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Lukas Podolski (l.) debütierte am 6. Juni 2004 gegen Ungarn in Kaiserslautern im DFB-Team © getty

Mit einem Tor gegen Kasachstan würde Poldi mit Uwe Seeler gleichziehen. Löw weiß, warum es derzeit beim Kölner läuft.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Mainz - Am 7. März ging für Lukas Podolski ein Traum in Erfüllung:

Auf einem Festwagen der "Roten Funken" fuhr "Prinz Poldi" beim Kölner Rosenmontagszug mit und warf, vor Freude strahlend, Kamelle in die Menschenmassen, die ihm vom Straßenrand aus zujubelten.

Die Party um Podolski hörte auch nach dem Aschermittwoch nicht auf.

Beim 4:0-Sieg des 1. FC Köln über Hannover 96 erzielte er ein Tor selbst, holte den Feistoß zum 1:0 heraus, glänzte als Vorbereiter und wurde sechs Minuten vor Schluss unter stehenden Ovationen nach einer überragenden Leistung (SPORT1-Note 1) ausgewechselt.

Bundesliga-Bestmarke eingestellt

Beim anschließenden 2:6 in Hamburg riss er zwar keine Bäume aus (Note 4), erzielte aber immerhin einen sehenswerten Treffer.

Mit zwölf Saisontoren hat Podolski seine Bundesliga-Bestmarke aus der Saison 2006/06 bereits nach 27 Spieltagen eingestellt.

Noch besser ist seine Quote in der Nationalmannschaft, für die er in 84 Spielen bereits 42-mal getroffen hat.

Mit einem Tor im EM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan (Sa., ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) kann Podolski in der DFB-Torjägerliste mit Uwe Seeler (43) gleichziehen und sich auf Platz sieben verbessern.

Und auch Jürgen Klinsmann, Rudi Völler (beide 47) und Karl-Heinz Rummenigge (45) hat er bald eingeholt.

Löw lobt seinen Knipser

Die kurze Reise zum DFB-Team nach Mainz trat der 25-Jährige in Topform und mit breiter Brust an.

Das war früher häufig anders. Da schien die Nationalmannschaft für Podolski häufig eine Art Zufluchtsort zu sein, wo er nach mäßigen Leistungen im Verein aufblühte.

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Nach seiner Rückkehr zum 1.FC Köln sei es "schwierig für ihn gewesen, sich in der Spielweise im Verein zurechtzufinden", vermutet Bundestrainer Joachim Löw (Joachim Löw im SPORT1-Interview - Teil eins).

"Wenn ich Lukas früher beobachtet habe, hat die Mannschaft zumeist lange Bälle gespielt. In den letzten Monaten haben sie ihre Spielweise umgestellt. Das kommt Lukas natürlich auch in Köln zugute."

Das sieht auch Podolski so.

"In Köln wurde ich herumgereicht"

"Du musst als Spieler wissen, woran du bist. In der Nationalmannschaft spiele ich seit Jahren fast immer auf der gleichen Position. In Köln aber wurde ich quasi herumgereicht. Mal habe ich zentral gespielt, mal links und mal rechts", erklärte Podolski zuletzt in der "Welt".

"Dass sich da Frust aufbaut, ist doch klar. Aber jetzt haben wir endlich Struktur auf dem Platz. Davon profitiere ich ganz eindeutig." Profitiert hat er vor allem vom Trainerwechsel in Köln.

[kaltura id="0_ljmaj62r" class="full_size" title="L w Kasachstan wird keine Chance haben "]

Frank Schaefer ließ ihn, anders als dessen Vorgänger Zvonimir Soldo, wieder zusammen mit seinem kongenialen Partner Milivoje Novakovic in der Offensive wirbeln. Mit zusammen 23 Treffern bilden die beiden eines der gefährlichsten Angriffsduos der Liga.

Und Schaefer machte Podolski zum Kapitän. "Ich finde es toll, die Binde tragen zu dürfen. Es gibt mir ein Gefühl von Stärke und sehr viel Selbstvertrauen. Das ist jedes Mal ein besonderer Augenblick, das Team als Erster auf den Platz zu führen", erzählt der.

Mehr Verantwortung, aber keine Narrenfreiheit

"Er hat jetzt im Verein etwas mehr Verantwortung und muss in diese Rolle mehr und mehr herein wachsen", sagt Löw.

Durch das Kapitänsamt sei er "viel enger in Kontakt mit dem Trainer und muss viel mehr Gespräche führen", erklärt Podolski. "Aber das ist okay. Menschlich bin ich der Alte. Locker wie immer, aber verantwortungsvoll."

Sonderbehandlung bekommt er trotz seines Status als Star und Aushängeschild des Vereins aber keine.

"Narrenfreiheit, was einige vielleicht denken mögen, weil wir (Podolski und Schaefer, d. R.) uns seit meiner Jugend kennen, habe ich übrigens nicht. Der Trainer sagt mir genauso knallhart, wenn ich im Spiel Mist gebaut habe", sagt Podolski, der gern weiter mit Schaefer zusammenarbeiten würde.

Schaefer: "Er hat einen Plan, was passieren soll"

"Ich hoffe, dass er bleibt. Was mir total gefällt: Er will Fußball spielen und hat einen Plan von dem, was auf dem Platz passieren soll", lobt er seinen Coach.

Während Schaefers Kontrakt in Köln bisher noch nicht verlängert wurde, wurden in der Nationalmannschaft mit Löws Vertragsverlängerung bereits die Weichen gestellt.

"Ich freue mich, dass ich mit ihm weiterarbeiten kann", sagt Podolski. Löw habe in den vergangenen Jahren etwas aufgebaut, sei aber mit seinem Werk noch nicht am Ende.

"Wir haben ein junges Team mit viel Potenzial. Er hat mir in meiner Karriere sehr geholfen. Er hat mir nicht nur sportlich viel mit auf dem Weg gegeben, sondern auch menschlich."

Klose und Müller vor den Augen

Das Vertrauen zahlt Podolski zurück. Mit Toren. Am besten auch gegen Kasachstan.

Und sollte er noch ein paar Jahre weiter so treffen wie bisher, könnte er vielleicht sogar bald seinen Offensiv-Kollegen Miroslav Klose (59) und den Rekord von Gerd Müller übertreffen.

69 Tore für die Nationalmannschaft - es wäre ein weiterer Traum, der vielleicht auch irgendwann in Erfüllung geht.

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