vergrößernverkleinern
Nach dem frühen Tor von Miro Klose (M.) baute die DFB-Elf nach der Pause ab © getty

Nach dem 4:0 gegen Kasachstan hat die DFB-Auswahl das EM-Ticket fast sicher. Ungetrübte Freude herrscht dennoch nicht.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Kaiserslautern - Vier Tore, fünf Siege in Folge, acht Punkte Vorsprung in der Gruppe A und die EM-Qualifikation fast schon in der Tasche.

Die Zahlen sprechen nach dem 4:0 (3:0) gegen Kasachstan eindeutig für die deutsche Nationalmannschaft.

Doch vielen der 47.849 Zuschauer reichte eine starke erste Halbzeit offenbar nicht, denn nach der Pause ging immer wieder ein enttäuschtes Raunen durch das ausverkaufte Fritz-Walter-Stadion.

Als Mario Gomez ein- und Bastian Schweinsteiger zusammen mit Thomas Müller in der zweiten Halbzeit ausgewechselt wurden, waren die Pfiffe deutlich zu hören.

Löw verärgert über Pfiffe

Sehr zum Unmut von Joachim Löw.

"Ich habe das als äußerst negativ empfunden. Denn auch Schweinsteiger hat mal das Recht, ein schwächeres Spiel zu machen", sagte der Bundestrainer.

Man müsse Schweinsteiger "auch mal ein Spiel zugestehen, indem er seine Qualitäten und sein Niveau nicht so abrufen kann, wie wir es von ihm gewohnt sind".

Löw führte die hohen Ansprüche an die DFB-Auswahl als Ursache für den Unmut an.

"Es ist klar, die Erwartungen sind gewachsen aufgrund unserer Spiele zuletzt. Da wird erwartet, dass man jeden Gegner mit 6:0, 7:0 oder 8:0 nach Hause schickt."

Schweinsteiger, der sich gegen die Kasachen nach ordentlichem Beginn einige Fehlpässe leistete, meinte, er "verstehe die Zuschauer nicht ganz. Im Endeffekt gewinnen wir 4:0 und sind Tabellenerster mit acht Punkten Vorsprung". (DATENCENTER: Gruppe A)

[image id="404fe15c-647f-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Lahm widerspricht Schweinsteiger

Philipp Lahm erklärte dagegen, man müsse die Meinung der Fans akzeptieren und räumte ein: "Natürlich können wir besser spielen, vor allem besser als in der zweiten Halbzeit."

Dennoch könne man "zufrieden sein, wir führen die Tabelle mit 15 Punkten an. Da darf man sich nicht beschweren". (AKTUELL: Die Stimmen zum Spiel)

Entschieden sei trotz der fünf Siege aber noch nichts, betonte Lahm, der im Testspiel gegen Australien am Dienstag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) wie Mesut Özil und Sami Khedira geschont wird:

"Wir brauchen nur in Österreich nicht zu gewinnen, dann wird es schon wieder enger. Aber wir haben die Qualität, um in der Qualifikation einfach durchzumarschieren. Und bis jetzt haben wir das bewiesen."

[kaltura id="0_e34lsbdz" class="full_size" title=" Haben uns nach der Pause schwer getan "]

EM-Quali vielleicht schon im Juni perfekt

Mit Siegen in den nächsten beiden Spielen in Wien (3. Juni) und gegen Aserbaidschan (7. Juni) könnte die Qualifikation für die EM-Endrunde in Polen und der Ukraine bereits perfekt gemacht werden.

Spielt die Türkei am Dienstag gegen Österreich und am 3. Juni gegen Belgien jeweils unentschieden, könnte Deutschland vorzeitig nicht mehr vom Platz eins verdrängt werden.

Teammanager Oliver Bierhoff wird deshalb im kommenden Monat in Polen schon einmal drei mögliche EM-Quartiere inspizieren.

Ob Bierhoff sich dabei Tipps von Miroslav Klose geben lassen wird, ist nicht bekannt.

Klose jagt Gerd Müller

Der Routinier könnte bereits vor der EM in seinem Geburtsland den DFB-Torrekord von Gerd Müller einstellen oder sogar übertrumpfen.

Der 32-Jährige, beim FC Bayern nur zweite Wahl hinter Mario Gomez, erzielte wie sein Münchner Teamkollege Thomas Müller einen Doppelpack und erhöhte sein Torkonto in der Nationalelf auf 61.

Damit fehlen ihm nur noch sieben Treffer zu Müllers Bestmarke.

Jubel bei der Rückkehr auf den Betzenberg

Im Gegensatz zu Gomez, der bei seiner Einwechslung Pfiffe erntete, jubelten die Zuschauer dem ehemaligen Lauterer bei seiner Rückkehr auf den Betzenberg zu.

Den Unmut der Fans konnte Klose aber nachvollziehen. "Die Zuschauer unterstützen uns, wenn wir guten Fußball spielen. Das haben wir heute einfach nicht getan."

Gegen Australien wird die Mannschaft auf jeden Fall ein neues Gesicht zeigen.

Dass Andre Schürrle in Mönchengladbach in der Startelf steht, hatte Löw bereits angekündigt.

Hummels und Friedrich gegen Australien in Startelf

Der Dortmunder Mats Hummels wird in der Innenverteidigung beginnen und auch Arne Friedrich hatte Löw einen Einsatz über 90 Minuten in Aussicht gestellt.

Für Dennis Aogo dürfte BVB-Aufsteiger Marcel Schmelzer die linke Abwehrseite bearbeiten, Jerome Boateng könnte Lahms Platz auf der rechten Seite übernehmen.

Für den Fall, dass es gegen Australien nicht sofort rund laufen sollte, schickte Oliver Bierhoff einen Appell an die Zuschauer in Mönchengladbach:

"Es ist unser Anspruch, immer attraktiv zu spielen. Aber die Verbindung mit den Fans muss sich auch in Zeiten zeigen, in denen es nicht so läuft."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel