Rekordmeister aber schon jetzt eine Erfolgsgeschichte - die ihm so wohl kaum jemand zugetraut hat.

Im zweiten Teil des SPORT1-Interviews spricht Khedira über seine Rolle bei Real Madrid unter Star-Trainer Jose Mourinho, den Unterschied zu Mesut Özil und das Zusammenspiel mit einem Weltmeister.

SPORT1: Herr Khedira, Jose Mourinho hat Ihnen bei Real Madrid sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Was ist er für ein Mensch?

Sami Khedira: Jose Mourinho ist ein sehr, sehr guter Trainer, ein Weltklassetrainer. Für ihn ist nicht entscheidend, wer in den Medien gut rüberkommt oder wer eine tolle Frau hat, sondern für ihn ist wichtig, welche Spielertypen er braucht, um sein erfolgreiches Team zu formen.

SPORT1: Und Sie sind sein Typ...

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Khedira: Ich habe mich nach der WM mit Mourinho zusammengesetzt und dabei hat er mir gesagt, dass er mich schon seit zwei, drei Jahren beobachtet. Er hat letztendlich nur noch die Sicherheit gebraucht, zu sehen, wie ich mich auf oberstem Niveau schlage.

Das zeigt, dass er immer seine Augen offenhält und auch Spieler, die nicht so im Mittelpunkt stehen, über einen langen Zeitraum beobachtet um zu sehen, ob sie in sein Konzept passen oder nicht. Er hat gesagt, dass ich ein Spieler bin, der zu hundert Prozent in sein Konzept passt. Und ich finde, dass der Fußball, den er spielen lässt, mehr oder weniger perfekt zu mir passt.

SPORT1: Was fordert Mourinho von Ihnen?

Khedira: Dass ich die Mannschaft zusammen mit Xabi Alonso stabilisiere und helfe, ein Gleichgewicht zwischen Offensive und Defensive zu schaffen. Das ist vielleicht nicht so spektakulär wie bei einem Cristiano Ronaldo, Mesut Özil oder Karim Benzema, aber ich denke, ich habe meine Aufgabe zu 100 Prozent erfüllt und bin deshalb auch sehr glücklich, mit ihm arbeiten zu können.

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SPORT1: Mesut Özil steht in Madrid und in der Nationalelf mehr im Mittelpunkt als Sie. Ist Ihnen diese Rollenverteilung vielleicht sogar ganz recht?

Khedira: Ich bin mit der momentanen Situation zufrieden und glücklich. Dass ich in der Öffentlichkeit nicht diesen Glanz und diese Anerkennung finde, ist für mich völlig normal und mir auch bewusst. Aber ich habe immer wieder betont und ich meine es völlig ernst, dass mir das nicht wichtig ist.

SPORT1: Inwiefern?

Khedira: Für mich ist wichtig, dass ich zum Erfolg der Mannschaft beitrage und der Trainer mit meinen Leistungen zufrieden ist. Und wenn ich das nächste Spiel wieder über 90 Minuten spiele, weiß ich, dass ich eine gute Partie gemacht habe.

SPORT1: Wie schätzen Sie Özils Leistung ein?

Khedira: Ich habe ihn in den letzten beiden Jahren als Mensch kennengelernt und weiß, wie er arbeitet. Es kommt nicht von ungefähr, dass er diesen Weg eingeschlagen hat. Er lebt bewusst danach und arbeitet bewusst dafür, einer der besten Spieler der Welt zu werden. Und vielleicht auch der beste Spieler der Welt zu werden. Er ist sehr sachlich und ruhig und lässt sich von dem ganzen Trubel um ihn nicht beeinflussen. Er sagt einfach "Ich habe Lust, Fußball zu spielen."

SPORT1: Unternehmen Sie auch privat viel zusammen?

Khedira: Wir verbringen sehr viel Zeit miteinander und genießen sie, aber wenn es auf den Platz geht, widmen wir uns zu hundert Prozent dem Fußball. Das ist es, was Mesut ausmacht: der Spaß am Fußball und die Geilheit, zu gewinnen. Wie er momentan und in den letzten Monaten gespielt hat, kann man ihm ganz klar das Prädikat "Weltklasse" geben.

SPORT1: Wie ist es, mit so einem Ass wie Xabi Alonso zusammenzuspielen, der Weltmeister und Europameister ist und mit Liverpool die Champions League gewonnen hat?

Khedira: Xabi Alonso ist ein sehr erfahrener Mann, der von seiner Strategie und seiner Einfachheit lebt. Er wird in der Öffentlichkeit auch nicht wie ein großer Superstar wahrgenommen, aber er ist für jede Mannschaft enorm wichtig. Es macht riesigen Spaß, mit ihm zu spielen und ich profitiere von ihm. Er weiß, wie man sich in gewissen Situationen zu bewegen hat und unser Zusammenspiel wird immer besser.

Ich würde noch nicht sagen perfekt, aber die Tendenz geht schon dahin, dass wir uns optimal verstehen. Wir brauchen nicht viele Worte, um uns gegenseitig abzusichern. Im Training reden wir über gewisse taktische Dinge, und wenn man das jeden Tag tun kann, entwickelt man sich persönlich neben einem Weltklassemann wie Xabi Alonso auch selbst weiter.

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