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Holger Osieck trainierte bis Juli 2008 die Urawa Red Diamonds in Japan © getty

Holger Osieck stellt als australischer Nationaltrainer vieles auf den Kopf. An das DFB-Team hat er nicht nur gute Erinnerungen.

München - Holger Osieck und seine Ehefrau Elisabeth sind "mit Sack und Pack" nach Sydney gezogen, doch beim Thema Disziplin ist der 62-Jährige nach wie vor ein typischer Deutscher.

"Das ist mein Weg. Ich muss klare Richtlinien vorgeben", sagte der Nationaltrainer Australiens vor dem Duell mit der DFB-Elf in Mönchengladbach (Di., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Osieck muss Down Under vieles auf den Kopf stellen:

"Undiszipliniertheiten auf dem Feld führen zu einem Desaster, und genauso ist es auch neben dem Platz. Und die Jungs haben bisher gut auf das reagiert, um was ich sie gebeten habe."

"Goldene" Generation über dem Zenit

Der gebürtige Duisburger, als Assistent von Franz Beckenbauer 1990 mit Deutschland Weltmeister, hat seit seinem Amtsantritt bei den "Socceroos" im August 2010 eine knifflige Aufgabe zu lösen.

Denn die meisten Spieler der "goldenen" australischen Generation, die sich 2006 und 2010 jeweils für die WM-Endrunde qualifiziert hatte, stehen vor dem Ende ihrer Karriere.

Idole wie Rekord-Nationalspieler Mark Schwarzer (FC Fulham/38 Jahre), der ehemalige Champions-League-Sieger Harry Kewell (Galatasaray Istanbul/32) oder Kapitän Lucas Neill (Galatasaray Istanbul/32) haben den Zenit ihrer Karriere überschritten. Osieck muss sie ersetzen. Denn das Ziel ist klar: Alles andere als die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien wäre eine Enttäuschung.

Deutsche Mannschaft als Vorbild

"Jeder muss wissen, was notwendig ist. Es ist mein Job, das große Ganze im Blick zu haben. Wir sind nur Teile davon. Jeder muss seinen Beitrag leisten, sonst funktioniert es nicht", sagte Osieck.

Vorbild für den Umbruch ist dabei auch das Team von Joachim Löw. "Ich stelle mir das genauso vor wie in Deutschland, wo die ganz jungen die Spieler mittleren Alters schon unter Druck setzen", sagte der 62-Jährige dem "kicker":

"Ich würde mich freuen, wenn dadurch innerhalb der Mannschaft eine positive Spannung erzeugt würde."

Legionäre als Hoffnungsträger

Hoffnungsträger bei dem zu erwartenden Umbruch sind in Torwart Mitchell Langerak vom Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund (22) und Nikita Rukavytsya vom Zweitliga-Tabellenführer Hertha BSC Berlin (23) auch zwei Deutschland-Legionäre. Für Überraschung sorgte auch die Nominierung des erst 19 Jahre alten Brent McGrath.

"Ich musste mich kneifen", sagte McGrath, der sein Geld bei Bröndby Kopenhagen in der dänischen Liga verdient: "Aber Holger hat gesagt, ich hätte es mir verdient."

"Wollen keine Packung kriegen"

Bis jetzt hat Osieck mit seinem Kurs Erfolg. War er bei seiner Verpflichtung für die Australier noch ein unbeschriebenes Blatt - lediglich 12 Prozent war Osieck ein Begriff -, so machte er sich vor allem durch den zweiten Platz beim Asien Cup im Januar auch Down Under einen Namen.

Und auch bei dem Wiedersehen mit der deutschen Mannschaft, gegen die die Australier in der WM-Vorrunde in Südafrika eine bittere 0:4-Niederlage einstecken mussten, stapelt Osieck nicht tief.

"Eine Niederlage kann nie ein Erfolg sein. Wir wollen sehen, dass wir klar kommen", sagte er, aber auch: "Natürlich wollen wir keine Packung kriegen."

Böse Erinnerungen an DFB-Team

Zumindest will er eine Situation aus seinem vorherigen Aufeinandertreffen mit der DFB-Elf nicht mehr erleben. Als Nationaltrainer Kanadas verlor er 2003 in Wolfsburg nach 1: 0-Führung noch 1:4 - und hatte bei einer Einwechslung ein einschneidendes Erlebnis.

"Ich weiß noch, als ich zu einem meiner Spieler sagte: Come on, mach dich fertig. Da schaute er mich verdutzt an. Den angstvollen Blick meines Spielers vergesse ich nie", erinnert er sich.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Wiese - Träsch, Hummels, Friedrich, Schmelzer - Schweinsteiger, Kroos, Götze, Müller, Schürrle - Gomez

Australien: Schwarzer - Wilkshire, Neill, Ognenovski, Carney - Jedinak, Valeri - Rukavytsya, McKay - Kruse, Kewell

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